Fitness-Tracker Kunden reichen Sammelklage gegen Fitbit ein

Messen die Fitness-Armbänder des US-Unternehmens Fitbit zu ungenau, bringen damit die Benutzer womöglich in Gefahr? Kunden haben nun eine Sammelklage gegen den US-Konzern eingereicht. Fitbit weist die Vorwürfe zurück.

Fitbit Charge HR: Laut Klägern misst das Armband zu ungenau
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Fitbit Charge HR: Laut Klägern misst das Armband zu ungenau


Mit dem Slogan "Jeder Herzschlag zählt" wirbt das Unternehmen Fitbit für seine Fitness-Armbänder. Doch einige Kunden in den USA sind offenbar unzufrieden mit den Ergebnissen der Armbänder des Herstellers. Drei Kunden halten die angezeigte Herzfrequenz sogar für gefährlich und haben gegen den Konzern eine Sammelklage wegen falscher Werbeversprechen eingereicht.

Der Vorwurf: Die Messungen mit der "Pure Pulse"-Technologie seien zu ungenau. Der Konzern preise die Produkte jedoch mit der Botschaft an, "die Herzfrequenz während intensiver physischer Aktivitäten akkurat zu messen".

Die Geräte Fitbit Charge HR und Surge nutzen die "Pure Pulse"-Technologie, sie nehmen die Herzfrequenz direkt am Handgelenk ab. Zwei LEDs durchleuchten dafür die Haut und die Adern, um den Puls zu erfassen. Mit der Herzfrequenzmessung lässt sich der Kalorienverbrauch exakter bestimmen, Sportler können in einem vorgegebenen Frequenzbereich trainieren und eine Maximalfrequenz festlegen.

Genau bei dieser Messung sehen die Kläger allerdings ein Risiko. Laut Klageschrift liegen die Geräte beim Training mehrere Herzschläge daneben - und bringen damit die Athleten in Gefahr, da er über seiner festgelegten Frequenz trainieren könne. Ein Klägerin gibt an, dass sie während einer anstrengenden Trainingsphase eine Frequenz von 160 Herzschlägen pro Minute erreicht hatte. Ihr Fitibit Charge HR hingegen zeigte mit 82 Schlägen aber nur etwa die Hälfte an.

Fitbit kündigt an, sich energisch zu verteidigen

Ein weiterer Kläger hat laut Gerichtsdokumenten mit einem Surge-Armband für einen Marathon trainiert. Da es in seiner Familie bereits Herzerkrankungen gegeben habe, soll ihm ein Arzt geraten haben, nicht über einer Frequenz von 160 Schlägen pro Minute zu trainieren. Doch selbst bei hoher Intensität habe der Fitness-Tracker nie mehr als 125 Schläge angezeigt und sei um bis zu 25 Herzschläge falsch gelegen.

Fitbit wehrt sich gegen die Vorwürfe. Ein Sprecher des Unternehmens sagt gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Wir glauben nicht, dass dieser Prozess Erfolg haben wird." Fitbit stehe hinter seiner Technologie zur Herzfrequenzmessung und "tritt den in der Klage getätigten Aussagen entschieden entgegen".

Man werde sich in dem Prozess energisch verteidigen. "Unsere Mitarbeiter haben in der Vergangenheit und werden auch weiterhin interne Studien zur Validierung der Leistungsfähigkeit aller Produkte durchführen." Allerdings weist Fitbit darauf hin, dass die Fitnesstracker für Endverbraucher entwickelt worden seien. "Sie sind nicht als wissenschaftliche oder medizinische Geräte gedacht."

jbr

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
crazy_swayze 07.01.2016
1.
Egal ob medizinisches Gerät oder nicht, ein Pulsarmband sollte dennoch ausreichend genau sein bei der Bestimmung der Vitaldaten. Sonst ist das Gerät sinnlos.
Claudala 07.01.2016
2. Kann ich nicht bestätigen
Meins zeigt exakt das gleiche an wie der Stepper im Fitness Center, der über die Handgriffe misst.
behemoth1 07.01.2016
3.
Ob man mit dieser gewollten Sammelklage auch so erfolgreich sein wird, wie man es mit ausländischen Verursachern ist?
der_unbekannte 07.01.2016
4. Der Satz
'Allerdings weist Fitbit darauf hin, dass die Fitnesstracker für Endverbraucher entwickelt worden seien. "Sie sind nicht als wissenschaftliche oder medizinische Geräte gedacht."' sagt schon alles aus. Vermutlich wird die LED auch nicht bei jedem Hauttyp/jeder Hautfarbe genauso gut funktionieren. Aber wer sich auch nur auf die Technik verlässt und als Sportler (!) nicht mehr auf sein Körpergefühl hört, ist auch selbst schuld.
vogtnuernberg 07.01.2016
5. 82 oder 160...
Also ob ich beim Training 82 oder 160 Schläge des Herzens habe, spüre ich schon. Bis 110 schnaufe ich noch nicht einmal verstärkt. Bei 160 dagegen bin ich schon am Limit. Na ja, manch einer ist halt Technikgläubig, statt auf seien Körper zu hören.
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