Handy-Nutzung auf Reisen: Die passende SIM-Karte für jedes Land

So klappt's auch in den Nachbarländern: Beim Daten-Roaming im Ausland drohen immer noch Horror-Rechnungen. Besser surft man dort mit vor Ort erworbenen Prepaid-Karten - zu ähnlichen Konditionen wie in Deutschland. Tipps für 14 Länder gibt "c't"-Autor Lutz Labs.

Ausländische SIM-Karten: Prepaid ist besser als Nachsicht Fotos

Viele Hotels und Cafés im Ausland bieten ihren Gästen kostenlose WLAN-Netze, doch die Abdeckung ist selbst in gut versorgten Ländern alles andere als lückenlos. Spätestens wenn man die Ortsdienste der Smartphones auf der Straße nutzen will, ist man auf die Mobilfunknetze angewiesen, doch Daten-Roaming ist sündhaft teurer.

Die international tätigen Netzbetreiber wie T-Mobile, Vodafone, Telefonica und KPN verlangen von ihren Kunden auch dann Roaming-Gebühren, wenn diese sich in den Schwesternetzen im Ausland einbuchen. In vielen Ländern kommt man jedoch günstiger ins Netz. Örtliche Händler verkaufen für ein paar Euro Prepaid-Karten, die bereits ein für den Urlaub ausreichendes Datenvolumen enthalten oder zumindest die Buchung von Tages-Flatrates ermöglichen. Häufig braucht man nicht einmal seinen Ausweis vorzulegen oder die Karte zu registrieren. Jeder EU-Bürger darf seit Anfang des Jahres in jedem EU-Land eine SIM-Karte erwerben - doch das mag sich vielleicht noch nicht bei allen Shop-Mitarbeitern rumgesprochen haben. Auch in Nicht-EU-Ländern kann man Pech haben und von den Händlern abgewiesen werden. Vielleicht aber hält sich der Betreiber des nächsten Shops nicht so genau an die örtlichen Bestimmungen.

Bei der Suche nach dem am Urlaubsort am besten ausgebauten Netz hilft die Web-Seite der GSM-Association: Die Netzbetreiber stellen der Vereinigung Landkarten zur Verfügung, die ihre Netzabdeckung dokumentieren. Unter welchen Namen man SIM-Karten für die Netze kaufen kann, erkennt man daraus nicht - wenn die Abdeckungskarten große Unterschiede offenbaren, sollte man besser zu einer Netzbetreiber-SIM greifen und die möglicherweise noch günstigeren Angebote der Reseller verschmähen.

Voraussetzung für die Nutzung einer ausländischen SIM-Karte ist ein Smartphone ohne Netlock. Im freien Handel erworbene Geräte kommen meistens netlockfrei, doch vor allem beliebte Smartphones wie das iPhone verkaufen die Telekom und Vodafone immer noch mit der ungeliebten Sperre. Wenn man mit dem Netbook ins Netz möchte, benötigt man einen ebenfalls netlockfreien Surfstick. Alternativ kann man auf seinem Handy eine Software installieren, die einen WLAN-Hotspot bereitstellt, oder das Notebook per USB-Kabel mit dem Smartphone verbinden - so braucht man nur eine SIM-Karte zu kaufen. Die SIM-Karten funktionieren auch in ungesperrten iPads und dem iPhone 4, allerdings muss man sie zurechtschneiden, sofern sie nicht schon im Micro-SIM-Format kommen. Mancher Shop dürfte eine Stanze haben, man kommt aber auch mit einer handelsüblichen scharfen Schere zum Ziel. Weil die für den Internet-Zugang notwendigen Tarifoptionen bei einigen Providern nur per SMS buchbar sind, sollten iPad-User sich für ein paar Euro einen Adapter zulegen: Das iPad kennt keine SMS, die SIM-Karte muss dafür in ein ungesperrtes Handy eingelegt werden. Eine Alternative für iPads mit Jailbreak ist die vier Euro teure App SwilySMS, die das Senden und Empfangen von SMS ermöglicht.

