Hightech-Folie Multitouch fürs Küchenfenster

Wer braucht da noch ein iPhone? Eine dünne Kunststofffolie soll fast jede Oberfläche zum digitalen Eingabemedium machen. Glaubt man dem Hersteller, könnten sogar Fußbälle und Couchtische zum interaktiven Mausersatz werden, auf dem sich virtuelle Gegenstände herumschieben und -pusten lassen.

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Multitouch-Folie: So wird das Küchenfenster interaktiv
Könnte diese Folie das Ende der Computermaus einläuten? Die auf interaktive Technologien spezialisierte portugiesische Firma Displax hat am Dienstag eine Multitouch-Folie vorgestellt, die auf nahezu jede Oberfläche aufgebracht werden kann - solange die nur nichtleitend ist.

Egal also, ob Küchenfenster, Plexiglastisch oder Frühstücksbrett, fast jeder Gegenstand soll damit künftig zur Benutzeroberfläche für Computer werden, sagt der Hersteller. Die entsprechenden Bildinhalte können beispielsweise mit einem Projektor darauf projiziert werden. Alternativ kann die Folie auch auf herkömmliche Bildschirme aufgeklebt werden. Anwendungen sieht das Unternehmen vor allem in öffentlichen Bereichen - aber auch für PC-Spiele könnte das Konzept interessant sein.

Dass Multitouch heute in aller Munde ist, längst zu den Fingerfertigkeiten gehört, die Kinder schon im Grundschulalter erlernen, ist vor allem Apples iPhone zuzuschreiben. Denn per Finger bedienbare Computer gibt es schon seit Jahren, doch waren die meist darauf beschränkt, die Bewegungen eines Fingers zu registrieren. Erst das iPhone machte Multitouch, also die Fähigkeit, Bewegungen mehrerer Finger zu verfolgen, populär. Die neue Technik ermöglicht es auch, sogenannte Steuerungsgesten zu verwenden. Die bekannteste ist jene, bei der man zwei Finger auseinander oder zueinander bewegt, um Bilder zu vergrößern oder zu verkleinern.

Genau solche Gesten soll man künftig auch mit der Displax-Folie nutzen können. Allerdings ist man dabei nicht auf zwei Finger beschränkt. Stattdessen soll die Folie bis zu 16 Finger gleichzeitig erkennen können. Weil selbst Menschen die mit einer sogenannten Polydaktylie, also mehr Fingern als üblich, geboren werden, es nie auf mehr als zwölf Finger bringen, sollen also mehrere Personen gleichzeitig damit arbeiten können.

Vom Multitouch- zum Puste-Display

Weil das aber auf kleinen Flächen unweigerlich zu verhedderten Gliedmaßen, schlimmstenfalls zu körperlichen Auseinandersetzungen führen könnte, will der Hersteller seine Folie auch für großflächige Installationen anbieten. Diagonalen von bis zu drei Metern seien problemlos zu verwirklichen, sagt der Hersteller. Und weil das Material außerordentlich flexibel und dünn ist, sollen sich damit sogar Kugeln überziehen lassen.

Zudem, so Displax, sei das in den Kunststoff eingearbeitete Geflecht aus Nanodrähten so sensibel, dass man die Folie nicht einmal berühren müsse, um damit Aktionen auszulösen. Dem Hersteller zufolge können damit auch sanfte Luftbewegungen ausgewertet werden. Fotos oder Dateisymbole sollen sich dadurch quasi über den Bildschirm pusten lassen.

Vorerst habe man die Technologie mit Blick auf kommerzielle Kunden entwickelt, die damit beispielsweise herkömmliche Großbildschirme in interaktive Displays verwandeln könnten, erklärt Displax-Manager Miguel Fonseca. Man sehe aber auch Möglichkeiten, Anwendungen für Privatkunden zu entwickeln. Fonseca: "Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt."

Kaufen kann man die sensible Wunderfolie trotzdem nicht, zumindest noch nicht. Erst ab Juli dieses Jahres will Displax mit der Vermarktung beginnen, seine Technologie in Lizenz anbieten und gleichzeitig selbst entsprechende Multitouch-Folien anbieten. Was man dann dafür wird bezahlen müssen, wollte das Unternehmen auf Anfrage noch nicht preisgeben.

Hoffentlich kommen dabei günstige Konditionen heraus - wer würde sich nicht gern den Traum vom interaktiven Frühstücksbrett erfüllen?



