Google Pixel im Test Dieses Handy weiß, wo es suchen muss

Mit dem Pixel und Pixel XL bringt Google Smartphones auf den Markt, die preislich gleichauf mit Geräten von Apple und Samsung liegen. Ein digitaler Assistent soll als Kaufanreiz dienen. Reicht das?

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Ganz unten bei den technischen Daten steht, was wichtig ist: "Betriebssystem-Updates für zwei Jahre ab Verkauf. Sicherheits-Updates für drei Jahre ab Verkauf". Genau dieses Versprechen war es, das Android-Nutzer bislang zum Kauf von Google-Smartphones bewogen hat. Wer eines der bisher Nexus genannten Geräte kaufte, konnte sicher sein, in den nächsten Jahren immer als Erster die jeweils aktuelle Android-Version zu bekommen. Bei den nunmehr Pixel genannten neuen Modellen ist das nicht anders.

Ansonsten aber hat sich viel verändert, vor allem der Preis. Waren Nexus-Geräte lange für ihr sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt, werden die neuen Modelle Pixel und Pixel XL klar in der Smartphone-Oberklasse positioniert, technisch wie preislich. 759 Euro kostet das fünf Zoll große Pixel mit 32 GB und ist damit ebenso teuer wie das entsprechende iPhone.

Auch sonst teilen sich die Google-Handys einige Eigenschaften mit Apple-Smartphones. So sind sie beispielsweise hervorragend verarbeitet (siehe Fotostrecke). Im Gehäuse gibt es keine Spalten, die Übergänge sind glatt, das Deckglas des Bildschirms ist fein abgerundet. Merkwürdig ist allerdings die Glasauflage auf dem oberen Drittel der Rückseite. Schön ist das nicht wirklich, einen praktischen Nutzen scheint der Aufsatz auch nicht zu haben.

Google Pixel XL (l.) und Pixel
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Google Pixel XL (l.) und Pixel

Dem Umstand, dass der Speicher nicht erweiterbar ist, versucht Google die Schärfe zu nehmen, indem man zum Pixel unbegrenzt viel Online-Speicherplatz bekommt. Der steht aber nicht für alle Daten zur Verfügung, sondern nur für eigene Fotos und Videos. Für Kaufvideos, Apps und Musik bleiben beim 32-GB-Modell also nur rund 19 GB Platz übrig.

Nicht so schnell schwenken

Nutzt man die eingebauten Kameras intensiv, kann man diese 19 GB schnell voll bekommen. Das gilt vor allem, wenn man Videos in 4K-Auflösung aufnimmt. Bei unseren Tests machte vor allem die Hauptkamera eine gute Figur.

Sie fokussiert schnell, erreicht eine gute Bildschärfe und kommt auch bei wenig Licht gut klar. Vor allem in dunkler Umgebung neigt sie aber zu einem leichten Blaustich und manchmal etwas blassen Farben.

Grandios ist die Möglichkeit, die Kamera per Doppelklick auf die Einschalttaste zu starten. So kann man sie schon schussbereit machen, während man das Handy aus der Tasche zieht. Nett - wenn auch nicht ganz neu - ist die Möglichkeit, durch zweimaliges Drehen aus dem Handgelenk von der Haupt- auf die Selfie-Kamera umzuschalten.

Die Hauptkamera des Pixel XL
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Die Hauptkamera des Pixel XL

Beim Aufnehmen von Videos macht sich die automatische Bildstabilisierung bemerkbar, die allerdings nur leichte Wackler und Gehbewegungen gut ausgleicht. Zudem hat die Kamera bei schnellen Schwenks Probleme, rasch genug von fernen auf nahe Motive zu fokussieren.

Manchmal reicht ein Viertelstündchen

Der Quadcore-Prozessor der Pixel-Smartphones bietet genügend Leistung für alle denkbaren Anwendungen, auch wenn er in Testprogrammen nicht so gute Werte erreicht, wie etwa ein iPhone 7. Selbst grafisch anspruchsvolle Spiele wie "Real Racing 3" bringen ihn nicht an seine Grenzen.

Im Akkutest der Test-App PCMark kam das Pixel XL auf eine Laufzeit von neun Stunden, das Pixel schaffte wegen seines kleineren Akkus erwartungsgemäß rund eine Stunde weniger. Im Alltag hielten beide Geräte mühelos einen Tag im Normalbetrieb durch. Und auch am Folgetag hatten die Smartphones noch für ein paar Stunden Energie, wenn wir sie nicht sofort ans Netzteil hängten.

Netzteil und Kabel des Pixel
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Netzteil und Kabel des Pixel

Das Netzteil gehört zwar nicht optisch (siehe Fotostrecke), doch aber technisch zu den Highlights der Pixelgeräte. Es kann den Akku innerhalb einer Viertelstunde mit genug Strom für mehrere Stunden Betrieb aufladen. Drahtloses Aufladen, wie es beispielsweise bei vielen Samsung-Smartphones möglich ist, funktioniert leider nicht.

Der Assistent spricht Deutsch

Ebenso wenig hat Google die beiden Pixel wasserdicht gemacht. Zwar sind die Handys gegen Spritzwasser geschützt, was für leichten Nieselregen ausreichen sollte. Unter die Dusche sollte man sie aber lieber nicht mitnehmen.

