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17. Februar 2013, 13:50 Uhr

Konkurrenz zu Apple

Google plant offenbar eigene Läden

Die schicken Apple-Stores sind Kult, jetzt soll auch Google offenbar eigene Läden planen. Nach Microsoft wäre das Unternehmen der dritte Konzernriese, der die digitale Welt in die Fußgängerzonen holt. Der Plan könnte durchaus sinnvoll sein - wegen eines einzigen Geräts.

Hamburg - Noch vor Weihnachten soll Google in amerikanischen Städten eigene Geschäfte eröffnen. Das behauptet das bekannte Blog 9to5Google und beruft sich auf eine "äußerst verlässliche Quelle". Demnach sollen in allen wichtigen Ballungsräumen des Landes Ladenlokale entstehen, in denen die potentiellen Kunden die Google-Produkte erst einmal ausprobieren können, bevor sie sie erwerben.

Auch wenn es bisher keine Bestätigung gibt, so klingt das Gerücht doch plausibel: Längst hat Apple schicke Läden in die Innenstädte der Welt gesetzt, in denen interessierte Kunden die Geräte erst testen können, bevor sie sie kaufen. Apple-Chef Tim Cook wird von 9to5Google zitiert: "Ich glaube, wir wären nicht annähernd so erfolgreich mit dem iPad, wenn es unsere Läden nicht gäbe. Das verschafft Apple einen unglaublichen Wettbewerbsvorteil."

Deshalb setzt auch Microsoft auf das reale Schaufenster in die digitale Welt: In den USA betreibt der Konzern schon lange Geschäfte, in denen sich die Kunden ausgiebig beraten lassen und mit den Geräten vertraut machen können. Und nach dem immensen Erfolg von Apple denkt laut Medienberichten auch Microsoft darüber nach, demnächst Läden in Europa zu eröffnen.

Vor allem ein Gerät wollen die Leute sicher ausprobieren

Schließlich sind die Läden der Digital-Konzerne keine reinen Shopping-Tempel. Nicht wenige besuchen die Geschäfte, ohne etwas zu kaufen, sondern um sich über neue Entwicklungen auf dem Technikmarkt zu informieren oder sündhaft teure Geräte zu bestaunen. Die Läden spiegeln das Image der Firma wider, dienen als Aushängeschild und reale Anlaufstelle.

Dass Google möglicherweise nun auch schicke Geschäfte haben will, in denen die Kunden nicht nur gucken, sondern auch anfassen dürfen, wäre wenig überraschend. Der Konzern betreibt schon jetzt eigene kleine Geschäfte innerhalb großer Elektronikmärkte, sogenannte Stores-within-a-store, wie man sie auch von anderen Firmen und von Modemarken in großen Kaufhäusern kennt.

Außerdem hat Google bereits mit kleinen Beratungsständen an Flughäfen versucht, den Kontakt zum Kunden aufzubauen. Und seitdem der Internetgigant auch auf dem Gadget-Markt ordentlich mitmischt, wäre es kaum verwunderlich, dass es einen eigenen Laden gibt, in dem man sich etwa über Chromebooks und Nexus-Geräte informieren könnte.

Laut dem Bericht von 9to5Google soll aber vor allem eines den Ausschlag für Google gegeben haben, eigene Stores zu eröffnen: Das Google Project Glass, die Datenbrille, die derzeit entwickelt wird. Auch das klingt logisch: Wenn diese neue Technologie auf den Markt kommt, werden sich die Kunden an die ungewohnte Nutzung sicher erst einmal herantasten müssen.

juh

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