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Hintertüren und Killer-SMS: Hacker knacken Handys und Smartphones

Angriffsziel Mobiltelefon: Auf zwei Sicherheitskonferenzen haben Experten gezeigt, dass Smartphones und Billig-Handys oft nur unzureichend gegen Hack-Attacken geschützt sind. Nicht immer bemerken die Opfer den Einbruch.

Hacker bei der Arbeit (beim Chaos Communication Congress): Telefone im Visier Zur Großansicht
DPA

Hacker bei der Arbeit (beim Chaos Communication Congress): Telefone im Visier

Wenn Sicherheitsexperten Sicherheitslücken suchen, werden sie auch fündig -zumindest auf Charlie Miller von Independent Security Evaluators trifft das zu. Zum vierten Mal in Folge konnte er auf dem Hacker-Kongress Pwn2Own eine Methode vorführen, mit der er sich Geräte Untertan machen kann. Dieses Mal war sein Opfer ein iPhone 4, das er mit einer sogenannten Drive-by-Attacke überlistete, also über eine manipulierte Web-Seite einen Schadcode in den Browser einschmuggelte und auf diese Weise Zugang zum Adressbuch des Handys bekam.

Miller geht bei seiner Suche nach Sicherheitslücken stets auf dieselbe Weise vor, verwendet eine Spezialsoftware, die sein Angriffsziel solange mit zufällig generierten Datenpaketen malträtiert, bis es abstürzt. Ein solcher Absturz wird dann genau analysiert, weil er auf eine mögliche Sicherheitslücke hindeuten kann. Auf diese Weise hatte Miller schon mehrmals Lücken in Apples iPhone- und Mac-Software aufgestöbert.

Gegenüber " The Register" erklärt er, dass es viel schwieriger sei, Sicherheitslücken in Handys auszunutzen als bei herkömmlichen Computern. Das Systemdesign sei einfach nicht darauf ausgelegt, dass man vor außen Software einschleusen könne. Wer bereits das am Mittwochabend veröffentlichte Software-Update auf iOS 4.3 auf seinem iPhone installiert hat, sei vor seinem Hack ohnehin sicher, sagt Miller. Apple hat in der neuen Version eine Technik namens ASLR (Address Space Layout Randomization), die es Hackern schwer mache vorherzusehen, wo im Telefonspeicher ihr Schadcode abgelegt wird. Der Zugriff auf diese Datenpakete von außen ist dadurch so gut wie unmöglich.

Auch Blackberrys sind vor Hackern nicht sicher

Dass auch die als besonders sicher angesehenen Blackberry-Smartphones nicht vor Hack-Attacken gefeit sind, demonstrierten zwei weitere Sicherheitsexperten. Sie hatten vorgeführt, wie man einen Blackberry Torch 9800, das aktuelle Highend-Modell mit der neuen Betriebssystemversion Blackberry OS 6.0, angreifen kann. Blackberrys verfügen nicht über den ASLR-Schutz, den Apple gerade eingeführt hat. So war es den Hackern möglich, auch hier auf das Adressbuch zuzugreifen und sogar eine Datei im Speicher des Telefons abzulegen.

Damit sind bereits zwei der großen Smartphone-Plattformen Hackern zum Opfer gefallen. Ob sich die Konkurrenz besser behaupten kann, wird sich am Freitag zeigen. Dann wollen sich die Experten einem Android-Handy sowie einem Windows-Phone-7-Gerät zuwenden und versuchen, auch diese zu Fall zu bringen. Als erste hatten bereits am Mittwoch die beiden Webbrowser Safari und Internet Explorer 8 den Bemühungen der Hacker nicht standhalten können.

Unsichtbare Killer-SMS

Noch bedrohlicher als die auf dem Pwn2Own-Kongress gezeigten Angriffe auf Smartphones erscheint jedoch eine Manipulationsmethode für Handys, die die beiden Sicherheitsforscher Nico Golde und Collin Mulliner auf der Konferenz CanSecWest gezeigt haben. Statt sich auf Smartphones zu stürzen haben sie sich sogenannte Feature-Phones, also eher günstige Mobiltelefone zum Ziel gemacht. Ihre Begründung: Davon gibt es einfach mehr, man hat also mehr potentielle Angriffsziele.

