Tricksen mit "Hipstamatic" So zaubert man aus Fotos eine Serie im Einheitslook

Es kostet viel Zeit und Mühe, Fotos aus unterschiedlichen Kameras und Belichtungssituationen nachträglich ein einheitliches Aussehen zu geben. Das Fachmagazin "Docma" hat einen Trick, der ganz ohne Photoshop auskommt.

Von Christoph Künne

Christoph Künne

Kürzlich blätterte ich auf dem Tablet-PC durch das "Snap"-Magazin, eine digitale Zeitschrift, in der ausschließlich mit der Foto-App "Hipstamatic" aufgenommene Bilder gezeigt werden. Dort sah ich eindrucksvolle Bilderserien, die mit dem "Tintype-SnapPak" entstanden sind. Dieses Software-Bundle besteht aus einer virtuellen Linse für die "Hipstamatic" Kamera-App und zwei virtuellen Filmen mit Plattenkamera-Ästhetik. Kostenpunkt: 0,79 Euro.

Die Linse erzeugt - wenn auch für das kritische Auge nicht allzu glaubhaft - weiche Fokusverläufe, wie man sie von alten Objektiven kennt. Der eine Film ist farbig, der andere simuliert Bilder im sogenannten nassen Kollodion-Verfahren, was wegen einer Rot-Unempfindlichkeit zur aparten Schwarzweißumsetzung bei Hautpartien und in den Pupillen führt.

Beim Anblick der Bilder fragte ich mich unweigerlich, warum der Fotograf nicht einfach mit einer richtigen Kamera statt mit einem schwer kontrollierbaren Fototelefon gearbeitet hat. Ich selbst würde mich nie auf die Ergebnisse einer Foto-App wie "Hipstamatic" verlassen, wenn ich ernsthaft Bilder machen will. Zum einen, weil ich der Zufälligkeit des Effekts voll ausgeliefert bin, denn die Arbeit mit "Hipstamatic" ist wie früher beim Film: Man sieht den Effekt beim Blick durch den Sucher noch nicht und muss nach dem Auslösen einen Moment warten, bis die Bilder "entwickelt" sind. Zum anderen, weil die Kamerafunktion eines Mobiltelefons mit vielen technischen wie ergonomischen Nachteilen behaftet ist. Trotzdem: Wenn dann mal - trotz solch widriger Umstände - ein Bild gelingt, ist die Wirkung eindrucksvoll.

Auf die Idee, beide Welten zu kombinieren, kam ich, als ich Porträts, die förmlich nach dem "Tintype-SnapPak"-Look verlangten, an einem großen Monitor entwickelte. Statt mit Photoshop zu experimentieren, zückte ich das iPhone, wählte die Einstellungen in der "Hipstamatic"-App, drückte auf den Auslöser, wartete und war begeistert vom Bildschirmfoto. Die Begeisterung steigerte sich noch, als ich andere Bilder auf dieselbe Art fotografierte und auf diese Weise eine formal recht konsistente Serie bekam - von zuvor völlig uneinheitlichen Vorlagen. Ganz so wie im "Snap"-Magazin, nur eben kalkulierbar. Aber vielleicht haben die ja auch so gearbeitet...

Technik-Tipps

Beim Abfotografieren von Bildern vom Monitor sind ein paar Dinge zu beachten: Arbeiten Sie möglichst im Dunkeln, um Streulicht und Reflexionen zu vermeiden. Achten Sie darauf, die Bilder in der 100-Prozent-Ansicht darzustellen und die Kamera nicht zu verkanten, denn das kann zu hässlichen Verzerrungen führen.

Besonders geeignet sind hochauflösende Monitore wie die Retina-Displays von Apple, bei weniger fein auflösenden Geräten kann es zu stärkeren Artefaktbildungen in den scharfen Bildbereichen kommen. Artefaktfrei sind Fotos von einem Ausdruck. Um hier Spiegelungen aus dem Weg zu gehen, empfiehlt sich im Vorfeld ein Druck auf mattem Papier. Damit Sie auch wirklich die beste Bildqualität erhalten, prüfen Sie, ob es entsprechende Qualitäts-Voreinstellungen in der von Ihnen bevorzugten Foto-App gibt.