Vor dem Einlegen der neuen SIM-Karte im Ausland ist es ratsam, die Datendienste des Smartphones abzuschalten - viele Smartphones nehmen nach dem Einschalten ungefragt Kontakt mit dem Netz auf und synchronisieren Adressen oder laden aktualisierte Programme aus dem Netz. Hat man noch nicht den richtigen Tarif gebucht, ist das Prepaid-Guthaben schnell aufgebraucht. Erst nach der Buchung eines entsprechenden Pakets schaltet man die - nun kostengünstige - Datennutzung wieder frei. Sicherheitshalber sollte man sich die notwendigen Einwahlpunkte (APN) für die am Reiseziel verfügbaren Netze schon vor der Reise aufschreiben - eine Liste findet sich im MWconn-Wiki.

Internet-Einkauf

Ausländische Prepaid-Karten sind nicht nur direkt vor Ort erhältlich. Auf eBay & Co. gibt es neue und gebrauchte SIM-Karten, auch reisefreudige Bekannte haben vielleicht noch eine Karte im Schrank liegen. Wer hier nicht fündig wird, kann die gewünschte Karte auch von spezialisierten Händlern erwerben - diese lassen sich ihre Dienstleistung natürlich bezahlen. Häufig helfen sie bei der Einrichtung und übernehmen den Support; zudem halten sie Aufladekarten und Hilfen für die Bestellung der Datenoptionen bereit.

Beim Kauf über eBay sollte man sich nicht auf das deutsche Angebot beschränken, sondern zusätzlich im Urlaubsland suchen (etwa ebay.it). Zwar muss man dort eventuell mit höheren Portokosten rechnen, doch hat man meistens eine größere Auswahl.

Multinationale SIMs

Der Telekommunikationskonzern Hutchison Whampoa aus Hongkong verzichtet bei seinen unter der Marke "3" vermarkteten Angeboten auf die Roaming-Abzocke. Die SIM-Karten sind etwa in österreichischen 3-Shops erhältlich, auf dem Postweg kann man sie nicht bekommen. Mit der Option 3LikeHome nutzen 3-Kunden die firmeneigenen Netze in Australien, Dänemark, Großbritannien, Irland, Italien, Österreich und Schweden bereits seit 2007 zum gleichen Preis wie in dem Land, in dem man die Karte erworben hat; auch Gebühren für ankommende Gespräche entfallen.

Ein Geheimtipp ist zudem die Prepaid-Karte von Vodafone Irland. Sie ist - mit unterschiedlichem Guthaben - über verschiedene eBay-Händler erhältlich. Für 3 Euro pro Tag kann man in 24 Ländern Europas sowie Australien ein Volumen von 50 MByte aus dem Netz ziehen.

Datentarife, bei denen man pro Zeit oder für kleine Datenhäppchen zahlt, eignen sich hauptsächlich für die abendliche Nutzung im Hotel. Will man sein Smartphone ständig nutzen, muss eine Flatrate her. Für eine Woche dürften 200 MByte locker reichen, für längere Aufenthalte mit intensiver Nutzung fallen leicht 500 MByte oder 1 GByte an. Bei den teilweise als Flatrate bezeichneten Volumentarifen ist Vorsicht geboten: Nicht alle Provider drosseln die Geschwindigkeit nach dem Verbrauch des Inklusiv-Volumens, manche stellen die darüber hinaus genutzten Datenpakete in Rechnung.

Die Rückzahlung ungenutzten Prepaid-Guthabens ist in anderen Ländern unüblich wie in Deutschland. Man sollte daher lediglich den für den Aufenthalt notwendigen Betrag für Surfen und Telefonieren zuzüglich einer kleinen Reserve auf die Karte laden und den nach der Reise verbleibenden Rest ignorieren - nachladen hingegen ist fast immer einfach möglich.

Auch wenn der Erwerb einer ausländischen Prepaid-Karte häufig recht einfach ist - die Angebote der Netzbetreiber und Reseller sind ebenso undurchsichtig wie hierzulande. Im Folgenden finden Sie Tipps zum Kartenerwerb und Tarifen in Europas beliebtesten Urlaubsländern und einigen außereuropäischen Zielen. Eine weltweite Übersicht zum Thema Mobiltelefonieren und -surfen bietet die Länderliste auf heise mobil, Aktualisierungen und Ergänzungen nehmen wir gerne per E-Mail entgegen.