Dementsprechend stützt sich ihre Angriffsmethode auch nicht auf ein Eindringen in einen Webbrowser oder eine Attacke via Internet, da derartige Handys auf diesem Weg oft gar nicht erreichbar sind. Stattdessen nutzen sie spezielle SMS-Nachrichten, um die Handys zu manipulieren. Auf der Sicherheitskonferenz demonstrierten sie ihre Technik anhand mehrerer Handys von Nokia, LG Electronics und Sony Ericsson, die sie bei eBay gekauft hatten.

Je nach Handymodell stürzten die Telefone nach Empfang einer solchen Killer-SMS entweder ab, froren ein oder führten einen Neustart durch. In einem Fall ist es ihnen sogar gelungen, das angegriffene Handy via SMS mit einer PIN-Code-Sperre zu verriegeln. Der Besitzer eines solchen Telefons hätte dadurch keinen Zugriff mehr auf sein eigenes Gerät. Hinterhältig dabei: Die Schad-SMS werden dem Nutzer nicht signalisiert, werden auch nicht ins SMS-Verzeichnis des Handys eingetragen.

Wer von einem solchen Angriff betroffen ist, wundert sich also über das merkwürdige Verhalten seines Telefons, kann sich aber keinen Reim drauf machen, weshalb das Handy sich plötzlich merkwürdig verhält.

mak

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Es gibt eine Lösung...
2cv 11.03.2011
Einfache Lösung: ....man nehme ein 1-Euro-Telefon aus früheren Jahren, z.B. ein sehr schlankes und im Retro-Stil beinahe schon wieder modernes Ericsson T28 und bleibt per SMS und Telefonie beim Wesentlichen. Und man kann sogar echte Kontakte abspeichern und sich richtig wecken lassen! Retro ist sooo cool... ;-)
2. Und schließlich fordere ich ein titelzwangloses Forum
Uncle_Sam 11.03.2011
Zitat von 2cvEinfache Lösung: ....man nehme ein 1-Euro-Telefon aus früheren Jahren, z.B. ein sehr schlankes und im Retro-Stil beinahe schon wieder modernes Ericsson T28 und bleibt per SMS und Telefonie beim Wesentlichen. Und man kann sogar echte Kontakte abspeichern und sich richtig wecken lassen! Retro ist sooo cool... ;-)
Und ist von den "Killer-SMS" betroffen oder wie? Bei hochwertigen Smartphones sind das zwei verschiedene Prozessoren, die die Verarbeitung machen laut CC2, somit sind diese von den "Killer-SMS" nicht unbedingt betroffen.
3. Selbstverständlich kann man...
RaMaDa 11.03.2011
...Telefone herstellen, die gegen Angriffe sicher sind. Nur dürfen darf man das nicht - es gibt gewisse Behörden, die da was gegen haben.
4. Titel
a1001 11.03.2011
Zitat von 2cvEinfache Lösung: ....man nehme ein 1-Euro-Telefon aus früheren Jahren, z.B. ein sehr schlankes und im Retro-Stil beinahe schon wieder modernes Ericsson T28 und bleibt per SMS und Telefonie beim Wesentlichen. Und man kann sogar echte Kontakte abspeichern und sich richtig wecken lassen! Retro ist sooo cool... ;-)
Den Artikel haben Sie gelesen? Gerade diese Featurephones können einfach per SMS lahm gelegt werden.
5. ...
michaxl 11.03.2011
Zitat von 2cvEinfache Lösung: ....man nehme ein 1-Euro-Telefon aus früheren Jahren, z.B. ein sehr schlankes und im Retro-Stil beinahe schon wieder modernes Ericsson T28 und bleibt per SMS und Telefonie beim Wesentlichen. Und man kann sogar echte Kontakte abspeichern und sich richtig wecken lassen! Retro ist sooo cool... ;-)
Oder man nehme zwei leere Konservendosen und spanne einen festen Faden zwischen beide Dosen. Hacken nur bei physischer Anwesenheit möglich.
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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