Google Nexus 10: So gut ist Googles Preisbrecher-Tablet

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Es ist schneller, hat einen höher auflösenden Bildschirm und kostet sogar weniger als die Konkurrenz: Ist das neue Google-Tablet Nexus 10 besser als Apples iPad? Wir haben es getestet.

Highend-Tablet zum Lowcost-Preis: So sieht das Google Nexus 10 aus Fotos
Matthias Kremp

Der erste Eindruck ist ernüchternd: Schön ist es nicht. Das Design des Nexus 10 wirkt langweilig und altbacken. Rundherum ist das Display von breiten Rändern eingefasst, die vollkommen symmetrisch zueinander sind. Würde man das kleine Guckloch der Videochat-Kamera nicht sehen, könnte man oben und unten nicht unterscheiden. Besonders wertig wirkt es mit seinem Kunststoff-Gehäuse auch nicht. Wobei die leicht aufgeraute Gummirückseite ihren Vorteil hat und das Tablet davor schützt zu verrutschen.

Schade. Eigentlich hätte Googles Nexus 10 einen auffälligeren Look verdient. Denn ein Tablet wie dieses hat es bisher noch nicht gegeben. Zu Kampfpreisen ab 400 Euro bringt Google das Gerät auf den Markt, das sich von seinen technischen Daten her nicht vor dem Top-Modell von Marktführer Apple verstecken muss. Das gilt vor allem für den Bildschirm.

Das Display

Bis vor kurzem hätte man es kaum für möglich gehalten, das die Auflösung des iPad-Bildschirms in absehbarer Zeit noch übertroffen werden kann. 2048 x 1536 Pixel drängeln sich auf den 9,7 Zoll von iPad 3 und iPad 4. Damit übertrumpfte Apple nicht nur seine früheren iPad-Modelle bei weitem, sondern ließ auch die Konkurrenz weit hinter sich, die meist bei 1024 x 768 oder 1280 x 800 stagnierte. Doch seine Spitzenposition muss der kalifornische Konzern jetzt abgeben. Mit 2560 x 1600 Pixeln auf 10,1 Zoll löst das Nexus 10 noch einmal deutlich feiner auf als die Retina-Displays.

Um zu verdeutlichen, wie dicht die Bildpunkte gequetscht wurden: Bis zur Einführung des neuen Google-Tablets war diese Auflösung Monitoren im 30-Zoll-Format vorbehalten, die von PC und Notebooks mit speziellen Grafikkarten angesteuert wurden. Während bei denen rund 100 Pixel pro Zoll nebeneinanderstehen, sind es beim Nexus 10 dreimal so viele.

Und das kann sich sehen lassen: Schriften sind noch in sehr kleinen Buchstabengrößen gut lesbar, sofern die Augen das mitmachen. Normalgroße Schriften profitieren ebenfalls von der hohen Pixeldichte, weil sie gestochen scharf abgebildet werden. Die sonst bei genauer Betrachtung auf Bildschirmen sichtbaren Treppeneffekte - vor allem bei Rundungen, Schrägen und Linien - gibt es einfach nicht. Auch als E-Book-Reader, zum Beispiel mit Amazons Kindle-App, macht sich das Gerät gut (siehe Bilderstrecke).

Auch Fotos und Filme sehen auf dem hochauflösenden Bildschirm besser aus als auf normalen Displays, vor allem wenn man Videos in HD betrachtet. Auch Spiele profitieren grundsätzlich von der hohen Auflösung, etwa weil Farbübergänge schön fließend dargestellt werden können. Für die neue Auflösung optimierte Games sind uns bisher aber nicht bekannt.

Die Leistung

Das Leistungsmessprogramm Geekbench lässt eigentlich keinen Zweifel zu: Das Nexus 10 ist deutlich schneller als die Konkurrenz - und auch schneller als das iPad mit Retina-Display. Während das Apple-Tablet mit dem neuen A6X-Prozessor in diesem Test rund 1750 Punkte einfährt und damit gut doppelt so schnell wie sein Vorgänger ist, wird es von dem neuen Google-Rechner noch deutlich übertroffen. Mehr als 2100 Punkte werden ihm vom Geekbench zugeschrieben.

