Google Nexus 4: Viel Smartphone für wenig Geld

Von

Es ist eine Kampfansage an die Konkurrenz: Google bringt sein neues Top-Handy Nexus 4 zum Schnäppchenpreis auf den Markt. Doch was taugt das 300-Euro-Smartphone? Wir haben es getestet.

Nexus 4: Das ist das neue Google-Smartphone Fotos
Matthias Kremp

Google baut keine Hardware, Google lässt Hardware bauen. Das Nexus-7-Tablet kommt von Asus, das Nexus 10 von Samsung und das neue Smartphone Nexus 4 wird von LG hergestellt. Wie viel von der Entwicklungsarbeit die Google-Ingenieure dabei übernehmen, ist unklar. Sicher ist, dass Google seinen Hardware-Partnern die Eckdaten vorgibt und dabei hilft, die Android-Software an die jeweiligen Geräte anzupassen. Denn die sind, wenn sie Nexus heißen, vor allem Träger der jeweils neuesten Version. Sie sollen zeigen, was das Google-Betriebssystem kann und die neuen Funktionen des jeweiligen Updates demonstrieren. So auch das Nexus 4.

Fetter Bildschirm

Außerdem bekommen Nexus-Geräte immer als erste Updates auf die jeweils neueste Android-Version geliefert. Auch das ist ein Kaufargument für Googles Handys. Besitzer anderer Mobiltelefone müssen oft monatelang warten, bis sie ein solches Update bekommen - wenn es überhaupt noch eins gibt. Diesen Vorsprung können Googles Geräte aber nur so lange gewährleisten, wie die Hardware genug Leistung für die neue Software bietet. Der Unterbau muss stimmen.

Und das tut er beim Nexus 4. Der Bildschirm ist mit 4,7 Zoll zwar zu groß für kleine Hände, aber das Format kommt offenbar an. Mit einem nur geringfügig größeren Display (4,8 Zoll) hat sich Samsungs Galaxy S III zigmillionenfach verkauft. Die Auflösung erreicht mit 1280 x 768 Pixeln eine Pixeldichte von 317 Punkten pro Zoll (PPI) und liegt damit nah an der Retina-Auflösung des iPhone 5 (326 PPI).

Fetter Antrieb

Sein Snapdragon-S4-Pro-Prozessor von Qualcomm dürfte mit seinen vier Rechenkernen locker genug Leistung haben, um die nächsten großen Android-Updates zu verkraften. Im Testprogramm Geekbench erreicht das Smartphone rund 2000 Punkte - und damit gut 300 mehr als ein iPhone 5 schafft.

Ebenfalls beruhigend sind die zwei Gigabyte Arbeitsspeicher, mit denen der Prozessor spielen kann. Die Massenspeicherbestückung ist mit acht beziehungsweise 16 Gigabyte dagegen eher mager und kann auch nicht per Speicherkarte erweitert werden. Google verweist für mehr Speicher auf Cloud-Dienste und die Online-Anbindung.

Letztere wird im W-Lan über die Standards 802.11 b/g/n hergestellt, unterwegs über GPRS, EDGE, UMTS und HSPA+. Natürlich sind auch Bluetooth und NFC eingebaut. Als Besonderheit, die sich in immer mehr neuen Smartphones breitmacht, gibt es außerdem eine drahtlose Ladefunktion, die erfreulicherweise dem Qi-Standard folgt, also auch mit Ladegeräten anderer Hersteller funktioniert. Im Test klappte das allerdings mit einem Qi-Ladekissen von Nokia trotzdem nicht.