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insgesamt 36 Beiträge
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1. UK geht billiger
Oskar ist der Beste 29.05.2011
also, was Grossbritanen angeht, geht die Sache viel einfacher und billiger: Man kauft sich eine SIM Karte (1 GBP), die man nicht einmal aktivieren muss und dann dazu einen 5 GBP Topup Voucher, damit hat man dann eine UK Telefonnummer und kann also vom Ausland her kostenfrei angerufen werden, zusaetzlich kann man fuer 1 GPB pro Tag im 3G Netz von T-Mobile surfen Wenn man regekmaeesig in UK ist, dann sollte man monatlich 10 GBP top up machen, dafuer erhaelt man free Internet und 100min Talktime (Uk only)
2. welch Wunder
mitbestimmender wähler 29.05.2011
Deswegen hatten die EU Netz-Betreiber und Hersteller jahrelang die Einführung Ihrer Dual-Sim (2Simkarten) Modelle behindert um den Nutzer noch lange zu teuer über den Tisch zu ziehen. Da kann man sich eine Prepaid reinschieben und die bestehende drinnen lassen, ist über beide Nummern tätig und ereichbar. Das ist auf anderen Kontinenten und Asien schon längst Alltag.
3.
shadowhawk 29.05.2011
Wofür brauche ich einen Surfstick, wenn mein Telefon bereits als GSM-Modem oder als GSM->WiFi-Router dienen kann?
4. ***
maumi. 29.05.2011
Für den "normalen" Smartphone- bzw. Netbooknutzer, der sich am Urlaubsabend ein paar Infos heransurfen möchte, klingt das alles doch eher kryptisch und umständlich ...
5. Korrekturen zu Spanien
wolfbln1 29.05.2011
Erstmal Gratulation. Der spanische Tarifdschungel ist im Allgemeinen ganz gut wiedergegeben. Folgendes ist nicht richtig bzw. ergänzenswert. Orange erlaubt als einziger Netzanbieter VoIP (Skype) im gegensatz zu Yoigo, Movistar und Vodafone. Damit ist VoIP auch in allen Orange-Resellern möglich also, hier genannt, auch Carrefour Movil und Másmovil. zu Carrefour Movil: Karte eignet sich eher für USB-Stick als für Smartphone, da keine Sprachtelefonie (nur SMS) möglich ist. zu Másmovil: Da hat wohl das Übersetzungsprogramm gesponnen. Ein "ç" gibt es im spanischen gar nicht. Da müsste ein á (mit accente) stehen. Másmovil ist eine Marke von "The Phone House" und gibts auch nur in deren Filialen. Beide o.g. Karten funken im Orange-Netz, was bei UMTS eine nur lückenhafte Abdeckung hat. Da es zumeist kein EDGE gibt, fällt dann man auf einfache GSM-Speed runter. Also vor Kauf besser die Netzabdeckung testen. zu Yoigo: Yoigo ist kein Reseller von "Moviestar". Der Marktführer in Spanien heißt auch nicht nach einem Filmstar, sondern "Movistar" von movil = mobil, Handy. Yoigo hat ein eigenes (4.)UMTS-Netz im Land, benutzt aber, wo es keine Abdeckung gibt und für GPRS das Movistar-Netz im Roaming (wie hierzulande einstmals O2 das T-Mobil Netz). Yoigo ist eine gute Alternative, wo Orange nicht verfügbar ist bzw. fürs Smartphone, wenn man damit auch telefonieren will.
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EU-Roaming
Seit Juli vergangenen Jahres sind die von der EU-Kommission gesetzten Kostengrenzen für Daten-Roaming im europäischen Ausland in Kraft. Damit werden die Kosten für im Ausland genutzte Mobilfunk-Datenverbindungen auf maximal 50 Euro plus Mehrwertsteuer begrenzt, in Deutschland beträgt die Obergrenze damit 59,50 Euro. Die Regelung verpflichtet die Mobilfunkanbieter, den Kunden zu informieren, sobald er 80 Prozent seiner Kostenobergrenze erreicht hat. Bei Erreichen der Obergrenze muss der Anbieter die Verbindung unterbrechen, wenn der Kunde nicht ausdrücklich die Fortsetzung wünscht. Provider können ihren Kunden weitere Obergrenzen anbieten und Mobilfunkkunden ihre persönliche Obergrenze komplett aufheben. Lediglich E-Plus hat mit 100 und 150 Euro zwei weitere Obergrenzen zur Auswahl. Zwar will die EU spätestens 2015 die Roaming-Gebühren für innereuropäische Telefonate komplett abschaffen, aber Datenreisenden hilft das nicht, denn die Datendienste fallen nicht unter die geplante Regelung.


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