Hardware-Bastler Roboter bauen und die Welt verstehen

Keine Ahnung von Hardware? Hatte Alexander Weber auch nicht. Heute baut er malende Roboter, sägende Maschinen und LED-Glühwürmchen. Er glaubt: Wer selbst bastelt, versteht die Technikwelt ein wenig besser.

Alexander Weber

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Es surrt leise, die Antriebsriemen vibrieren und schaukeln, ab und zu hört man das Quietschen des Stiftes auf dem Glas. Der Kritzler macht seine ersten Striche. Erst gerade Linien, dann zieht er zwei große Kreise, zum Schluss einen Sattel - dann hat der Roboter ein Fahrrad gemalt.

Der Kritzler hängt im Schaufenster von Alexander Webers Büro in Hamburg. Es ist eine Maschine, die computergesteuert das Fenster bemalt. Weber hat sie selbst gebaut. Schon seit Jahren gibt es aus der Schweiz eine ähnliche Maschine namens Hektor, ausgestattet allerdings mit einer Spraydose. Weber fand sie faszinierend, und als er in ein Büro mit großer Fensterfront umzog, wünschte er sich auch so ein Gerät - und zwar eines, das direkt aufs Fenster malen kann. Und wenn sich Alexander Weber so etwas wünscht, dann baut er es.

Weber ist ein Elektronikbastler, einer, der Spaß hat am Löten, an blinkenden Lämpchen und Miniaturmotoren. Eigentlich arbeitet er als selbständiger Software-Entwickler, spezialisiert auf Apps für Android-Smartphones. Doch einen Tag pro Woche tüftelt Weber an irgendetwas Handfestem herum.

Er baut kleine Roboter, künstliche Glühwürmchen oder eine solarbetriebene Sägemaschine. Letztere allerdings sägt so langsam, dass sie Wochen brauchen würde, um das Holz tatsächlich zu zerteilen. Außenstehenden erschließt sich nicht immer der Sinn dieser Geräte; dabei liegt er oft schlicht darin, dass die Maschinen funktionieren. Es sind coole kleine Kunstwerke, auch wenn Weber mit diesem Begriff nicht einverstanden ist. "Wäre es Kunst, müsste es mehr Hinterdanken geben, eine Intention. Das ist aber bei mir nicht so."

Zwischendurch macht der 45-Jährige sein Hobby schon mal zum Beruf und bastelt im Auftrag anderer. Für Misereor hat er einmal einen Spendenautomaten gebaut, bei dem es einiges zu sehen gibt für denjenigen, der 2 Euro in den Schlitz wirft.

Seinen ersten Roboter hat er nicht verstanden

Entdeckt hat Weber seine Leidenschaft vor ein paar Jahren mit einem Bausatz für einen Roboter in der "C't". Weber hatte sich bis dahin beruflich nur mit Software beschäftigt, vom Hardware-Basteln hatte er überhaupt keine Ahnung. Den Roboter aber wollte er bauen, schließlich gab es ja eine Anleitung: "Ich habe ihn also zusammengebaut, er hat auch funktioniert, aber ich habe es nicht verstanden." Das wurmte ihn. Weber ist ein neugieriger Mensch, einer, der die Dinge durchblicken möchte.

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Hardware-Bastler: Roboter und Maschinen - Marke Eigenbau
Also fing er ganz von vorne an, experimentierte mit blinkenden Lämpchen und kleinen Displays, später mit Arduino und seitdem eigentlich mit allem, was ihm in die Finger kommt. "Es hat sich so viel Neues aufgetan, ich bin da in eine völlig neue Welt eingetaucht." Besonders habe ihn fasziniert, dass man etwas zum Anfassen hat, nicht immer auf einen Monitor begrenzt ist. Dass ein Projekt fertig wird und ein Objekt dabei herauskommt. "Gerade für Software-Leute hat das einen besonderen Reiz", findet er, gerade wenn man - wie er damals - an großen Projekten herumprogrammiert, die man kaum mehr überblicken kann. Beim Basteln sei das anders: "Man kann das komplette Ding verstehen, endlich etwas fertig machen. Es bleibt überschaubar."

Ein Blog mit Bastel -Rezepten zum Nachbauen

Zunächst lötete und klebte er in seiner Wohnung allein vor sich hin. Im Jahr 2007 eröffnete er sein Bastel-Blog "Tinkerlog" und zeigt dort, was er gebaut hat. Es gibt Fotos und Videos, aber meist auch eine Anleitung zum Nachbauen - jeweils mit einer Liste von Dingen, die man dafür braucht.