Schlanker Akku

Das ist auch deshalb bedauerlich, weil unser Testgerät sich als wenig ausdauernd erwies. Morgens vom Netzteil getrennt, zeigte es nach einem Tag zurückhaltender Benutzung um 16 Uhr nur noch ein Drittel Ladekapazität an. Zu wenig, um den anschließenden Abend durchzuhalten. Wie so oft ist aber schwer abzuschätzen, ob dies ein Dauerzustand ist. Unser Testgerät kam quasi direkt vom Fließband zu uns, hatte nur wenige Tage Zeit, seinen Akku zu kalibrieren. Es gibt Berichte wonach Android-Handys eine Weile brauchen, bis ihre Akkus volle Leistung erreichen.

Widgets hebeln die Sicherheit aus

Wie beim Nexus-10-Tablet ist auch das Nexus 4 ab Werk mit der neuen Version 4.2 des Google-Handybetriebssystems Android ausgestattet. Der Funktionsumfang entspricht weitgehend dem des Nexus 10. Mit dem feinen Unterschied, das beim Nexus 4 die Daydreams genannten Bildschirmschoner schon funktionierten. Viel Sinn ist ihnen aber nicht abzugewinnen. Außer vielleicht, wenn man das Handy in einer Dockingstation als Wecker oder digitalen Bilderrahmen verwenden will.

Mit einem am Dienstag ausgelieferten Update wurde das System noch einmal großflächig aktualisiert, ohne dass dies in einer Änderung der Versionsnummer reflektiert worden wäre. Die wichtigste Neuerung: Der Umgang mit dem Sperrbildschirm wurde verändert. Er funktioniert jetzt ähnlich wie der Homescreen. Ohne das Handy zu entsperren, kann man durch seitliches Streichen zwischen verschiedenen Ruhebildschirmen wechseln.

Wischt man nach rechts, startet die Kamera, auf der linken Seite kann man eines von vier Widgets ablegen (Uhr, Google Mail, Kalender, SMS/MMS). Eine hübsche Funktion, die leider die Sicherheit aushebelt. Auch wenn man eine per Pin, Muster oder Gesichtserkennung aktivierte Display-Sperre eingerichtet hat, kann jeder Fremde die auf den Widgets angezeigten Daten lesen und die Kamera benutzen.

Was fehlt

Ansonsten sind die wenigen Fehlstellen des Nexus 4 schnell aufgezählt. Die wichtigste: Es kann kein LTE. Aus meiner Sicht ist das ein verschmerzbarer Mangel angesichts der wenig motivierenden Erfahrungen, die ich bisher mit der neuen Netzwerktechnik gemacht habe. Als Verkaufsargument aber wäre es hilfreich, verfügen doch alle neuen Highend-Handys in irgendeiner Form über LTE-Technik.

Auch ein Headset liefert Google nicht mit. Wer also Musik per Kopfhörer hören oder freihändig telefonieren will, muss sich selbst um Zubehör kümmern. Klar, damit fehlt etwas auf der Ausstattungsliste. Da mitgelieferte Headsets aber oft von trauriger Qualität sind, kann man das auch als Motivation sehen, sich ein gut klingendes Headset anzuschaffen. Auswahl gibt es genug.

Zu schnell weg

Auch wenn es nicht in jeder Hinsicht perfekt ist, bietet Google mit dem Nexus 4 ein Smartphone an, das es der Konkurrenz schwer machen wird. Abgesehen vom fehlenden LTE und der mageren Speicherbestückung ist die Ausstattung vollständig. Das Design ist dem Hersteller LG gut gelungen, der zu den Kanten hin abgerundete Bildschirm, der von einem sehr schmalen Rahmen eingefasst ist, gibt ihm einen edlen Look - nur die Akkulaufzeit schmälert den Gesamteindruck.

In der Version mit 8 GB Speicher kostet es 299 Euro, mit 16 GB Speicher 50 Euro mehr. Den Vertrieb behält der Internetkonzern sich selbst vor und bietet sein neues Mobiltelefon ausschließlich ohne Vertragsbindung in seinem Onlineshop an. Ein Umstand, der Dienstag nach Verkaufsbeginn für Ärger sorgte. Der enorme Andrang Kaufwilliger sorgte für Serverprobleme bei Google, bereits nach wenigen Minuten sollen die Bestände ausverkauft gewesen sein. In den Foren machen Interessenten, die leer ausgegangen sind, ihrem Unmut Luft.

