Hochauflösendes Fernsehen HD gibt's nur gegen Gebühr

Die Sender rüsten auf: In den kommenden Monaten soll immer mehr TV-Programme in HD-Auflösung ausgestrahlt werden. Den Anwendern nützt das aber nicht unbedingt: Um Raubkopien zu verhindern sollen die Signale nach einem neuen Standard verschlüsselt werden - den bisher kaum ein Gerät unterstützt.

Kopierschutzsystem CI-Plus: Die neue Technik soll HDTV-Sendungen künftig gegen unerlaubte Aufnahmen schützen, muss von den meisten Anwender nachgerüstet werden

Kopierschutzsystem CI-Plus: Die neue Technik soll HDTV-Sendungen künftig gegen unerlaubte Aufnahmen schützen, muss von den meisten Anwender nachgerüstet werden


Berlin - Viele Jahre Entwicklungszeit hat es gekostet, nun beginnen die ersten Probeläufe für das Fernsehen in hoher Auflösung. Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten strahlten bereits zur Leichtathletik-WM in Berlin erste Sendungen mit gestochen scharfen Bildern in HD aus. Und die Ifa in Berlin wird mit dem Satellitenbetreiber Astra einen Demo-Kanal über die Highlights der Messe in HD senden. Doch vor die schöne neue Fernsehwelt werden für den Verbraucher derzeit erst einmal Mauern hochgezogen. Die geplante Verschlüsselung von Programm-Angeboten und neue technische Standards könnten die Fernsehzuschauer schnell auf einen Hürdenlauf schicken.

Das Kürzel HDTV (High Definition Television) steht auf der IFA in Berlin für eine der großen Publikumsattraktionen und die Hoffnung der Industrie. Mit Hilfe neuer technischer Standards wollen aber zumindest die privaten Sender ihre HD-Programme nur verschlüsselt ausstrahlen. Die Sendeanstalten werden künftig darüber entscheiden, unter welchen Bedingungen der Zuschauer einen Film ansehen sowie in welcher Qualität und ob er sie aufnehmen darf.

Werden Festplattenrekorder bald überflüssig?

Voraussetzung für den Empfang der Programme in hoher Auflösung soll eine Settop-Box mit sogenannter CI-Plus-Schnittstelle sein. Über den dort integrierten Schutzmechanismus lässt sich die Kopierbarkeit einzelner Filme bestimmen. Und die Sender werden vermutlich alles dafür tun, dass ihre Werbung nicht mehr übersprungen werden kann, sagt Helmut Stein von der Deutschen TVPlattform.

Der "vermeintliche Verbraucherschreck CI Plus" (Zitat Deutsche TVPlattform) könnte damit vielen Besitzern moderner Festplatten- und Blu-ray-Rekorder einen Strich durch die Rechnung machen. Es stelle sich tatsächlich die Frage, ob Festplattenrekorder auf lange Sicht damit überflüssig werden könnten, sagt Martin Beckmann von Sharp.

Die Hollywoodstudios wollen es so

Der Kopierschutz sei allerdings die Grundvoraussetzung für die Sender gewesen, ihre Inhalte überhaupt in der hohen Qualität auszustrahlen, sagt Silke Goedereis von Astra Deutschland. Wann und ob überhaupt ein Kopierschutz zum Einsatz komme, sei aber noch längst nicht geklärt. Volker Blume von Philips erwartet, dass über CI Plus auch das für das zeitversetzte Fernsehen genutzte "time shift" vermutlich auf 90 Minuten zeitlich limitiert werden dürfte. "Vor allem die großen Hollywoodstudios sind mit ihren Lizenzvereinbarungen sehr restriktiv", erklärt Blume.

Unter den Privaten werden als erste RTL und Vox ab November ihre HD-Programme zunächst über das Satelliten-Netz von Astra ausstrahlen, später wollen ProSieben, Sat.1 und Kabel Eins folgen. Mit dem neuen Fernsehen in höherer Bildauflösung kommen für die Zuschauer aller Voraussicht nach aber auch zusätzliche Kosten ins Haus.

Speziell für die neuen HD-Kanäle hat Astra die Vertriebsplattform HD+ entwickelt, über die künftig auch Gebühren erhoben werden können.

HD wird kostenlos - im ersten Jahr

Über einen Kartenslot an der den Standard HD+ unterstützenden Settop- Box sollen die Kanäle freigeschaltet werden können. Dem Zuschauer stehe aber schließlich frei, in welcher Qualität er künftig fernsehen will, sagt Stein. "Er muss ja nicht im Sternerestaurant essen, er kann ja auch zu McDonald's gehen."

Die Fernsehsender koste der Umstieg auf HD-Fernsehen und die neuen Produktionstechniken enorme Investitionen. Allein die öffentlich-rechtlichen Sender kalkulierten bis 2012 mit Mehrkosten in Höhe von 400 Millionen Euro, sagte Goedereis. "Die Privaten müssen diese Kosten auch wieder hereinbekommen." Nach aktuellem Stand planen die Sender allerdings, die Programme zunächst für ein Jahr kostenlos auszustrahlen. Was später an monatlichen Paket-Preisen anfallen könnte, ist noch längst nicht geklärt. Das "Handelsblatt" hatte zuletzt von 4,50 Euro berichtet, die pro Monat für den Empfang eines Programmpakets fällig werden dürften.

Letztlich könne eine kostenpflichtige Ausstrahlung für die Privatsender allerdings problematisch werden, schätzt Blume. Nach einer Umfrage seien zum Beispiel 80 Prozent der Kabel-Kunden zufrieden mit dem analogen Sendesignal. Für ein kostenpflichtiges Angebot müssten die Zuschauer von einem entsprechenden Mehrwert erst einmal überzeugt werden. Auch frühere Ambitionen des Satelliten- Betreibers Astra, über die Plattform Entavio TV-Programme zu verschlüsseln und den Empfang kostenpflichtig zu machen, seien schon gescheitert. Für die neuen HD-Inhalte müssen die Verbraucher ohnehin erst ihre Receiver für CI Plus und HD+ tauglich machen oder eine neue Settop-Box kaufen. Erste entsprechende Geräte werden aller Voraussicht nach frühestens im Oktober verfügbar sein.

Renate Grimming, dpa



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