Dieser Artikel stammt aus DOCMA, DocBaumanns Magazin für Bildbearbeitung 1/2014

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
Art Mooney 04.01.2014
1. Das ist doch gerade der Reiz...
Zitat von sysopChristoph KünneEs kostet viel Zeit und Mühe, Fotos aus unterschiedlichen Kameras und Belichtungssituationen nachträglich ein einheitliches Aussehen zu geben. Das Fachmagazin "Docma" hat einen Trick, der ganz ohne Photoshop auskommt. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/hipstamatic-diese-app-zaubert-aus-fotos-eine-serie-im-einheitslook-a-938962.html
Dadurch, das der Effekt eine gewisse Zufälligkeit hat, entstehen doch erst individuelle Bilder - moderne Digitalkameras würden alle das gleiche Bild machen. Darum sind Polaroid, Fotografie mit Film, Wetplate und Tintipe etc. so beliebt. Ich finde Hipstamatic toll.
funker123 04.01.2014
2. Oggl ?
Wieso abfotografieren, wieso vorher Film auswählen? Inzwischen gibt es von Hipstamatic oggl (im Appstore), hiermit kann ich die Linsen und Filme von Hipstamatic anwenden, auch der Fotoimport ist möglich. Die App ist kostenlos, Hipstamatic-Käufe können ebenfalls importiert werden. Einfach mal probieren Funker
CobCom 04.01.2014
3.
Zitat von Art MooneyDadurch, das der Effekt eine gewisse Zufälligkeit hat, entstehen doch erst individuelle Bilder - moderne Digitalkameras würden alle das gleiche Bild machen. Darum sind Polaroid, Fotografie mit Film, Wetplate und Tintipe etc. so beliebt. Ich finde Hipstamatic toll.
Das stimmt so ja nicht... ein Bild ist damals wie früher fertig, wenn es entwickelt wurde. Egal, ob im Labor, mit PS oder was auch immer. Fotografieren Sie mal unter schwierigen Bedingungen mit verschiedenen Digicams. Da sind nichtmal die RAWs ähnlich. Und was die internen Entwickler mit den Bildern anstellen, um jpegs draus zu machen, erst recht nicht. Falls man zu faul ist, selbst gezielt zu bearbeiten oder es nicht für nötig hält(das wäre aber die gleiche Klientel, die früher auch alles gefressen hat, was das Discounterlabor so aus den Bildern machte): Autofilter zum selbsttätigen Bilderver"schönern" gibt es wie Sand am Meer... von Nik bis Hipstamatic. Polaroid nehme ich mal aus, das Taschenlabor hatte seinen Reiz...
Art Mooney 04.01.2014
4. Quatsch...
Zitat von CobComDas stimmt so ja nicht... ein Bild ist damals wie früher fertig, wenn es entwickelt wurde. Egal, ob im Labor, mit PS oder was auch immer. Fotografieren Sie mal unter schwierigen Bedingungen mit verschiedenen Digicams. Da sind nichtmal die RAWs ähnlich. Und was die internen Entwickler mit den Bildern anstellen, um jpegs draus zu machen, erst recht nicht. Falls man zu faul ist, selbst gezielt zu bearbeiten oder es nicht für nötig hält(das wäre aber die gleiche Klientel, die früher auch alles gefressen hat, was das Discounterlabor so aus den Bildern machte): Autofilter zum selbsttätigen Bilderver"schönern" gibt es wie Sand am Meer... von Nik bis Hipstamatic. Polaroid nehme ich mal aus, das Taschenlabor hatte seinen Reiz...
Verschiedene Filme hatten schon immer ihre eigene Charakteristik, darum gibt es auch VSCO etc. für RAW, um solche Eigenschaften zu simulieren. Glasplatten und Tintype (Blechplatten) sowieso, versuchen Sie mal da zwei identische Ergebnisse hin zu bekommen. Und natürlich sind Roh-Raws der gängigen Kameras fast gleich, sieht man mal von den Fehlern des internen Weissabgleichs und Fehlern der Objektive ab. Schauen Sie sich Vergleichstests an. Das Raw erlaubt ja quasi, die Entwicklung des Labors erst später zu simulieren, das konnte man früher nicht. Früher war man dem Labor ausgeliefert und bekam Ergebnisse, die man nicht beeinflussen konnte.
vontruchsess 04.01.2014
5. Der Zeit hinterher!
Welcher Anfänger hat sich denn hier als Redakteur in der Rubrik Foto versucht? Hipstamatic/Oggl ist DIE Kult-Foto-App! Und Bilder gelingen nicht nur durch Zufall, sondern durch Können! Die Seite "Hipstography.com" gibt viele tolle Tipps hierzu! Und ein guter Fotograf kann mit JEDER Kamera- und sei es ein Smartphone- gute Bilder machen. Man braucht das Auge und Erfahrung- es ist ja nur ein Werkzeug! U Und
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