Wie ein Rezept liest sich das, nur sind es nicht gerade Zutaten, die unbedingt jeder im Haus hat: vier LEDs (3mm, 2.0 V), steht da zum Beispiel, ein Sägeblatt oder ein 8-bit Microcontroller. Wer alles beisammen hat und es sich zutraut, kann loslegen und nachbasteln, abändern, weiterentwickeln - so wie Weber es mit Hektor getan hat, aus dem schließlich der Kritzler wurde. "Ich bin ein Fan von Open Source Soft- und Hardware. Viele der Dinge, die ich so mache, basieren auf der Arbeit anderer", sagt er. "Man lernt am besten durch anschauen und nachmachen."

"Theoretisch könnte ich jetzt eine Waschmaschine programmieren"

Weltweit gibt es eine breite Bewegung von Elektronikbastlern, die sich gegenseitig austauschen und helfen. Ende Oktober zum Beispiel findet die Konferenz "Retune" in Berlin statt, bei der sich solche Tüftler treffen. Allerdings, sagt Weber, sei die Szene in Deutschland "insgesamt kleiner und zerbröselter als in den USA", deshalb findet man nicht an jeder Ecke Mitbastler.

Er aber hatte Glück: Schon in den Anfangstagen fand er im Internet einen Gleichgesinnten aus Hamburg - der zufällig sogar in der gleichen Firma arbeitete wie er. Mittlerweile haben die beiden ein Grüppchen um sich geschart, um die zehn Leute, die sich auch regelmäßig zum Bastlerstammtisch "Palo Altona" treffen. An und an gab es auch schon mal einen Workshop für Neubastler.

Denn Weber will das Hardware-Basteln weiterempfehlen: "Man braucht gar kein besonderes Talent. Und selbst wenn man nicht so geschickt ist, lässt sich das durch Übung ausgleichen. Die meisten Leute haben einfach Berührungängste." Dabei werde die Arbeit reich belohnt - mit tiefem Technikverständnis. "Ich wusste auch vorher, dass jede Waschmaschine einen Microcontroller hat", sagt Weber, "aber mittlerweile könnte ich theoretisch auch eine Waschmaschine programmieren." Manchmal sei er sogar "beinahe schockiert" darüber, wie wenig einige Menschen von der Technik verstehen, die sie täglich umgibt.



insgesamt 6 Beiträge
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Jonny_C 20.10.2012
1. Für die die Interesse haben :
Heute 20.10. 2012 ab 11:00h : Hamburger Maker-Treffen: Infos (http://www.hamburger-makertreffen.de/) Ich fahre da heute hin.
abominog 20.10.2012
2. Wenn dann bitte sowas basteln:
"Power Loader" Alien Anthology - Aliens - Power Loader - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=FSrcMaid0mg) Solche Exoskelette könnten irgendwann sehr nützlich sein, zum Beispiel um die Trümmer eines havarierten Atomkraftwerkes möglichst schnell zu beseitigen oder wenigstens den Weg für die Rettungskräfte freizuräumen...
galactique 20.10.2012
3.
Oft bin ich geschockt wie wenig Frauen, aber auch Männer was von Technik verstehen. Als Frau, heute 70, bastle ich seit meiner Kindheit technische Dinge und habe mir gerade mein altes astronomisches Observatorium neu aufgebaut und voll computergesteuert eingerichtet
schulfi 20.10.2012
4. Das fanden meine Eltern auch schon ...
Zitat von sysopAlexander WeberKeine Ahnung von Hardware? Hatte Alexander Weber auch nicht. Heute baut er malende Roboter, sägende Maschinen und LED-Glühwürmchen. Er glaubt: Wer selbst bastelt, versteht die Technikwelt ein wenig besser. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/hardware-bastler-alexander-weber-baut-maschinen-wie-den-kritzler-a-861800.html
... und haben mir einen Stabilbaukasten geschenkt. ;)
tiefblick 20.10.2012
5. Technikverständnis für Kinder
Am leichtesten und fantasiefördernsten lässt sich Technikverständnis (sowie Kreativität, Geduld, Planung, ...) meiner Ansicht nach mit Fischertechnik entwickeln. So war es auf jeden Fall bei mir (dann kam Elektronikbasteln, nun bin ich Physiker) und meine Kinder spielen nun auch schon gerne damit. Ich finde FT besser als die Technikreihe der dänischen Nöppelsteine, denn die FT Bausteine sind universeller und regen so eher so die Phantasie und an und den Bau selbst ausgedachter ganz anderer Modelle (allerdings schafft es die dänische Konkurrenz zugegebenermaßen "coolere" Baukästen al la Star Wars etc zu machen, die schneller zu Erfolgserlebnis führen, aber nicht ganz so nachhaltig sind) FT sollte auch einen Adventskalender machen, an dessen Ende man ein Raumschiff hat...
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