Mysteriöse Bauten Google lüftet das Geheimnis seiner Container-Kähne

Seit Tagen fragt sich die Tech-Szene, was es mit den schwimmenden Containerkonstruktionen auf sich hat, die Google in den USA baut. Jetzt hat der Konzern endlich eine Erklärung geliefert. Die dürfte allerdings viele enttäuschen.

Google-Lastkahn in der Bucht von San Francisco: Objekt wilder Spekulationen
REUTERS

Google-Lastkahn in der Bucht von San Francisco: Objekt wilder Spekulationen


Es war ein durchaus unterhaltsames Rätselraten, das der kalifornische Internetkonzern ausgelöst hatte: Aufmerksame Beobachter hatten in der Bucht von San Francisco einen großen Lastkahn ausgemacht, auf dem vier Stockwerke hoch Spezialcontainer gestapelt sind. Auch Treppen und einen großen Aufgang konnte man erkennen. Sobald bekannt wurde, dass Google der Eigentümer der ungewöhnlichen Konstruktion ist, gab es die ersten Gerüchte.

Weil sich Google selbst nicht äußerte, wurde eifrig spekuliert, was der Konzern mit seinem schwimmenden Gefährt vorhaben könnte. Als plausibel wurde zunächst die Vermutung gehandelt, die Container sollten ein neues Rechenzentrum beherbergen. Das war naheliegend, hatte Google etwas derartiges doch längst zum Patent angemeldet. Den Betriebsstrom sollten sogenannte Pelamis-Maschinen aus der Energie der Wellen erzeugen, zur Kühlung würde Seewasser genutzt.

Andere wollten erfahren haben, dass in den Schwimmcontainern die Datenbrille Google Glass beworben und verkauft werden sollte. Mit den fahrbaren Glass-Geschäften habe das Unternehmen den prosperierenden Apple Stores etwas entgegensetzen wollen, die Vermarktung seiner Hardware näher an die Kunden bringen wollen. Tatsächlich wurden plötzlich immer mehr ähnliche Lastkähne gesichtet. Mindestens vier davon sollen an verschiedenen Orten in den USA identifiziert worden sein.

Keine Dinosaurier an Bord

Jetzt stellt sich heraus: Keines der Gerüchte kam der Wahrheit nahe. Was es tatsächlich mit den Konstruktionen auf sich hat, versuchte der Konzern jetzt in einer Stellungnahme gegenüber "Techcrunch" zu erklären.

"Googles Kahn - ein schwimmendes Rechenzentrum? Ein Boot für wilde Partys? Ein Kahn, der den letzten überlebenden Dinosaurier beherbergt? Leider nichts von alledem", heißt es in dem Statement als Absage an alle Gerüchte. Die Wahrheit ist viel profaner als es sich viele erhofft haben: "Obwohl wir damit noch am Anfang stehen und sich Dinge ändern könnten, untersuchen wir die Möglichkeit, die Kähne als interaktiven Raum zu nutzen, in dem man etwas über neue Technologien lernen kann."

Doch lieber ein Casino?

Wirklich viel gesagt hat der Konzern damit nicht. Weder wird aus der Aussage klar, was auf den Kähnen nun tatsächlich stattfinden, noch wann es damit losgehen soll. Frei interpretiert könnte es sich einfach um einen riesigen Showroom handeln, in dem man sich Googles Datenbrille Glass auf die Nase setzen oder die jeweils aktuellen Nexus-Tablets und -Smartphones ausprobieren kann. Genauso gut könnte der Konzern aber auch ein tatsächlich didaktisches Projekt verfolgen und versuchen, Interessierten an Bord zu vermitteln, wie seine Internetangebote funktionieren.

Genau weiß man das nicht. Und schließlich behält sich Google in seinem Statement selbst vor, seine Pläne komplett über Bord zu werfen und aus den Lastkähnen doch schwimmende Casinos oder eine überdachte Teststrecke für autonom fahrende Autos zu bauen. Klarheit werden wir erst bekommen, wenn der Konzern die Tore seiner Kähne öffnet.

insgesamt 19 Beiträge
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facepalme 07.11.2013
1.
Vielleicht macht auch einer Ernst damit die wahnsinnig hohen Huerden der USA fuer Mitarbeiter aus dem Ausland zu umgehen, indem man eine schwimmende Konstruktion knapp ausserhalb der Hoheitszone vor Kalifornien stationiert.
gebit 07.11.2013
2. Effekthascherei
nennt man es, wenn in der Überschrift was angekündigt wird, was dann im Text nicht gehalten wird. Man kennt das von unseriösen Verkaufsblättchen, also bleiben Sie doch mit der Überschrift bei der Wahrheit.
simple mind 07.11.2013
3. Immer wieder erstaunlich,
wie Journalisten die Wahrheit zurecht biegen, nur damit sie beliebte Phrasen in ihren Texten unterbringen können: "Jetzt stellt sich heraus: Keines der Gerüchte kam der Wahrheit nahe." ist schlichtweg falsch. Ganz am Anfang schreibt er, dass ein Gerücht in Richtung Marketing von Google Glass geht. Unten schreibt er dann: "könnte es sich einfach um einen riesigen Showroom handeln, in dem man sich Googles Datenbrille Glass auf die Nase setzen...kann".
sebastian.teichert 07.11.2013
4. Wellengang?
Die dinger sind so flach! Das kann nicht auf See! Was meint ihr wenn da ne Riesenwelle kommt? Gestandene Kreuzfahrtschiffe dümpeln da mehr schlecht als recht durch. Und die blutigen Finger will ich nicht haben. In der heutigen zeit brauch man keine Person wirklich mehr am Platz. Speziell Internetriesen machen alles übers Internet. Stellt google die eben schlecht bezahlt in Indien ein. Haben die noch mehr gewonnen... Trennt euch mal von dem Quatsch!
zzzuck 07.11.2013
5.
Zitat von gebitnennt man es, wenn in der Überschrift was angekündigt wird, was dann im Text nicht gehalten wird. Man kennt das von unseriösen Verkaufsblättchen, also bleiben Sie doch mit der Überschrift bei der Wahrheit.
Es wächst zusammen was zusammen gehört.
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