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Umstrittenes Spielzeug: Sprechende Barbie kommt in die Läden

Hello Barbie auf der Spielzeugmesse in New York: Kann vor allem gut zuhören Zur Großansicht
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Hello Barbie auf der Spielzeugmesse in New York: Kann vor allem gut zuhören

Dieses Jahr dürfte unter vielen Weihnachtsbäumen ein modernes wie umstrittenes Spielzeug liegen: In den USA kommt die Hello Barbie in den Verkauf. Datenschützer haben Bedenken gegen die sprechende Puppe.

Seit Monaten wird bereits über die Hello Barbie diskutiert, nun kommt das Spielzeug in den USA in den Handel. Die Puppe von Mattel und seinem Partner ToyTalk ist umstritten - denn sie kann nicht nur sprechen, sondern auch zuhören.

Die neue Barbie ist mit einem Mikrofon und einer WLAN-Schnittstelle versehen und ist für stattliche 75 Dollar zu haben. Seit Mattel die Puppe vor einem halben Jahr in New York auf der Spielzeugmesse vorstellte, reißt die Kritik von besorgten Eltern und Datenschützern nicht ab: Von einer Abhör-Barbie ist die Rede und vom Missbrauch kindlicher Privatsphäre, auch eine Online-Petition gegen die Puppe läuft.

In den USA wie auch in Deutschland geht der Trend allerdings hin zu mehr Hightech im Kinderzimmer. Auch mit seinem Sprachassistenten steht Hello Barbie nicht allein: Das US-Start-up Elemental Path etwa nimmt derzeit Vorbestellungen für einen sprechenden und lernfähigen Mini-Dino entgegen.

Das Mikrofon nimmt alles auf und schickt es in die Cloud

Die Hello Barbie funktioniert ähnlich wie die Spracherkennung in vielen Smartphones: Ein Mikrofon, das im Nacken der Puppe sitzt, nimmt alles auf, was Barbies Gesprächspartner sagt. Die Daten werden via WLAN in die Cloud geschickt, wo die passende Antwort aus rund 8000 bereitgestellten Dialogsätzen ausgewählt wird. Den gewonnenen Input behält die Barbie dann für künftige Antworten "im Hinterkopf".

Doch was passiert mit den aufgenommenen Daten? Laut Mattel werden sie nicht zu Werbezwecken gespeichert, sondern nur, um das Gesprächserlebnis zu verbessern. Nach zwei Jahren sollen die Daten wieder vom Server gelöscht werden. Außerdem müssten die Eltern zu Beginn auch ihre Zustimmung geben.

Doch ähnlich wie bei einigen anderen elektronischen Geräten mit Sprachsteuerung, die den Umgebungsgeräuschen lauschen, um ein für sie gedachtes Schlüsselwort nicht zu verpassen, bleibt ein ungutes Gefühl. Von den Datenschützern bei Digitalcourage bekam die Barbie in diesem Jahr prompt einen Negativpreis verliehen, den Big-Brother-Award.

Auch in den USA trifft die Barbie auf Kritik: Unter anderem die Anwälte der Campaign for a Commercial-free Childhood (CCFC) starten zum Verkaufsstart eine Social-Media-Kampagne unter dem Motto "Hell No Barbie". Mehrere Zehntausend Menschen haben bereits gegen die Markteinführung der Barbie unterzeichnet.

Der CCFC-Geschäftsführer Josh Golin befürchtet, dass persönliche Daten geteilt und für Marketingzwecke genutzt werden. "Da gibt es eine ganze Menge Bedenken, was Privatsphäre und Sicherheit angeht", sagte er in einem TV-Interview. Schließlich würden Kinder ihrem Spielzeug auch geheime, ganz private Dinge anvertrauen, die niemanden etwas angingen.

Eltern bekommen Gesprächsaufzeichnungen zugeschickt

Das Start-up ToyTalk aus San Francisco hat den Sprachassistenten entwickelt und zusammen mit Mattel die Antworten ausgearbeitet - mit einem Barbie- und kindgerechtem Wortschatz. In einem Testgespräch geht es etwa um spätere Berufswünsche. Barbie: "Hey, du hast mir erzählt, dass du gern auf einer Bühne stehst. Vielleicht wirst du also Tänzerin? Oder Politikerin? Oder tanzende Politikerin? Hey, du kannst werden, was immer du willst."

Noch ist die Hello Barbie weit davon entfernt, den sogenannten Turing-Test für künstliche Intelligenz zu bestehen, bei dem es darum geht, in einem Dialog einen Menschen von Software zu unterscheiden. Aber Kinder reagieren anders als Erwachsene, sagen Mediziner. "Computeralgorithmen können und sollten die nuancierte Ansprechbarkeit liebevoller Personen nicht ersetzen", zitiert die CCFC den Kinderarzt Dipesh Navsaria von der Universität Wisconsin in der Debatte.