Die große Nachfrage ist verständlich: Mehr Smartphone fürs Geld als beim Nexus 4 bekommt man derzeit nicht.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 114 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
HarrySe 13.11.2012
"Viel Smartphone für wenig Geld" 300 Euro wenig Geld?
2. 300 Euro?....
fatherted98 13.11.2012
...ein Schnäppchenpreis? Wow..bei Spon müssen ja wirklich nur noch die Besserverdienenden den Ton angeben....echte FDP Klientel.
3. Ladekissen?
huettenfreak 13.11.2012
Das Lumia-Ladekissen sieht ja wirklich besch..... aus. Nokia sollte noch schnell schauen ein paar Palm/HP-Ingenieure anzuheuern, die wissen wie man so etwas in Schön baut. Das Nexus gefällt mir ausgesprochen gut, erst recht für diesen Preis. In einem Jahr sicher ein würdiger Nachfolger für mein HP Veer.
4. Das Handy hat das Zeug...
sitronen 13.11.2012
... der lange erwartete Gamechanger zu werden. Weniger wegen der Hardware, deren Ausstattung in ebenso vielen Bereichen grandios ist wie in anderen mager, als wegen des Preis-Leistung-Verhältnisses. Dies entspricht ja der Maßgabe Googles, dass Smartphones weitaus günstiger werden sollen. Der Erfolg für Google berechnet sich somit nicht alleine aus der offenbar ünerwältigenden Nachfrage, sondern vielmehr aus der Gesamtzahl der verkauften Smartfones. Mal sehen, wie die Preisgestaltung von HTC, Samsung, Apple und co. in einem Jahr aussehen wird.
5.
moev 13.11.2012
Naja, "wenig Geld" ist relativ. Das Nexus 4 ist sicher ein Smartphone der Oberklasse zum Preis der oberen Mittelklasse, aber auch etwas was die meisten User einfach nicht brauchen. Ich behaupte einfach mal 95% der User die mit einem S3 rumlaufen, weil es das hippstes neuste Phone aus der Werbung ist werden damit niemals etwas machen was nicht auch ein Galaxy zu einem drittel des Preises locker leisten könnte. All das Leistungspotential das dort schlummert wird einfach nie abgerufen werden. Und beim Nexus 4 jetzt das selbe in grün. Hätte Google ein untere Mittelklasse Smartphone etwa vom Kaliber des Galaxy Ace 2 zu nem Preis von unter 200€, ich würde sofort zuschlagen. Aber auch wenn das Nexus 4 jetzt Oberklasse zum Preis von Mittelklasse ist, ich brauche einfach keine Oberklass eim Smartphone. Und außerdem fnde ich Phones größer als 4 Zoll einfach unbequem in der Hosentasche.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gadgets
RSS
alles zum Thema Angefasst
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 114 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Highend-Tablet zum Lowcost-Preis: So sieht das Google Nexus 10 aus