Im Alltag spürt man diese Leistung, indem man sie nicht vermisst. Filme und Videos spielt das Nexus 10 geschmeidig ab, Spiele sowieso - vor allem, wenn sie grafisch aufwendig sind. Fotos zu skalieren oder zu drehen geht ebenso einfach von der Hand, und durch E-Books kann man im Eilzugtempo scrollen. Nur der Web-Browser kam gelegentlich ein klein wenig ins Stolpern, wenn wir sehr schnell durch sehr lange Webseiten wischten. Aber das war leicht verschmerzbar und kaum zu spüren.

Leistung also hat das Nexus 10 auf absehbare Zeit genug.

Die Ausdauer

Die Akkuleistung eines neuen Geräts innerhalb weniger Tage zu beurteilen, ist eine knifflige Aufgabe. Wie lange der Stromspeicher durchhält, hängt zu sehr von unterschiedlichen Nutzungsszenarien ab. Wer den ganzen Tag nur 3D-Actionspiele spielen will, muss öfter zur Steckdose als jemand, der mit demselben Tablet seine E-Mails beantwortet und Nachrichten liest.

Eine grobe Einordnung ist nach einigen Tagen, an denen man sich intensiv mit der neuen Hardware beschäftigt und viel ausprobiert hat, aber möglich. In unserem Test musste das Google-Tablet alle ein bis zwei Tage ans Netzteil gehängt werden. Wie bei allen Mobilgeräten lässt sich, unabhängig von Leistung und Display-Auflösung, am meisten Akkulaufzeit herausholen, wenn man sparsam mit der Bildschirmbeleuchtung umgeht.

Die Akkulaufzeit entspricht in etwa der des iPad.

Android 4.2

Auf unserem Testgerät ist bereits die neueste Version des Google-Betriebssystems installiert. Allerdings offenbar in einer noch nicht finalen Version. So war darin beispielsweise noch kein Hinweis auf die versprochene Mehrbenutzerfähigkeit zu finden. In den Geräten, die an Kunden ausgeliefert werden, soll das anders sein. Sie sollen sich jeweils per Fingertipp auf ihr Foto als aktiver Nutzer anmelden können und eine personalisierte Umgebung samt E-Mail-Konten und sozialer Netzwerke vorfinden. So wäre es beispielsweise möglich, ein Tablet in der Familie gemeinsam zu nutzen.

Ebenso wenig ist es uns gelungen, wie versprochen Widgets auf dem Sperrbildschirm ablegen zu können oder die Daydream genannten Bildschirmschoner auszuprobieren. Die Kamera-App hingegen ist auf unserem Testgerät schon final. So konnten wir die Photo-Sphere-Funktion ausprobieren, mit der man quasi Über-Panoramen fotografieren kann, die mehr als nur eine Reihe nebeneinanderliegender Bilder zusammenfassen. Ein Beispiel dafür sehen Sie in der Bilderstrecke.

Trotzdem: Android 4.2 müssen wir uns später noch genau anschauen.

Ist es besser?

Keine Frage: Das Nexus 10 ist besser. Und zwar besser als alle anderen Android-Tablets, die wir bisher gesehen haben. Sein Bildschirm ist grandios, auch wenn er zu stark spiegelt. Die Prozessorleistung ist mehr als ausreichend, die 32 Gigabyte Speicher des Testgeräts dürften den meisten Anwendern ebenso ausreichen wie die Akkulaufzeit.

Aber ist es auch besser als ein iPad 4, das ja immerhin 100 Euro mehr kostet? Ansichtssache. Beschränkt man sich auf das Tablet selbst sowie die Apps und Dienstleistungen, die Google dafür anbietet - und das sind nicht wenige -, kann man sich den Aufpreis sparen. Zumal wenn man sich mit dem Design anfreunden kann. Das größere Zubehör-Angebot und die immer noch einfachere Benutzeroberfläche findet man allerdings beim Apple-Tablet. Ebenso wie eine mobilnetztaugliche Tablet-Variante, die vom Nexus 10 bisher nicht in Aussicht gestellt worden ist.

