Smartphones, VR, WLAN Das sind Googles neue Gadgets 

Google hat einen ganzen Korb neuer Gadgets vorgestellt - und eine bahnbrechende Software. Der Google Assistant soll noch besser sein als Apples Siri.

REUTERS

Von Matthias Kremp


Als Google am Dienstagabend in San Francisco seine neuesten Gadgets vorstellte, war es Rick Osterloh, der Chef von Googles Hardwareentwicklung, der mit einer Aussage das Wichtigste zusammenfasste: Bei Google glaube man, die nächste Revolution werde an der Schnittstelle von Hardware und Software stattfinden, bei künstlicher Intelligenz, kurz KI.

Und diese künstliche Intelligenz war es dann auch, die am Abend immer wieder zu sehen war, immer wieder an wichtigen Punkten genannt wurde, die technischen Fähigkeiten der Hardware bei Weitem übertrumpfte. Denn als Google Assistant tauchte sie immer wieder auf. Sie soll dabei helfen, alltägliche Aufgaben zu erledigen: im Web suchen, Wissensfragen beantworten, Musik, und Videos abspielen, Fotos heraussuchen und einiges mehr.

Und weil er modern ist, funktioniert der Google Assistant natürlich per Sprachsteuerung und reagiert ebenso mit gesprochenen Rückmeldungen. Das erinnert natürlich an Apples Siri und Microsofts Cortana. Google-Chef Sundar Pichai spannte in seiner Rede den Bogen allerdings weit über die jetzt vorgestellte Technik hinaus. Er kündigte für die Zukunft digitale Assistenten an, die unterschiedliche Persönlichkeiten und damit verbunden unterschiedliche Stimmen haben.

Aber bis dahin dürfte es noch dauern. Ohnehin kann nicht jeder sofort den neuen Google Assistant benutzen. Vielmehr braucht man dafür schon eines der Geräte, die in San Francisco vorgestellt wurden. Und da sind vor allem die neuen Smartphones der Pixel-Serie zu nennen.

Pixel und Pixel XL

Mit Pixel und Pixel XL endet die Ära der Nexus-Handys. Durch die Umwidmung in Pixel gleicht das Unternehmen die neuen Geräte an die Namensgebung seiner anderen Hardware-Produkte an. Zuvor gab es in der Pixel-Reihe nur Tablets und Notebooks, jetzt eben auch Smartphones.

Optisch erinnern die beiden Pixel-Handys an aktuelle iPhones, sind genau wie die Apple-Smartphones an den Kanten stark gerundet, haben im Metallrahmen ganz ähnliche Aussparungen für die Antennen. Ein mittig auf der oberen Rückseite angebrachter Fingerabdruckscanner erinnert dann aber wieder an Huawei-Smartphones.

Die technischen Daten platzieren die beiden Geräte in der Oberklasse: Die Bildschirme sind 5 Zoll (Pixel) beziehungsweise 5,5 Zoll (Pixel XL) groß, zeigen 1920 x 1080 beziehungsweise 2560 x 1440 Bildpunkte an. Einem schnellen Quadcore-Prozessor stehen vier Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung, der Speicherplatz ist wahlweise 32 oder 128 Gigabyte groß.

Die 12-Megapixel-Kamera des Pixel habe die beste Bildqualität, die es je bei einem Smartphone gab, protzte Google und untermauerte das mit einer Foto-Benchmark, in der die Kamera den höchsten bisher gemessenen Wert erreicht habe. Außerdem soll sie extrem schnell auslösen und eine besonders gute Bildstabilisierung bieten, mittels HDR+ eine besonders gute Bildqualität erreichen. Bilder und Videos können Pixel-User unbegrenzt in der Google-Cloud abspeichern.

Bei den Farben zeigt sich Google konservativ und hip zugleich. Neben den üblichen Farbtönen Silber und Schwarz wird es die Pixel auch in der aktuellen Trendfarbe Dunkelblau geben. Die Preise sind wie die Technik im oberen Bereich angesiedelt, reichen von 759 bis 1009 Euro. Vorbestellungen nimmt Google ab sofort entgegen.

Daydream View

Auf der Entwicklerkonferenz Google i/o hatte Google im Mai ein neues Ökosystem für Virtual Reality (VR) am Smartphone angekündigt, Daydream VR. In San Francisco enthüllte der Konzern jetzt die erste VR-Brille, die zu dem neuen Standard kompatibel ist, die Daydream View.

Googles VR-Brille soll leichter sein als vergleichbare Geräte, macht auf Fotos einen eher kuscheligen, weichen Eindruck. Die Verbindung zum Handy, das man in die Brille steckt, wird drahtlos hergestellt. Mit der Daydream View wird ein Controller geliefert, der wie eine kleine Fernbedienung aussieht. Seine Sensoren nehmen Bewegungen wahr, ermöglichen es, Spiele zu steuern oder etwa in Google Street View und VR-Video zu navigieren.

Bemerkenswert ist der Preis, zu dem Google sein VR-Headset anbieten will: 69 Euro. Ein klares Zeichen, wie wichtig dem Konzern das Thema Virtual Reality ist. Über den günstigen Preis will das Unternehmen ganz offensichtlich möglichst viele Menschen dazu animieren, sich mit VR zu beschäftigen. Denn wie für keine andere Technik gilt für VR, dass man es ausprobieren muss, um es zu verstehen.

Google Home

Als Ergänzung zu den mobilen Produkten zeigte der Konzern Google Home einen per WLAN vernetzten Lautsprecher, der ebenfalls per Internet an Google KI angeschlossen wird. Das Prinzip erinnert an den Amazon Echo, der in den USA seit fast zwei Jahren verkauft wird und jetzt auch nach Deutschland kommen soll. Genau wie bei den Pixel-Handys kann man auch über den Home umgangssprachlich mit dem Google Assistant reden.

