Wi-Fi-Router im Test Google macht das WLAN rund

Die meisten WLAN-Router nerven. Die einen sind zu schlapp, die anderen zu kompliziert. Das Google Wi-Fi soll das besser machen. Wir haben getestet, ob das klappt.

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So schnell ging das bei mir noch nie. Ich habe bei mir zu Hause schon viel zu oft neue WLAN-Router installiert. In der Regel plane ich dafür ein paar Stunden ein. Schließlich ist es nicht damit getan, ein paar Kabel einzustecken. Man muss sich im Browser durch ellenlange Konfigurationsseiten arbeiten. Bei meinem ersten Google Wi-Fi war das anders. Knapp fünf Minuten nach dem Auspacken meldete sich der runde Router betriebsbereit.

Aber Google macht es einem auch wirklich leicht. Zuerst wird der Google-Router per LAN-Kabel mit dem alten Router verbunden. Falls dieser eine WLAN-Funktion hat, sollte man diese abschalten.

Den Rest der Installation erledigt man mit einer Smartphone-App, die es für iOS und Android gibt. Sie zeigt dem Anwender nur, was er unbedingt wissen muss, fragt ihn nur nach wenigen grundlegenden Dingen. Etwa, wie das drahtlose Netzwerk heißen und mit welchem Passwort es geschützt werden soll.

Wer tiefer in die Feinheiten seines WLANs einsteigen und Details wie die DNS-Vergabe einstellen oder Portweiterleitungen einrichten will, kann das. Aber wenn man mit diesen Begriffen nichts anfangen kann, macht das eben auch nichts. Das System lässt sich auch ohne Kenntnisse jeglicher WLAN-Begrifflichkeiten in Betrieb nehmen.

Man braucht ein Smartphone, doch die Geräte-Dichte dürfte mittlerweile so hoch sein, dass dies kein echtes Problem ist. Eher noch wird sich mancher daran stören, dass man ein Google-Konto braucht, um das System zu steuern. Ohne das geht nichts.

Hat der Konzern es also auf Daten über das Surfverhalten der Nutzer abgesehen? Dem SPIEGEL sagte ein Manager: "Wir verdienen Geld mit dem Verkauf der Hardware, sonst nichts." Trotzdem sammelt der Konzern "anonyme Nutzungsstatistiken und Absturzberichte". Das lässt sich immerhin jedoch in den Datenschutzeinstellungen der Google-WLAN-App abschalten.

Der eigentliche Sinn der Bindung des Google-Routers an einen Google-Account scheint in einer Mischung aus Komfort und Sicherheit zu liegen. So bietet die Technik die Möglichkeit, den oder die Router via App auch von unterwegs aus zu überwachen oder Einstellungen zu verändern. Zum anderen soll so sichergestellt werden, dass wirklich nur der Eigentümer oder von ihm autorisierte Personen solche Änderungen vornehmen können. Ein Angriff von außen wird deutlich erschwert.

Wie ein Fischernetz

Erleichtert wird es dagegen, das WLAN zu erweitern. Mit anderen Systemen kann das mitunter knifflig sein. Bei Google aber genügen wiederum ein paar Klicks in der App, um weitere Google-Router zum Netzwerk hinzuzufügen. Mein zweiter Hotspot war ungefähr drei Minuten nach dem ersten bereit. Bis ich ihn nutzen konnte, dauerte es dann noch fünf weitere Minuten, weil er erst das neueste Software-Update herunterladen und installieren wollte.

Insgesamt habe ich bei mir auf diese Weise vier Google Wi-Fis zu einem Netzwerk verwoben. Bei dieser Art von Netzwerk werden die Router nicht in einer Reihe miteinander verbunden. Die Struktur ähnelt eher einem Fischernetz, bei dem jeder Router ein Knoten ist, der mit einem oder mehreren anderen Knoten verbunden ist. Ohne dass ich dafür irgendwo eingreifen musste, berücksichtigte das System automatisch, dass einer der drei Erweiterungsrouter per Netzwerkkabel angeschlossen war und nicht per WLAN.