Die 16-GB-Variante des Nexus 10 allerdings dürfte bald zum Bestseller werden. Sie bietet die Fähigkeiten eines iPad 4 zum Preis eines iPad 2 an. Nur ohne Apple-Faktor.

iPad 4 und Nexus 10
Hersteller Apple Samsung
Bezeichnung iPad 4 Nexus 10
Betriebssystem iOS 6 Android 4.2
Prozessor Apple A6X Samsung Exynos 5
Arbeitsspeicher 1 GB 2 GB
Festspeicher 16/32/64 GB 16/32 GB
Displaygröße 9,7 Zoll 10,1 Zoll
Displayauflösung 2048 x 1536 2560 x 1600
W-Lan 802.11a/b/g/n 802.11b/g/n
Bluetooth 4.0 k.A.
Mobilfunk GSM/EDGE/UMTS/HSPA+/DC-HSDPA/LTE -
GPS nur bei Mobilfunk-Version Ja
USB nur via Adapter 1 x
Speicherkartensteckplatz nein nein
Kopfhörer Ja Ja
Mikrofon Ja Ja
Webcam ja, 720p ja, 720p
Digitalkamera ja, 5 Megapixel ja, 5 Megapixel
Gewicht 652 bis 662 Gramm 603 Gramm
Abmessungen 24,1 x 18,6 x 0,9 Zentimeter 26,4 x 17,8 x 0,9 Zentimeter
Preis mit W-Lan 499/599/699 Euro 399/499 Euro
Preis mit W-Lan und Mobilfunk 629/729/829 Euro -
Alle Daten sind Herstellerangaben

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insgesamt 214 Beiträge
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1.
spatenheimer 06.11.2012
Was? Google will 100,- EUR Aufpreis für 16 GB mehr Speicher? Das ist ja die pure Abzocke!
2. Vergleich???
s.g. 06.11.2012
Zitat von sysopMatthias Kremp Es ist schneller, hat einen höher auflösenden Bildschirm und kostet sogar weniger als die Konkurrenz: Ist das neue Google-Tablet Nexus 10 besser als Apples iPad? Wir haben es getestet. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/google-nexus-10-im-test-a-865306.html
Und wo bleibt der im Kurztext versprochene Vergleich? Ist das Display (Auflösung) wirklich besser als beim aktuellen iPad? angeblich kann man (Mensch) da doch schon die Pixel nicht mehr einzeln sehen. Macht sich die etwas bessere Hardware-Ausstattung auch bei der Nutzung bemerkbar, oder bremst Android das wieder auf/unter iPad-Niveau ein? Eines der, aus meiner Sicht wichtigsten, Unterscheidungsmerkmale zum iPad, die Benutzerverwaltung scheint ja leider noch nicht zu funktionieren.
3. Er kann es nicht lassen...
micha-mille 06.11.2012
Zitat von sysopMatthias Kremp Es ist schneller, hat einen höher auflösenden Bildschirm und kostet sogar weniger als die Konkurrenz: Ist das neue Google-Tablet Nexus 10 besser als Apples iPad? Wir haben es getestet. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/google-nexus-10-im-test-a-865306.html
Ist ihm dieses Urteil sehr schwer gefallen? Scheinbar ja, denn sonst hätte er auf den letzten Satz vielleicht verzichtet.
4.
DMenakker 06.11.2012
Was will ich mit einem tablet ohne Mobilfunkanbindung? Zuhause hab ich richtige Rechner stehen.
5. Ich wundere mich...
betaknight 06.11.2012
Ist es denn so schwer zu schreiben, dass es besser ist als das neue iPad? Es klingt beinahe schon etwas verzweifelt, wie stark man versucht das Gerät am Design undam Benutzerinterface kleinzureden. Vor allem, dass man das Design des Gerätes ganze zwei oder Dreimal bemängelt und man zwar offen zugibt dass es besser als alle anderen Android Geräte ist, aber im Fall von Apple im Vergleich herumdruckst. Mich würde einmal interressieren,w as Apple so an die Presse als Werbepartner zahlt, oder mir einmal wünschen, dass Her Kremp einmal in einem Artikel nicht für Apple so voreingenommen ist.
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