Von Ole Reißmann, Christian Stöcker und Matthias Kremp
Die kurze Antwort lautet: Google
will noch
ein bisschen mehr wie Apple sein. Vielleicht nicht was Unternehmenskultur und Produktimage angeht. Aber doch zumindest in Sachen Geschäftsmodell. Einmal mehr zeigt sich hier eine Strategie, die im Grunde alle Giganten der internationalen Konsumenten-IT inzwischen eint: Egal ob Google, Amazon
, Microsoft
, Apple
oder Sony
- alle haben die gleiche Wunschliste:
Kurz: Es geht darum, die komplette digitale Vertriebskette zu kontrollieren, den Markt für digitale Information, Unterhaltung und Navigation vollständig unter dem eigenen Dach bedienen zu können.
Durch den Erwerb von Motorola komplettiert Google nun diese Wunschliste: Mit Android, Motorola, Google Books, Google Music Beta, YouTube und dem Android Market als Online-Mediatheken, dem Bezahldienst Google Checkout, den enorm umfassenden Kundendaten, die Nutzer von Googlemail und anderen Diensten hinterlassen, Google Search und dem Social Network Google+ hat der Konzern an allen wichtigen Punkten das Häkchen gesetzt.
Da kann Google-Chef Larry Page noch so intensiv beteuern, man habe vor, Motorola als "getrenntes Geschäft" weiterzubetreiben, und die übrigen Android-Partner - insgesamt 39 Hersteller, darunter HTC und Samsung - seien "genauso begeistert wie wir selbst" von dem Kauf. Klar ist: Hier entsteht ein neuer integrierter Konzern. Apple fehlt die Suchmaschine, Microsoft die Hardware-Plattform, Amazon hat da bislang nur den Kindle aufzubieten (aber das wird sich bald ändern). Und allen dreien fehlt ein funktionierendes Social Network.
Google dagegen hat nunmehr alle strategischen Positionen besetzt, die der Konzern braucht, um die digitale Zukunft nachhaltig zu dominieren. Ob das die Kartellwächter auf den Plan rufen wird, bleibt abzuwarten. Google-Justitiar David Drummond gab sich zuversichtlich, dass zu erwartende Prüfungen des Deals in den USA und Europa für Google glimpflich ausgehen würden.
Google selbst nennt noch einen anderen Grund. Spitzenmanager des Konzerns verweisen in einer Konferenzschaltung nach Bekanntgabe des Deals auf die Patentkriege, die den Mobilfunkmarkt seit Jahren beuteln, und die sich seit dem Markteintritt von Android noch verschärft haben. Das Android-Ökosystem werde "von einigen Unternehmen bedroht", sagte auch Drummond, und man werde es verteidigen - auch mit Hilfe der vielen tausend Patente, die der Branchenveteran Motorola mit in die Ehe bringt.
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