Mankos wie dieses soll der Google Assistent ausgleichen, die neue Assistenzfunktion, die es bisher nur auf den beiden Google-Smartphones gibt. Der Konzern wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass es diesen digitalen Assistenten bislang nur in den USA und Deutschland gibt. Wir werden also bevorzugt.

Suchergebnisse statt schlauer Antworten

Im Test bekam die Künstliche Intelligenz des Assistenten viele Dinge sehr gut geregelt. Erinnerungen und Kalendereinträge erstellt sie sehr zuverlässig, sie kann Routen berechnen, Restaurants in der Umgebung finden und ähnliches. Auf die Frage: "Wer ist der Drummer von The Cure?" lieferte das System eine Liste der bis heute in der britischen Band aktiven Trommler.

Auf die Mehrzahl unserer Fragen lieferte der Assistent aber lediglich die Toptreffer einer entsprechenden Websuche oder Wikipedia-Einträge. Doch auch darauf weist Google selbst hin. Die deutsche Version habe noch nicht alle Funktionen des US-Originals, daran arbeite man noch.

Fazit

Vorteile und Nachteile

Sehr gute Kamera

Hohe Leistung

Sehr guter Bildschirm

Alle aktuellen Funkstandards integriert

Kostenloser Onlinespeicher

Sehr gute Verarbeitungsqualität

Speicher nicht erweiterbar

Nur gegen Spritzwasser geschützt

Hoher Preis

Googles Pixel und Pixel XL sind verdammt gute Smartphones. Perfekt sind sie aber noch nicht. Während die Hardware alle Voraussetzungen für exzellente Performance erfüllt, braucht der Google Assistent noch viel Liebe, bevor er wirklich zum auschlaggebenden Kriterium beim Handykauf wird. Und auch seine Preisgestaltung sollte Google vielleicht noch einmal überdenken.

Technische Daten

Hersteller Google Google
Modell Pixel Pixel XL
Maße (Millimeter) 144 x 70 x 8,5 155 x 76 x 8,5
Gewicht (Gramm) 143 168
Sprechzeit 26 Stunden 32 Stunden
Standby 19 Tage 23 Tage
Display-Diagonale 5 Zoll 5,5 Zoll
Display-Auflösung 1920 x 1080 2560 x 1440
Prozessor 2,16 GHz Quadcore 2,16 GHz Quadcore
Arbeitsspeicher 4 GB 4 GB
Massenspeicher 32/128 GB 32/128 GB
Speichererweiterung Nein Nein
Kamera (hinten/vorne) 12 Mpx / 8 Mpx 12 Mpx / 8 Mpx
Mobilfunktechnik LTE LTE
W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth 4.2 4.2
Betriebssystem Android 7.1 Android 7.1
Besonderheiten - -
Preis (Euro) 759,- / 869,- 899,- / 1009,-

Alle Daten sind Herstellerangaben.



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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
skater73 18.10.2016
1. Sinnlos
Ein weiteres Handy, das ganz viel nutzlose Dinge kann und dafür weder einen ganzen Tag durchhält, wenn man es intensiv nutzen will und noch nicht mal speichererweiterbar ist (ich will einfach nicht MEINE Daten auf DEREN Speicher legen, die sie dann in Ruhe durchsuchen können). Fazit: Ein sinnloses Handy zum Rumprollen, während für die Kinder zu Hause kein frisches Essen auf dem Tisch ist, weil "man sich das ja echt nicht mehr leisten kann".
hansgustor 18.10.2016
2. Updatepflicht
Sicherheitsupdates sollten gesetzlich geregelt werden. 3 Jahre sind ein schlechter Witz für ein Gerät dass mehrere hundert Euro kostet und auf sensible Daten Zugriff hat. Das Minimum sollte 5 Jahre sein - für alle Hersteller.
jo-jo-2000 18.10.2016
3. Das Problem
ist tatsächlich der Preis. Zum einen ist es in Dollar viel günstiger als in Euro, zum anderen kauft man sich für den Preis ein iPhone, da Marke.
BlackSky003 18.10.2016
4. Manko
Es ist also ein Manko, wenn man das Handy nicht mit in die Dusche nehmen kann? Das mag vllt. für Erotik Bildchen oder Telefonsex unter der Dusche so sein, aber Otto Normal User interessiert so etwas wenig. Evtl. werden unsere nächsten Smartphones Pixel statt Samsung/HTC.
rainer82 18.10.2016
5. Die meisten Nischenfunktionen werden doch kaum genutzt.
Das Smartphone benutzt man doch vor allem zum Telefonieren, um eine SMS abzusetzen und mal schnell etwas im Internet zu suchen, aber doch nur dann, wenn der normale PC nicht gerade zur Verfügung steht. Ich habe z.B. mit meinem Smartphone noch nie ein Foto geschossen und benötige die entsprechende Funktion überhaupt nicht, so wie viele andere Menschen auch. Die ganzen Spielereien könnte man Zukunft zugunsten eines niedrigeren Preises weglassen. Die Mehrheit der User braucht sie nicht, wie jede dazu in Auftrag gegebene Umfrage belegt.
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