Gezeigt wurde, wie der Google Home verschiedene Fragen beantwortete, in einem Restaurant einen Tisch reservierte, Routen berechnete und dem Nutzer seine Aufgaben für den Tag in einer Art Briefing erklärte. Auch Übersetzungen kann das Gerät erledigen und ein paar spaßige Dinge gibt es in Google Home wohl auch zu entdecken. So kann man das Gerät auffordern, eine virtuelle Münze zu werfen, um eine Entscheidung herbeizurufen.

Was Google einen Vorteil gegenüber Amazon verschaffen könnte, ist der Preis: Der Amazon Echo kostet 180 Euro, einen Google Home wird man für 129 Dollar bekommen. Allerdings nur in den USA. Über einen Starttermin für Deutschland gab es keine Angaben. Das könnte also noch dauern. Wie gesagt, Amazons Echo kommt erst zwei Jahre nach dem US-Start hierzulande auf den Markt.

Google Wifi

Dasselbe Schicksal teilt auch der neue WLAN-Router Google Wifi, den es vorerst nicht in Deutschland geben wird. Er soll die drahtlose Vernetzung von Wohnungen und Häusern vereinfachen, das Problem lösen, dass ein WLAN-Router für große Gebäude nicht ausreicht, es aber knifflig sein kann, mehrere Geräte zusammenzuschalten, um die Reichweite zu erhöhen.

Die neuen Google-Router nämlich sollen sich automatisch miteinander vernetzen, sodass man durch das Hinzukaufen weiterer Geräte auch noch im hintersten Winkel seines Hauses volle Leistung hat. Deshalb gibt es sie auch gleich in Dreierpacks zu kaufen. Und eine Killerfunktion haben sie auch: Man kann seinen Kindern beim Abendessen per App das WLAN ausknipsen.

Chromecast Ultra

Immerhin ein weiteres Gerät will Google in Deutschland auf den Markt bringen, den Streaming-TV-Adapter Chromecast Ultra. Das neue Modell beherrscht UHD-TV, HDR und Dolby Vision, hat zusätzlich zum WLAN einen LAN-Port und soll günstige 69 Euro kosten. Das ist ein gutes Angebot, macht es aber nicht viel leichter zu verschmerzen, dass ausgerechnet die Highlights des Abends, Google Home und Google Wifi, vorerst nicht in Deutschland zu bekommen sein werden.



insgesamt 42 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gelegentlicher_spon_leser 04.10.2016
1.
Eben wurde berichtet, dass google sämtliche email-accounts durchgekemmt hat, um Anfragen von US-Behörden zu beantworten. Vielleicht sollten Sie in Ihrer Berichterstattung darauf hinweisen, dass es sich bei den Google-Gimmicks auch (und aus Sicht der amerikanischen Geheimdienste: vor allem) um Werkzeuge zum Schnorcheln von Daten handelt. Mit Handies geht das dann noch ein bisschen onliner.
Keh 04.10.2016
2. WLAN für Kinder ausknipsen auch bei AVM FritzBox
Nichts Neues von Google - das geht bei der FritzBox da auch. Auch zeitgesteuert auf Wunsch
connaisseur 04.10.2016
3. innovationen...
...kann man das nennen, was google hier (vermeintlich) bietet. wo liegt googles problem? ganz klar hier: das pixel-phone ist klar und deutlich überteuert und erreicht fats schon apple-diemensionen, was den "abzock-faktor" angeht. dafür wird das vr-headset (einigermaßen) bezahlbar promoted. alles in allem: google, du wirst langsam genau so schlimm wie apple. nach -zig apple-produkten bin ich inzwischen abstinent geworden. und was soll man sagen: der verzicht auf überteuerte luxusgüter hebt nicht wirklich das ansehen bei den verblendeten apple- (und dmnaächst wohl auch google-) nutzern. aber ein pixel-phone als statussymbol? nicht wirklich, oder?!? google: mit nexus anfangs ganz vorn. mit pixel zur luxusmarke? 4get it.. scnr
tonyhawks 04.10.2016
4. Google now und Google Assistant...
... waren schon immer besser als Siri. Cortana ist besser als Siri. Das räumen sogar die meisten Apple-Fans ein. Okay, bis auf den Autor des Artikels.
mimas101 04.10.2016
5. Nö Danke
Die Abhörwanze namens Gockel kommt mir nicht ins Haus. Und wenn ich schon das lese "Deine Daten sind uns wichtig, der Datenschutz auch und damit wir kostenlos sind mußt du mit Werbung zu leben haben wobei wir dann deine Daten verkaufen" Ansonsten entwickelte Gockel (jetzt ABC) nichts was es nicht schon gibt und bisher schon teilweise besser ist. Und werbegüllefrei. Das neue Pixel Handy: Hersteller ist HTC und das ist eine Firma mit eine der schlechtesten Umweltbilanzen. Die technischen Daten, soweit bekannt, deuten auf ein mittelmäßiges Handy der 400Mark-Katgorie hin wofür Gockel allerdings ab 1500 DM aufruft (s. den Cloud-Abspieler ChromeCast wo das Pixel Handy gleich mit aufgeschwatzt wird). Ansonsten gibt es keine Speicherweiterungsmöglichkeiten, einen arg schmalbrüstigen Akku und alles soll online über die G-Klaut laufen (wobei sich jeder bundesdeutscher Provider extra freuen wird) So wird das also nix und Gockel ändert wegen einer Erfolglosigkeit nach der anderen eh schon ziemlich häufig Produktnamen, Service-Angebote pp.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.