GPS-Malerei Künstler radelt Space Invaders

Der Künstler Vicente Montelongo fährt mit Rennrad und GPS-Empfänger durch die Straßen von San Francisco, um die Figuren aus Spielen wie Pac-Man oder Space Invaders auf Satellitenbilder der Stadt zu malen. Die Zeitschrift GEE sprach mit dem GPS-Maler über seine manchmal riskanten Aktionen.

Vicente Montelongo

Frage: Wie kommt man auf die Idee, auf dem Straßennetz einer Stadt gigantische Pixelbilder zu formen, die kein Mensch sehen kann?

Ich habe mich schon lange mit digitaler Graffiti beschäftigt, die nur in Form von Daten und nicht im realen Raum existiert. Dann stieß ich auf William Gibsons Roman "Futurematic", in dem eine Figur besessen von der Idee ist, ihr gesamtes Leben digital zu speichern, indem sie jede ihrer Bewegungen mithilfe eines Computeranzugs aufzeichnet. Mir wurde klar, dass so etwas mit ganz einfachen Mitteln möglich ist: mit einem GPS-Handy, das Routen als Dateien speichert, die man dann in Google Earth als Linien sichtbar machen kann. Ich habe eine Figur auf eine Stadtkarte gezeichnet, bin mit der Karte in der Hand losgedüst - und es hat funktioniert.

Ein Radfahrer, der in eine aufgefaltete Karte versunken durch die Straßen von San Francisco radelt - hattest du nie Probleme mit der Polizei?

Einmal bin ich während einer Fahrt auf ein Regierungsgrundstück gestoßen, das auf meiner Linie lag. Da hat man mich natürlich nicht durchgelassen. Ich habe mein GPS auf Pause gestellt, auf der anderen Seite des Gebäudes wieder eingeschaltet - und dann voller Glück gesehen, dass das Gerät die unterbrochene Linie verbindet. Die Sache ist aber wirklich oft heikel: Auf der Tour muss ich in geraden Linien mitten durch Parks und dichten Verkehr fahren, damit mein Strich nicht abbricht - oder sogar über private Grundstücke. Und hier in den USA herrschen recht drastische Ansichten über das unerlaubte Betreten von Privatbesitz.

Warum fährst du gerade die Umrisse von Retro-Spielfiguren nach?

Ich liebe die Ästhetik der Atari-2600-Ära. Heute wirken Games wie ein hochaufgelöster Actionfilm. Damals war es eher, als würde man ein Buch lesen: Das Spielerlebnis entstand erst mithilfe der eigenen Vorstellungskraft. Außerdem ist San Francisco mit seinem rechtwinkligen, schachbrettartigen Straßennetz wie geschaffen für Figuren aus Pixeln.

Wie soll es in Zukunft mit deinen GPS-Bildern weitergehen?

Ich würde gerne mal Bilder in einer Stadt fahren, deren Straßen verworrener und organischer sind - zum Beispiel Tokio oder São Paulo. Und ich bereite gerade eine Serie von Figuren vor, die als Einzelbilder aneinandergereiht eine Animation ergeben. Das wird ganz schön hart für mich: Jedes Bild bedeutet 15 Kilometer Radstrecke - und die Straßen sind verdammt steil in dieser Stadt.

Das Interview führte Danny Kringiel, GEE



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