Pixel 2 im Test Googles Smartphones werden erwachsen

Die ersten Google-Smartphones sollten neue Android-Versionen bewerben. Beim neuen Pixel 2 ist das anders. Der Test zeigt: Googles Geräte sind mehr als nur eine Alternative zu Samsung, Apple und Huawei.

Matthias Kremp

Von


Früher waren es vor allem Android-Fans, die sich Google-Handys gekauft haben. Der Reiz dabei: Die Geräte kamen mit dem Versprechen, auf Jahre hinaus die jeweils aktuelle Android-Version zu bekommen und als erste mit Updates und Patches beliefert zu werden. Smartphones waren für Google das, was Apple TV angeblich auch für Apple war: ein Hobby.

Damit ist es jetzt vorbei. Googles Smartphone-Chef Rick Osterloh hat Google zu einem ernst zu nehmenden Handy-Hersteller gemacht. Die Entwicklung liegt nun weitgehend in der Hand der Kalifornier. Zuletzt hat der Konzern die Smartphone-Sparte von HTC übernommen - und damit rund 2000 erfahrene Entwickler.

Googles neuen Smartphones, den Modellen Pixel 2 und 2 XL, merkt man das an. Sie wirken weniger nerdy und deutlich trendiger als manche Vorgänger. Und sie haben jetzt mehr als nur ein nacktes Android-System an Bord.

Technisch haben die beiden Smartphones alles , was aktuelle High-End-Handys brauchen: Sie werden von einem 2,35 GHz schnellen Achtkern-Prozessor angetrieben, haben vier Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und wahlweise 64 oder 128 GB Speicherplatz.

Speicherkarten kann man nicht einstecken, dafür aber unbegrenzt Onlinespeicher nutzen, um eigene Fotos und Videos zu sichern. Außerdem sind die Geräte wasserabweisend, haben einen USB-C-Anschluss (und keinen klassischen Kopfhöreranschluss) und beherrschen die aktuellen WLAN-, Bluetooth- und LTE-Standards.

Gemeinsam haben beide auch die vom HTC U11 entliehene Active-Edge-Funktion: Drückt man sie mit der Hand an den Seiten zusammen, startet der Google-Assistant. Ich habe das während des Tests kaum genutzt, aber es mag dafür eine Zielgruppe geben.

Fotostrecke

19  Bilder
Xperia XZ Premium und U11: Smartphones für Blender

Die Akkukapazität reichte während des Tests locker für einen Tag. Videos in Dauerschleife spielten beide rund 13 Stunden lang ab, bevor der Akku leer war, wobei das XL etwas früher aufgab. Per Schnellladefunktion ist der Akku nach 15 Minuten an der Steckdose wieder bei 30 Prozent.

Die Kamera lebt von Software

Google tritt auf der Rückseite mit nur einer Kamera gegen die stets mit Doppelkameras bestückten Smartphones der Konkurrenz an. Was andere mit einer Kombination aus Weitwinkel- und Teleobjektiv erreichen, könne man auch mithilfe künstlicher Intelligenz schaffen, sagen die Kalifornier.

Tatsächlich macht die 12,2-Megapixel-Kamera des Pixel 2 - die Kamera vorn liefert derweil acht Megapixel - einen hervorragenden Job. Im direkten Vergleich mit Apples iPhone 8 Plus und Samsungs Galaxy Note 8 kann Googles Handy bei gutem Licht lässig mithalten. Bei wenig Licht gelingt es ihm sogar oft, mehr Klarheit aus einem Motiv herauszuholen.

Das Heranzoomen an entfernte Objekte hingegen schaffen die Konkurrenten mit ihren Teleobjektiven besser, der Software-Zoom des Pixel 2 erzeugt oft eine leichte Unschärfe. Bei Nahaufnahmen und Porträts mit verschwommenem Hintergrund hingegen schlägt es sich meist gut. Nur selten arbeitet Googles Software nicht ganz akkurat.

Testfoto des Pixel 2
Matthias Kremp

Testfoto des Pixel 2

Auch als Videokamera lässt sich das Pixel 2 bestens benutzen. Die Bildstabilisierung ist in der Praxis zwar nicht ganz so effektiv wie in Googles Werbefilmen. Sie schafft es aber doch, einen Film trotz eines leichten Zitterns oder wackeligen Schritten ruhig wirken zu lassen.

