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Handy-Navigation: Frau verklagt Google wegen gefährlicher Fußwege

Sie wollte nur einen kurzen Fußweg zurücklegen, ließ sich den Weg per Handy anzeigen und wurde unterwegs von einem Auto erfasst: Eine Amerikanerin fühlt sich von Googles Navigationssoftware in die Irre geführt, verklagt den Konzern auf Schadensersatz und Schmerzensgeld.

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REUTERS/ Google

Google Maps Navigation: Gefahr für Fußgänger?

Auf Bundesstraßen sollte man lieber nicht spazieren gehen. Was normalerweise jeder Fußgänger schon deshalb vermeidet, hat Lauren Rosenberg trotzdem getan. Ihr Handy hatte es ihr so vorgeschrieben. Per Google Maps Navigation hatte sie sich eine Fußgängerroute zwischen zwei Adressen in Park City im US-Bundesstaat Utah heraussuchen lassen, geriet dabei auf eine viel befahrene Straße, auf der sie von einem Auto angefahren wurde.

Insgesamt 100.000 Dollar Krankenhaus- und Arztkosten habe sie die Behandlung der Verletzungen gekostet, die sie dabei erlitten hat, sagt Rosenberg nun. Die will sie sich jetzt von Google zurückholen. Plus Verdienstausfall und Schmerzensgeld. Ihr Vorwurf: Googles Navigationssoftware hat sie auf eine Strecke geführt, die für Fußgänger nicht geeignet, eigentlich viel zu gefährlich zum Spazierengehen war.

Rosenberg hatte auf ihrem Blackberry in Google Maps eingegeben, dass sie zu Fuß von der Daly Avenue 96 zum Prospector Drive 1710 laufen wollte, eine Strecke von rund drei Kilometern Länge. Zu Fuß in einer halben Stunde bequem zu bewältigen. Gibt man diese Route auf einem PC in Google Maps ein, erscheint dort über die Routenanweisungen eine eindringliche Warnung: "Die Routenplanung für Fußgänger ist noch im Beta-Stadium. Seien Sie vorsichtig! - Auf dieser Route gibt es möglicherweise keine Bürgersteige oder Fußwege." Auf ihrem Blackberry jedoch habe es einen solchen Hinweis nicht gegeben, wirft Rosenberg Google jetzt vor.

So wanderte sie also, brav den Anweisungen ihres Handys folgend, den Deer Valley Drive entlang, eine Straße, die man in Google Maps schnell als vierspurige Schnellstraße erkennt. Der rund einen Kilometer lange Streckenabschnitt, auf den Rosenberg geführt wurde, ist Teil der State Route 224, einer Überlandstraße, die sich ohne begleitenden Fahrrad- oder Fußweg durch die Landschaft zieht.


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In der Klageschrift heißt es dazu: "Als direkte Folge der fahrlässigen, rücksichtslosen, nachlässigen und unsicheren Routenanweisungen des Angeklagten Google, wurde die Klägerin Lauren Rosenberg auf eine gefährliche Schnellstraße geführt und dort von einem vorbeifahrenden Fahrzeug erfasst, wodurch sie schwere physische, emotionale und mentale Schäden erlitt".

Welche Aussichten auf Erfolg die Klage hat, ist noch unklar. In den USA allerdings enden derartige Prozesse nicht selten mit hohen Schmerzensgeldzahlungen an die Kläger. Einer der berühmtesten Fälle ist jener der mittlerweile verstorbenen Stella Liebeck, die sich 1992 im Auto mit einem Kaffee verbrühte, den sie kurz zuvor bei McDonald's gekauft hatte. Sie verklagte die Fast-Food-Kette mit der Begründung, sie sei nicht darauf hingewiesen worden, dass eine solche Gefahr bestehe. Liebeck wurden von einem Gericht mehrere hunderttausend Dollar Schmerzensgeld und Schadensersatz zugesprochen. Seither werden Kaffeebecher in den USA mit einem Warnhinweis bedruckt.

Ob die Klage von Lauren Rosenberg eine ähnlich anhaltende Wirkung auf Navigationssysteme haben wird, bleibt abzuwarten.

mak

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insgesamt 31 Beiträge
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1. .
frubi 31.05.2010
Zitat von sysopSie wollte nur einen kurzen Fußweg zurücklegen, ließ sich den Weg per Handy anzeigen und wurde unterwegs von einem Auto erfasst: Eine Amerikanerin fühlt sich von Googles Navigationssoftware in die Irre geführt, verklagt den Konzern auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,697700,00.html
Ich kann nur hoffen, dass die verantwortlichen Richter auch schon mal etwas von Eigenverantwortung gehört haben. Es kann doch nicht sein, dass der Mensch es nicht mehr schafft, ohne ein Navi geradeaus zu gehen.
2. Lächerlich!
Daniel FR, 31.05.2010
"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen" — Immanuel Kant
3. Fussgängeranweisungen
newsmax, 31.05.2010
Wenn so eine Klage Erfolg hat, klingen die Navi-Anweisungen wohl demnächst so oder ähnlich: Nach 200m links abbiegen. Nach 100m den Bahnübergang überqueren. Sollte dieser über eine Schranke verfügen, die halb oder ganz horizontal über dem Weg geschlossen ist und/oder ein Warnlicht blinken und/oder ein Warnton ertönen, könnte möglicherweise von der linken oder rechten Seite ein Zug heranrollen. Dieser könnte mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sein und einen Aufprall könnten Sie möglicherweise nicht überleben. Falls Sie Stöckelschuhe tragen, achten Sie bitte darauf, nicht in den Schienen hängen zu bleiben. Kinder nehmen Sie bitte an die Hand oder auf die Schulter, Hunde sind anzuleinen. Sollten Sie sich zwischen den Schranken befinden, wenn diese heruntergefahren werden, rufen Sie bitte nicht die Feuerwehr oder den Google Kundenservice an, sondern verlassen Sie sofort den Schienenbereich.
4. Abgrund
HansiHansenHans, 31.05.2010
Wäre dort ein Abgrund gewesen, wäre dann die Frau auch runtergesprungen? Nur weil das Gerät sagt gehe dahin, so muss ich doch sehen was da so ist. Wenns eine vielbefahrene Straße ist guck ich doch bevor ich rübergehe. Wenns ein Abgrund ist bleibe ich stehen und springe nicht nur weil das Navi das gesagt hat. Glaube bei der Frau hätte der Abgrund eher geholfen als eine vielbefahrene Straße. Also da unterstelle ich schon böswillige Absicht oder extreme Dummheit. Beim zweiten bezweifle ich das sie überhaupt ein Blackberry bedienen kann. Wie war das nochmal... "ACHTUNG: Das Kind bitte aus dem Kinderwagen nehmen, bevor es zugeklappt wird!"
5. Die alte Leier, Schadensersatz in den USA
joki81 31.05.2010
Die Tatsache, dass Leute in den USA immer wieder mit solchen Klagen durchkommen, heisst dass Amerika eigentlich dringend eine Justizreform bräuchte. In keinem anderen Land kann man sich die eigene Blödheit (ob echt oder vorgetäuscht) derart fürstlich bezahlen lassen. Für Unternehmen, die in den USA tätig sind, ist es ein echtes Problem, dass es dort keine Rechtssicherheit gegen solchen Schwachsinn gibt.
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