Im Hintergrund wacht die Automatik

An der Leistung des so aufgebauten Systems gibt es nichts zu meckern. Den Datendurchsatz meines Internetanschlusses lieferte das vermaschte Netz bei mir vom Keller bis zum Dachboden. Wenn meine WLAN-Messungen weniger als die vertraglich zugesicherten 100 Mbit/s ergaben, lag das daran, dass mein Internetprovider diese Leistung nicht durchgängig liefern kann. Die Brutto-Durchsatzraten jedenfalls lagen immer weit über 100 Mbit/s. 4K-Videos etwa lassen sich damit überall im Haus streamen.

Googles App macht es einem trotz der reduzierten Benutzeroberfläche leicht, die Leistung des Netzwerks zu messen und sich informieren zu lassen, falls etwas nicht nach Plan läuft. Dabei bleibt die App sehr zurückhaltend. Davon etwa, dass das Netzwerk auf einen anderen WLAN-Funkkanal umschaltet, weil auf dem bisher genutzten plötzlich auch ein Nachbar unterwegs ist, bekommt man nichts mit.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Günstiger Preis

Sehr leicht erweiterbar

Sehr einfache Installation und Bedienung

Gute Leistung

Funktioniert nur mit Google-Account

Nur zwei Kabelanschlüsse pro Gerät

Google Wi-Fi ist der richtige WLAN-Router für alle, die sich nicht mehr als unbedingt nötig mit Netzwerktechnik beschäftigen wollen. Das meiste läuft automatisch ab, wer nur einen Hotspot braucht ist nach fünf Minuten mit der Installation durch, muss sich danach nie wieder um das Gerät kümmern.

Ist die Wohnung oder das Haus größer, muss man kein Spezialist sein, um den Radius mit weiteren Hotspots zu erweitern. Ein besseres und einfacheres WLAN-System gibt es derzeit nicht. Und mit Preisen von 139 Euro für ein Gerät und 249 Euro für ein Doppelpack, ist Google Wi-Fi im Vergleich mit der Konkurrenz sogar noch günstig.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Software-Updates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
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Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
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insgesamt 93 Beiträge
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hador2 26.06.2017
1. FRITZ Box
Vielleicht hätte der Autor vorher mal eine FRITZ Box benutzen sollen. Was die Konfiguration und Erstimstallation angeht ist die zumindest ähnlich einfach.
sven2016 26.06.2017
2.
Der Bericht über den Router liest sich interessant. Ein gutes Konzept, gerade für die Nutzung mehrerer Geräte - aber dann sollte die Performance genauso abfallen wie bei Repeatern. Google-Konto ohne Datenanalyse? Na ja :) Nebenbei: Ein Netzprovider, der 100 MB/s "garantiert" wäre schon News. Telekom und Vodafone liegen in der realen Nutzung eher bei 80 statt 100.
Agent0815 26.06.2017
3. Den Witz verstehe ich nicht ...
Was hier beschrieben wird ist Standard bei AVM ... schnelle Einrichtung, App zur Fernsteuerung ... Nur muss ich bei AVM nicht noch 'nen Router hinter 'nen Router hängen!? Das Google-Ding kann also nur routen, kein Signal vom Provider umsetzen und auch kein DECT? Arg schwach.
nonomette 26.06.2017
4. ...vernascht
...klingt ja gut, kleine Grafik dazu macht es vielleicht deutlicher (...ob nun zu allen Geräten Ethernetkabel gezogen werden müssen oder ob das wlan-technisch geht). Das Problem mit früheren "Netzwerkerweiterern" war ja die Teilung der Leistung, da sowohl zwischen Router und Booster als auch zwischen z.B. Handy und Booster kommuniziert wurde. Scheint so als ob das bei Google besser gelöst wurde. Im übrigen gerne mehr solche Artikel! aloha
Ottomotto 26.06.2017
5.
Seltsam, die meisten "modernen" Router die ich in letzter Zeit in Betrieb genommen habe haben genauso einen einfachen Konfigurationsassistent, teilweise sogar eine "App" fürs Handy. Letzteres halte ich eigentlich für Quatsch - dann noch ein Googlekonto zur Installation?? Unser "Es muss alles einfach sein" Anspruch sorgt für solche bescheuerten Auswüchse. Lesen der "Schnellanleitung", Befolgen derselben und ein Wlan ist eingerichtet. Paar Stunden? Unsinn. Das war mal, vor vielen Jahren. Man braucht kein "Wir machen alles besser und schneller" Google Gerät, das ist keine Revolution.
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