Sinn für Details

Die animierten Bildschirmhintergründe der Pixel 2 dagegen sind eigentlich nur schmückendes Beiwerk. Google nennt sie "lebendiges Universum". Ein Hintergrund zeigt einen Strand, ein anderer eine Berglandschaft, ein dritter den Planeten Erde.

Erst bei genauem Hinsehen bemerkt man: Am Strand brechen sich Wellen, über die Bergstraße fährt ein Auto, die Wolken über dem Bild der Erde werden aus realen Satellitendaten berechnet. Das alles sind Kleinigkeiten, sie lassen ein Produkt aber lebendig erscheinen.

Einen ähnlichen Effekt hat die Funktion "Now Playing". Sie schaltet die Mikrofone in den Dauerbetrieb und zeigt an, welchen Titel man gerade hört, sobald sie Musik erkennt. Egal ob zu Hause, im Café oder in einem Kaufhaus.

Perfekt funktioniert das nicht, weil Google nur eine lokal gespeicherte Datenbank abfragt und keine Daten ins Netz sendet. Aber man kann das auch als Beruhigung sehen: Zum Abhören taugt diese Funktion offenbar nicht.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Sehr gute Kamera

Sehr guter Bildschirm (Pixel 2 XL)

Wasserfestes Gehäuse

Immer die aktuelle Android-Version

Relativ teuer

Wer beim Smartphone Wert auf eine sehr gute Kamera legt, der kommt am Pixel 2 nicht vorbei. Googles Software holt aus der einen Rückseiten-Knipse mehr heraus als viele Konkurrenten aus zwei Kameras. Bleibt die Frage, ob Pixel 2 oder Pixel 2 XL. Der Preisunterschied ist deutlich: 799 Euro für das kleine Modell mit 64 GB, 939 Euro für das XL mit ebenso viel Speicher.

Für den Aufpreis bekommt man allerdings nicht nur den größeren, sondern auch den besseren Bildschirm, mit mehr Details und realistischeren Farben. Das Upgrade auf 128 GB kostet jeweils 110 Euro extra. Die neuen Google-Handys sind also nicht nur sehr gut, sondern auch sehr teuer geworden.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Software-Updates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.


insgesamt 73 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fd2fd 17.10.2017
1. Autor hat die Nexusreihe nicht verstanden
Nexus-Geräte waren für Entwickler gedacht, damit sie ihre Apps besser an neue Versionen anpassen können. Die solide/ gute Hardware gab es zum vernünftigen Preis und fanden dadurch auch andere Käuferschichten. Das hat nix mit Nerd zu tun. Die Pixels sind klassische Konsumentengeräte mit all ihren Nachteilen und Einschränkungen, aber das scheint heute mehr denn je gefragt zu sein. Je weniger ich mein Hirn nutzen mussy desto besser das Gerät...
fd2fd 17.10.2017
2. Ps
Google hält seine Entwicklungsumgebung Android Studio für so ausgereift, dass sie auf die Entwicklerserie verzichten.
hikage 17.10.2017
3. möglicherweise..
..meint der Autor ja auch, dass Techniknerds noch als in der Lage sind, Preis und Leistung in Relation zu sehen. Das würde dann erklären, wieso diese als Zielgruppe nicht mehr angepeilt werden.
meiner_einer 17.10.2017
4. Der Preis ist zu hoch!
Für ein Google-Gerät dieselben Preise wie für Apple-Geräte aufzurufen ist ganz schön dreist, denn bei Google zahlt man schließlich schon mit seinen Daten, und das nicht zu wenig!
swmf 17.10.2017
5. Wie naiv muss man sein?
Zitat von meiner_einerFür ein Google-Gerät dieselben Preise wie für Apple-Geräte aufzurufen ist ganz schön dreist, denn bei Google zahlt man schließlich schon mit seinen Daten, und das nicht zu wenig!
Deshalb lassen Sie Apple demnächst auch immer und überall zugucken? Denn das iPhone und sein Face-ID guckt weg, wenn Sie es in privaten Momenten nutzen wollen, gell? Obwohl die Kamera immer an ist. Und woher wußte Apple vor der Einführung von Touch-ID wie viele Nutzer weltweit [!] ihr iPhone ohne Passwort nutzten? Achso, kennen Sie Siri? Oder spotlight? Aber Google-Streetview war gefährlich, stimmt's?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.