Pixel Buds Nein, Googles Kopfhörer sind keine Universalübersetzer

Faszinierend: Wie ein Simultandolmetscher übersetzen Pixel Buds, Googles neue Kopfhörer, fremde Sprachen. Was steckt dahinter?

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Na klar, darauf hatten alle gewartet, und das war zu erwarten: Am Mittwochabend hat Google in San Francisco neue Smartphones vorgestellt, das Pixel 2 und das größere Pixel 2 XL. Und ja, das sind augenscheinlich tolle Smartphones, vor allem das XL-Modell mit seinem Breitbildschirm.

Ihre Kameras sind offenbar sogar die besten, die man in einem Mobiltelefon derzeit bekommen kann. Zumindest wenn man auf Zahlen vertraut. Im DxO-Kameratest bekamen die beiden Google-Handys gerade 98 Punkte, vier mehr als die bisherigen Spitzenreiter, Apples iPhone 8 Plus und Samsungs Galaxy Note 8.

Trotzdem sind die beiden Pixel eben nur Smartphones und damit nichts Ungewöhnliches. Noch mehr bin ich jedenfalls auf ein anderes Produkt gespannt. Auf ein Gerät, das Google erst am Ende seiner Präsentation zeigte, als viele Reporter schon dabei waren, ihre Meldungen zu den Pixel-Smartphones zu schreiben.

Die Pixel Buds klingen spannender

Ich meine die Pixel Buds. Kopfhörer, die in Deutschland 179 Euro kosten sollen.

Das Konzept erinnert an Apples AirPods: Bluetooth-Kopfhörer, die sich automatisch mit dem Handy ihres Nutzers verbinden, die gut klingen und die per Mikrofon zum Telefonieren und zur Sprachsteuerung des Handys taugen. Man kann mit ihnen also mit dem Google Assistant und am iPhone mit Siri parlieren. Das können AirPods und viele andere Headsets auch. Nur sind bei Google die beiden Hälften des Headsets mit einem Kabel verbunden. Eine eher praktisch pragmatische Lösung, keine technische.

Aber dann zeigte Google scheinbar etwas, was andere Headsets nicht können: Simultanübersetzung. Zu sehen waren ein Google-Manager und eine seiner Kolleginnen, die aus Schweden stammt. Die Dame trug ein Paar Pixel Buds in den Ohren und eines der neuen Pixel-2-Smartphones in der Hand, während die beiden eine zweisprachige Unterhaltung führten: er auf Englisch, sie auf Schwedisch.

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Drahtlose Headsets im Test: Apples AirPods und die Konkurrenz

Es war beeindruckend, wie schnell Googles Übersetzungssoftware die in der jeweiligen Muttersprache der beiden gesprochenen Sätze in die jeweils andere Sprache übersetzte. Der Effekt funktionierte, das Publikum war verblüfft - so wie auch ich.

Spontan assoziierte ich Googles Headset mit dem Babelfisch aus "Per Anhalter durch die Galaxis." Für diejenige, die das Buch von Douglas Adams nicht kennen: Ein Babelfisch ist ein winzig kleiner Fisch, der alle Sprachen des Universums übersetzt, wenn man ihn sich in den Gehörgang steckt. Adams hatte einen wunderbaren britischen Humor.

Das kann ich auch

Einen Tag und diverse Hands-on-Berichte später weiß ich es besser: Mit einem Babelfisch haben Googles kleine Kopfhörer nichts zu tun. Viel mehr dafür mit einer App und einer Webseite von Google, die es schon lange gibt, dem Google-Übersetzer. Denn, was bei der Präsentation am Mittwoch kaum zu sehen war, automatisch wurde da nichts übersetzt. Nimmt man es genau, hätte der Trick auch ohne die schicken Kopfhörer funktioniert.

Denn die Pixel Buds fungierten bei der Präsentation nur als Headset, als Mikrofon und Kopfhörer also. Als die Dame auf ihren rechten Kopfhörer tippte, tat sie nichts anderes, als den Google Assistant aufzurufen. Mit dem Sprachbefehl "Hilf mir, Englisch zu sprechen" startete sie auf ihrem Handy die Google-Übersetzer-App.

