Google-Technik Fluglinie bietet Platzwahl mit "Seat View"

Eine US-Fluggesellschaft lässt Interessenten durch die Passagierkabinen navigieren, ganz so wie bei Googles Panoramadienst. Der begleitet die Menschen mittlerweile in fast jeden Winkel.

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Jetzt haben auch Fluglinien Google Street View für sich entdeckt: Die amerikanische Airline Virgin America ermöglicht ihren Kunden, bei der Buchung eines Flugs den passenden Sitzplatz auszusuchen. Der wird nicht mehr nur in einer grafischen Übersicht angezeigt, sondern die Kunden können ihn sich gleich in der Kabine ansehen.

Dazu bietet die Website ein Angebot namens Seat View. Der Betrachter navigiert auf die vom Google-Dienst bekannte Art und Weise durch die Innenkabine. Da der Service in Googles Kartendienst integriert ist, lässt er sich auch von der normalen Google-Maps-Seite aus aufrufen.

Es ist nicht der erste Service, der Flugreisenden bei der Sitzplatzwahl hilft. Zum Beispiel bietet der Dienst SeatGuru zusätzliche Informationen zu den Sitzen im Flugzeug, etwa, ob es Nachteile gibt, die auf der Grafik nicht zu sehen sind - ein fehlendes Entertainment-System oder die Toilette in der Nähe. Doch nun, bei Seat View, geht es darum, das alles nicht nur zu wissen, sondern es auch mit eigenen Augen zu sehen. Wie man eben auch sonst das meiste vorher im Netz ansehen kann.

In die Wüste und auf den Mount Everest

Einen Klick weiter wechselt das Sichtfenster von der Flugzeugkabine zu Googles Kartenansicht, der Standort ist an einem Flughafen, in unserem Beispiel in Seattle (siehe Fotos). Flughäfen werden auch sonst detailgenau vom Panoramadienst erfasst. Vor zwei Jahren startete Google ein entsprechendes Angebot mit zunächst 16 internationalen Großflughäfen und Bahnhöfen. Inzwischen sind daraus weit über 200 Airports geworden. Auch die Zahl der erfassten Bahnhöfe und Einkaufszentren ist riesig.

Als Google im Mai 2007 seinen Panoramadienst Street View vorstellte, beschränkte sich das Angebot zumeist auf die Innenstadtbereiche großer Metropolen. Mittlerweile aber rumpeln Googles kamerabestückte Aufnahmewagen selbst durch entlegenste Dörfer und Regionen. Für die Fotos wurde die Kameraausrüstung Kamelen auf den Rücken geschnallt, um Bilder aus der Wüste mit viel Sand zu zeigen. Zu Fuß und mit Hilfe einer Rucksackkamera entstanden Fotos vom Mount Everest.

Und nicht einmal um das Seeungeheuer von Loch Ness zu suchen, muss man heute noch nach Schottland reisen. So ziemlich jeder öffentlich zugängliche Bereich findet seinen Weg in Googles Rechenzentren. (Eine Übersicht über die bisher bereitgestellten Fotos gibt es hier).

Wo bleibt eigentlich das Abenteuer?

In vielen Fällen ist das umfassende Angebot durchaus sinnvoll: Warum sollte man ausgerechnet bei der Reiseplanung auf verfügbare technische Hilfsmittel verzichten? Beliebte Urlaubsorte können seither schon im Vorhinein angesehen werden. Reiselustige überprüfen, ob das geplante Quartier am Ende nicht doch in einer Schmuddelecke liegt. Und die 360-Grad-Fotos sorgen für bessere Orientierung.

Allerdings bedienen die Fotos der Welt womöglich auch eine ängstliche Vollkasko-Mentalität, die am liebsten alles im Vorhinein planen, festlegen und sichern will. Hotels, Strände, Großraumwagen, Bahnsteig, Mietauto, Konferenzsäle, Restaurants, Flugzeugkabine - klar, das kann man sich heute alles vorab schon mal ansehen. Aber wo bleibt dann eigentlich die Überraschung, wo bleibt das Abenteuer?

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
criticalsitizen 17.11.2015
1. Und sicher stimmt nichts
wie leider immer im rechtsfreien Raum des gehuldigten E-Kommerz. Jede Maschine ist anders bestuhlt, minimal aber oft entscheident. Wo z.B, bei einer der Sitz an der Wand ist, ist bei einer anderen davor z.B. störend ein Vorhang. Der E-Kommerzkunde weiss das aber nicht.
buppert 17.11.2015
2.
Schade, dass man trotzdem noch nicht sehen kann, wer dann neben einem sitzt. ;-)
Kunstgriffe 17.11.2015
3.
Ich finde das verdammt praktisch. Man kann heute ja schon in viele Geschäfte und Restaurants gucken und sehen, wie es dort aussieht bevor man einen Tisch bestellt. Einfach mal googeln: Google Business View
Thomas Schnitzer 18.11.2015
4.
Nette Funktion für Touristen und Kinder, aber Vielflieger interessiert ab einem gewissen Punkt nur noch, dass der Sitz in der Business Class ist und dass man da möglochst kurz sitzen will.
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