Von Matthias Kremp
Erst das Internet, dann die Handys, jetzt das Wohnzimmer: Google breitet seine Präsenz im täglichen Leben weiter aus. Auf der Entwicklerkonferenz "Google I/O", die Mitte Mai in San Francisco stattfindet, werde der Konzern eine für TV-Anwendungen angepasste Version seines Handy-Betriebssystems Android präsentieren, die als Dragonpoint bezeichnet wird. Das berichten übereinstimmend das "Wall Street Journal" und der Wirtschaftsdienst "Bloomberg". Die Google-Software soll den TV-Geräten demnach zu einer besseren Internet-Integration verhelfen.
Den Trend, Internetfunktionen in Fernseher einzubauen, gibt es bereits seit gut zwei Jahren. Zu den Vorreitern auf diesem Gebiet gehörte Samsung. Die Koreaner hatten auf der CES 2008 vernetzte TV-Geräte gezeigt, auf die man von Yahoo bereitgestellte Mini-Programme, sogenannte Widgets, laden konnte, über die sich Nachrichtendienste, Wettervorhersagen und beispielsweise Flickr abrufen ließen. Mittlerweile bieten neben Samsung auch Sony und LG entsprechende TV-Geräte an. Andere Hersteller wie beispielsweise Philips setzen auf eigene Online-Angebote für ihre Fernseher. Ihnen allen gemein ist, dass sie nur ein spezialisiertes Web-Angebot darstellen und wenn überhaupt nur einen eingeschränkten Zugang zu herkömmlichen Web-Seiten anbieten. Zudem werden immer mehr Set-Top-Boxen und Blu-ray-Player mit Web-Funktionen, beispielsweise zum Abspielen von YouTube-Videos, ausgeliefert.
Laut "Bloomberg" will der japanische Elektronikhersteller Sony auf der Google-Konferenz bereits neue Fernseher mit Google-Android-Betriebssystem vorstellen. Die nötige Rechenleistung soll in den Geräten ein Atom-Prozessor von Intel bereitstellen. Es ist derselbe Chip, der auch die meisten Netbooks antreibt, ein Universalprozessor also. Bislang werden in vernetzten Fernsehern dagegen meist spezielle Media-Chips genutzt, die extra für den Einsatz in Unterhaltungselektronik entwickelt worden sind.
Eine boomender Markt
Google zielt auf einen aktuellen Marktprognosen zufolge boomenden Markt: Das Marktforschungsinstitut GfK hat herausgefunden, dass 2009 bereits mehr als eine halbe Million internettauglicher Fernseher in Deutschland verkauft wurden. 2010 sollen weitere zwei Millionen hinzukommen, 2011 weitere vier Millionen.
Die von Google entwickelte Technik soll nun offenbar die Angebote herkömmlicher Fernsehsender mit Internet-TV-Angeboten verschmelzen. So wird von einem Feldversuch der Google-Technik berichtet, in dem den Anwendern die Möglichkeit gegeben wird, Online- und Offline-TV-Angebote am Fernseher per Suchfunktion zu durchstöbern. Nicht erwähnt wird, ob Googles Dragonpoint auch den neuen Standard Hybrid Broadcasting Broadband TV (HbbTV) beherrscht, der einheitliche Schnittstellen zwischen TV und Internet bereitstellen soll.
Interessant bleibt auch abzuwarten, inwieweit sich die angeblichen Sony-Geräte von dem Angebot des schwedischen Herstellers People of Lava unterscheiden. Die Schweden haben für den Sommer 2010 bereits ein TV-Gerät auf Android-Basis angekündigt. Das soll unter anderem einen Zugang zum Android Market bieten, so dass man die Fähigkeiten über Apps erweitern kann. Diese Funktion dürfte auch in Googles eigenem Projekt enthalten sein. Die Möglichkeit, TV-Apps per Fernbedienung von der Couch aus zu kaufen, dürfte für Software- und Inhalteanbieter ein potentiell einträgliches neues Geschäftsfeld werden.
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