Das sieht schick aus, geht aber auch ohne Kopfhörer, mit jedem Android-Smartphone oder iPhone. Eigentlich nämlich wurde nur gezeigt, was Googles Übersetzer-App sowieso kann: 40 Sprachen nahezu in Echtzeit ineinander übersetzen.

Das hätte man gern etwas deutlicher sagen können, schließlich ist auch das schon sehr beachtlich. Vor allem, weil das mit heruntergeladenen Sprachdateien sogar offline funktioniert, wie ich gerade erst in den französischen Rhone-Alpen ausprobieren konnte. Googles-Präsentation wurde freilich im Onlinemodus durchgeführt. Und Googles WLAN war offensichtlich schnell, sehr schnell.

So bleibt die Erkenntnis, dass Googles Pixel Buds leider doch keine Babelfische sind. Aber halt ein fast kabelloses Headset, das gut klingt und ein paar nette Funktionen zur Smartphone-Steuerung mitbringt. Wenn das gut umgesetzt ist, reicht das aber vielleicht auch schon.



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bold_ 06.10.2017
1. Solange ich mich nicht mit den Klingonen
unterhalten kann, ist das Ding noch in der Entwicklungsphase. Wenn G zu solchen Tricks greifen muß, ist das ein Armutszeugnis. G ist ein High Tech Konzern und sollte es nicht nötig haben, Apple etwas vorzugaukeln. Aber dort sitzen ja auch Gaukler. Na ja, sollen sie. Ich frische lieber auf konventionelle Weise meine Japanischkenntnisse auf, denn die liegen ein wenig brach.
.freedom. 06.10.2017
2. Ich will kein Online-Übersetzer. ...
Wenn das nur online funktioniert und nicht auch offline, kann Google das behalten. Online enstehen unnötige Kosten. Mein Phon hat GPS eingebaut, so, dass es wie ein richtiges Navi ohne Online-Verbindung funktioniert. Alles andere sind Krücken, wenn man irgend etwas nur noch online machen kann.
sale2 06.10.2017
3. @feeedom
Die Sprachpakete funktionieren auch offline,steht im Artikel,den hätte man dazu natürlich lesen müssen. Und die Kopfhörer funktionieren nur mit Handy,und darüber ist Herr Kremp wirklich überrascht? P.s. Ich finde es gut , dass Sie mit einem Kabel verbunden sind.Da kann man Sie wenigstens nur paarweise verlieren. mfg
napoleonwilson 06.10.2017
4. Google Übersetzer
Einfach nur peinlich. Die Übersetzungsqualität ist unterirdisch. Das taugt nur zum Erraten was der Verfasser meint. Da ich der asiatischen Sprachen chin / thai / vietnam ect. nicht mächtig bin, wollte ich den Google Übersetzer zum Übersetzen von Dokumenten heranziehen. Faktisch kam nur unverständlicher Müll herraus. M.E. nach eine simple Wort für Wort Übersetzung. Nix mit KI. Das gab es, nur langsamer, vor 30 Jahren schon. Nur ergibt die Übersetzung keinen Sinn. Manchmal bekomme ich solche übersetzten Texte via Email. Der/ die Verfasser sind ist sich nicht bewusst was er da via Copy and Paste verfasst hat. Es ist keine Schande, wenn man der französischen Sprache nicht mächtig ist, aber Zitate ect. via Google Übersetzer einzufügen zeugt nicht von Gründlichkeit.
josifi 06.10.2017
5.
Zitat von .freedom.Wenn das nur online funktioniert und nicht auch offline, kann Google das behalten. Online enstehen unnötige Kosten. Mein Phon hat GPS eingebaut, so, dass es wie ein richtiges Navi ohne Online-Verbindung funktioniert. Alles andere sind Krücken, wenn man irgend etwas nur noch online machen kann.
GPS hat jedes Smartphone; wenn Sie Karten runterladen, muss es (logischerweise) nur für Verkehrsmeldungen online sein. Und die Übersetzung geht auch offline (steht im Artikel...)
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