Ein anderer Punkt: Auch Eltern laufen Gefahr, mit der Hello Barbie in die Privatsphäre ihre Kinder einzudringen. Sie sollen einmal pro Woche die von Barbie aufgenommenen Audiofiles zugeschickt bekommen - aus Sicherheitsgründen, wie es heißt.

Einer Sprecherin von Mattel Deutschland zufolge ist ein Verkauf der sprechenden Puppe in Deutschland derzeit nicht geplant.

dpa/juh

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Qasselbarbie
frankfranic 09.11.2015
Ich würde mir 2 von denen kaufen, die könnten dann miteinander quatschen.....
2. Fortschrittlich regrediert...
michel-watcher 09.11.2015
In Japan arbeiten Seniorenheime mit künstlichen Tieren wie Roboterhunden, zu denen die Menschen abgeblich ein Verhältnis aufbauen, wie zu einem echten Lebenwesen. Auch werden dort menshclich aussehende Kunstwesen an Rezeptionen u.ä. eingesetzt. In Deutschland und sonstwo ersetzen die sog. social media direkte Kontakte und vereinsamen Menschen, auch wenn diese zehntausend virtuelle Freunde haben. Das Smartphone ist für einen großen Teil des modernen Menschen absolut unverzichtbar. Bei Wegnahme treten massive Entzugserscheinungen auf. Zig tausende Jugendliche verbringen ihre Zeit mit MMO- Spielen, tauchen ein in die virtuelle Welt. So hat die HiTec-Industrie schon weite Teile der Bevölkerung schon am Haken. Fehlen nur noch die Kinder. Jetzt bald nicht mehr? Doch wer sieht, wie ein Kind mit einem Stück Holz und ein paar Steinen wunderscön spielen kann, wie Kinder in ihrer Phantasie reisen und sich so, völlig ohne ADHS oder Depressionen, beschäftigen können, wer weiß, wie differenziert Leben und Kommunikation ist, bzw. sein kann, der erkennt, was hier passiert: Uns wird vorgegaukelt, dass wir schenller und weiter voranschreiten, uns angeblich immer weiter fortentwickeln. In Wahrheit aber ist diese komplette Adaption an Maschinen und die der Maschinen an uns ein perfekter Weg, tatsächlich zu regredieren. Unsere multiplen Fähigkeiten werden immer stärker eingeengt, passen sich den Fähigkeiten der devices an, Wahrnehmung und Sprache wird reduziert auf das, was auch virtuell dargestellt werden kann. Wir werden immer bequemer und verlieren viele Fähigkeiten, einfach, weil wir sie nicht mehr brauchen. Aber stimmt das? Ist eine Handschrift nicht etwas ganz Eigenes. Ist sie nicht Teil der Entwicklung? Malen, zeichnen, kritzeln, raufen, rennen, schmutzig mache, spielerische Vorbereitung auf ein komplexes Leben. Ach so, die Welt hat sich verändert, wir müssen alle mit Computern umgehen können. Auch spielerisch. Klar, aber das ist doch kein Thema. Das können doch schon die Kleinsten. Betriebssysteme werden immer einfacher zu bedienen, ohne dass fast niemand mehr weiß, wie das im Detail funktioniert. Barbies an sich sind ja schon beteiligt, wenn es um Hübschheit und Ideale geht. Emanzipation heißt heute etwas ganz anders als noch vor 20 Jahren. Der Einmfluss der Medien ist stark wie nie. Und nun geht es an die Kinderzimmer, die am leichtesten zu verführende Gruppe. Bravo! Erde an Zukunft! Alles so schön bunt hier...
3. Eine Cloud
felisconcolor 09.11.2015
ist gut und erleichtert viele Dinge. Solange sie in meinem Keller steht. Wo sind eigendlich die ganzen Kinderrechtler hier in D. Zu diesem Thema hätte es einen #Aufschrei ohne gleiche geben müssen. Auch ich als ausgesprochen Technik affiner Mensch sage, das dieses und ähnliches Spielzeug sämtliche Grenzen überschreitet
4. Frage der Technik
hansgustor 09.11.2015
Diese Technik lässt sich ohne Internetverbindung nur sehr schlecht umsetzen. Ich würde das Ding zwar nie ins Haus lassen, aber lasst doch die Leute selbst entscheiden und setzt euch lieber für entsprechende Warnhinweise ein.
5.
ich2010 09.11.2015
wie wär's mit nicht-kaufen?wir sind doch alles angeblich mündige bürger, oder? wo keine nachfrage, da mittelfristig auch keine produktion mehr. aber es ist halt einfacher alles von "oben" regeln zu lassen. muss man selbst schon keine verantwortung übernehmen. bitte jetzt nicht mit dem argument des sozialen drucks kommen. mir haben meine eltern auch nicht alles gekauft, nur weil die anderen kids das hatten. das gilt für markenklamotten genauso wie für irgendwelchen elektronischen krimskrams. hat es mir geschadet? nö.
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