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
Paul Panda 21.02.2017
1. Was die Welt nicht braucht
Ich wusste doch die ganze Zeit, dass mir zum Glücklichsein noch eine Sache gefehlt hat. Jetzt ist mir klar: Es war diese Folie! Was im Artikel nicht genau erklärt wird: Ist das nur eine Art Eingabemedium, oder erzeugt diese Folie so wie ein Display auch Bilder? Wenn ja: Wie hoch ist die Auflösung? Bei größeren Flächen (Küchenfenster) müsste es sich dabei schon um mehrere tausend Pixel horizontal bzw. vertikal handeln. Um das Ende des PCs kann es sich hier ja wohl kaum handeln: Zur Ansteuerung solch riesiger Pixelmengen bräuchte man schon eine ganze Menge Rechenpower. Ob in der Küche dafür Platz ist? Oder gar in einem Fußball? Und warum soll ich Objekte über den Bildschirm blasen, wenn es doch eine Maus gibt? Fragen über Fragen! Ich glaube, hier handelt es sich mal wieder um ein Wind-Ei, von dem schon bald keiner mehr reden wird.
hollo43 22.02.2017
2. Windei?
Zitat von Paul PandaIch wusste doch die ganze Zeit, dass mir zum Glücklichsein noch eine Sache gefehlt hat. Jetzt ist mir klar: Es war diese Folie! Was im Artikel nicht genau erklärt wird: Ist das nur eine Art Eingabemedium, oder erzeugt diese Folie so wie ein Display auch Bilder? Wenn ja: Wie hoch ist die Auflösung? Bei größeren Flächen (Küchenfenster) müsste es sich dabei schon um mehrere tausend Pixel horizontal bzw. vertikal handeln. Um das Ende des PCs kann es sich hier ja wohl kaum handeln: Zur Ansteuerung solch riesiger Pixelmengen bräuchte man schon eine ganze Menge Rechenpower. Ob in der Küche dafür Platz ist? Oder gar in einem Fußball? Und warum soll ich Objekte über den Bildschirm blasen, wenn es doch eine Maus gibt? Fragen über Fragen! Ich glaube, hier handelt es sich mal wieder um ein Wind-Ei, von dem schon bald keiner mehr reden wird.
Für den Einen ist es ein Windei, für den anderen die normalste Sache der Welt. Ich sehe darin eine technische Detaillösung, die zu erwarten war. Die Anwendung für große Bilschirme und Monitore von Schaltwarten usw. ist sicherlich von Nutzen.
niklaw 03.02.2010
3. Kein Monitorersatz, sondern -aufrüstung
So wie ich den Text verstanden habe, erreicht man durch das Bekleben von Oberflächen mit der Folie nur, dass die Oberflächen die Eigenschaften eines Touchscreens bekommen. Man kann also die Folie z.B. auf seinen Monitor kleben oder auf eine Leinwand und erhält Touchscreen-Funktionalität. Gut zum Nachrüsten und flexibel einsetzbar. Aber wohl eher für Firmen geeignet, denn wer will schon dauernd mit dem Finger am Monitor rumdrücken. Da fällt einem nach 15 Minuten der Arm ab!
blob123y 03.02.2010
4. Ich wundere mich immer wenn ich solche Texte lese.
Schon vor etwa 40 jahren hatten wir mit meiner damaligen Firma ein Produkt wie dieses am Messestand zum Vermarkten. Der einzige Unterschied war man konnte dieses Ding nicht biegen, also wer hat da wieder 40 jahre geschlafen ? Dieselben Sachen werden auch bei den iphones und z.B. Bankautomaten benutzt.
Paul Panda 03.02.2010
5. So könnte es sein
Zitat von niklawSo wie ich den Text verstanden habe, erreicht man durch das Bekleben von Oberflächen mit der Folie nur, dass die Oberflächen die Eigenschaften eines Touchscreens bekommen. Man kann also die Folie z.B. auf seinen Monitor kleben oder auf eine Leinwand und erhält Touchscreen-Funktionalität. Gut zum Nachrüsten und flexibel einsetzbar. Aber wohl eher für Firmen geeignet, denn wer will schon dauernd mit dem Finger am Monitor rumdrücken. Da fällt einem nach 15 Minuten der Arm ab!
Ja, so könnte es sein. Mich haben halt nur das Küchenfenster und der Fußball etwas irritiert und mich zu meinem ironischen Kommentar verleitet. Für professionelle Anwendungen (zum Beispiel im Bereich großer Anzeigetafeln) sicher berechtigt.
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