Mobile Breitbandformate
UMTS
Universal Mobile Telecommunications System - wird oft als Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G) bezeichnet, da er deutlich höhere Datenübertragungsraten als sein Vorgänger GSM ermöglicht. Deutsche UMTS-Netze schaffen üblicherweise eine Bandbreite von 384 Kbit/s für die Datenübertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Reguläre DSL-Anschlüsse bieten heute üblicherweise 1024 Kbit/s. (mehr ...)
HSDPA
High Speed Downlink Packet Access - setzt auf UMTS auf, erzielt aber deutlich höhere Übertragungsraten bei der Übertragung vom Mobilfunkmast zum Endgerät. Die praktisch erreichbare Datenrate liegt zurzeit bei 1,4 Mbit/s. Durch technologische Verbesserungen soll sie allmählich auf 5,1 Mbit/s steigen. (mehr ...)
GPRS
General Packet Radio Service - dieser Standard zerlegt Daten beim Sender in einzelne Pakete, überträgt sie gestückelt und setzt sie beim Empfänger wieder zusammen. Durch Bündelung mehrerer Übertragungskanäle ist theoretisch eine Übertragungsrate von bis zu 171,2 Kbit/s möglich. Im praktischen Betrieb sind es meist 55,6 Kbit/s - so langsam waren Modems in den Zeiten vor DSL. (mehr ...)
Edge
Enhanced Data Rates for GSM Evolution - Technik zur Erhöhung der Übertragungsrate von Daten in GSM-Mobilfunknetzen. Durch effizientere Modulationsverfahren sollen in der Summe bis zu 384 Kbit/s erreicht werden - das ist UMTS-Geschwindigkeit. Edge wurde bisher in 75 Ländern eingeführt. (mehr ...)
WiMax
Die WiMax-Technologie umfasst mehrere Standards zu Datenübertragung auf verschiedenen Funkfrequenzen. Manche WiMax-Standards brauchen eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger, bei anderen können die Signale auch Mauern durchdringen. Bei Tests soll WiMax schon Datentransferraten von mehr als hundert Mbit/s erreicht haben. Hermann Lipfert, Experte für Drahtlosnetze beim Münchner Institut für Rundfunktechnik (IRT), schätzt, dass in einer regulären WiMax-Funkzelle Tranferraten von 50 Mbit/s realistisch sind - unter idealen Bedingungen und bei Anwendung aller derzeit zur Verfügung stehenden technischen Tricks. Diese Bandbreite müssten sich dann wie bei UMTS alle Nutzer teilen, die in der jeweiligen Funkzelle online sind. (mehr ...)
DVB-T
Der DVB-T-Standard regelt die Verbreitung digitaler Fernsehsignale per Funk. Der DVB-Standard ist zwar auch dafür ausgelegt, Internetinhalte zu übertragen - in den Frequenzbereich eines einzigen analogen Fernsehkanals (etwa sieben MHz) passen aber gerade mal 13 Mbit pro Sekunde hinein. Wenn an einer einzigen Sendestation also 20 Nutzer hängen, die gleichzeitig etwa einen Dateidownload versuchen, wird es schon eng - die Datenrate für jeden Nutzer läge unter einem Mbit/s, also niedriger als die der günstigsten DSL-Verbindungen, die derzeit im Angebot sind. "Die größte Gefahr für diese Technik ist, von der Gegenwart überholt zu werden", sagt Sven Hansen von der Computerzeitschrift "c't". Überträgt man die Inhalte über DVB, geht das auch nur in eine Richtung - wie beim Fernsehen eben. Der Rückkanal muss dann auf anderem Wege hergestellt werden, etwa über eine herkömmliche Telefonleitung. Mausklicks im Browser gingen bei dieser Methode über die Telefonleitung zum Provider, die angeforderten Seiten würden dann von der DVB-Sendestation zurück zum Empfänger gefunkt. Das ist umständlich - und langsam. (mehr ...)
LTE
Long Term Evolution ist der Name, den eine Reihe von Mobilfunkunternehmen einem weiteren Standard der vierten Mobilfunkgeneration gegeben haben. LTE ist im Grunde eine Weiterentwicklung von UMTS - braucht aber gänzlich neue Hardware, einschließlich neuer Sendestationen. LTE konkurriert mit dem WiMax-Standard um die Marktführerschaft im mobilen Internet der Zukunft - zwischen den beiden Standards wird möglicherweise ein neuer Formatkrieg ausbrechen. LTE ist nach Einschätzung von Experten gegenüber WiMax allerdings etwa zwei Jahre im Rückstand, was die technologische Entwicklung angeht. (mehr ...)


E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.