HTC 10 im Test Der Golf unter den Smartphones

Bei seinem neuen Smartphone hat HTC an nichts gespart, außer am Namen. 10 heißt das Flaggschiff schlicht. So pragmatisch wie der Titel ist auch das Gerät.

Matthias Kremp

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Für HTC ist es in den vergangenen Jahren nicht besonders gut gelaufen. Einst machte das Unternehmen Schlagzeilen, als es das G1, das erste Android-Smartphone, für T-Mobile herstellte. Später erntete HTC regelmäßig gute Kritiken für eigene Mobiltelefone wie das One M7. Geholfen hat das alles nichts, bei Smartphones sank HTCs Marktanteil von einst rund zehn auf nur noch knapp zwei Prozent.

Das neue Modell, schlicht 10 genannt, soll nun den Wiederaufstieg ermöglichen. Ich habe es ausprobiert.

Mit dem 10 führt HTC seine Tradition fort, besonders robuste Handys zu bauen. Das Chassis wird aus Aluminium gefräst, macht einen sehr soliden Eindruck. Neu ist, dass das Deckglas des Bildschirms sanft abgerundet in die Seitenwand übergeht. Das sieht elegant aus, fühlt sich angenehm an. Anders als manche Konkurrenten experimentiert HTC offenbar nicht mit neuen Antennenkonstruktionen, zwei Kunststoffstreifen auf der Rückseite dürften die Lage der Antennen anzeigen.

Das Display gefällt mir mit seiner dank Quad-HD-Auflösung sehr detailreichen und scharfen Darstellung von Schriften und Fotos. Die Farbdarstellung lässt sich an den persönlichen Geschmack anpassen. So kann man etwa die Farbtemperatur in Maßen regeln, wodurch weiße Fläche entweder bläulich oder gelblich erscheinen. Eine Funktion, die mir sehr entgegenkommt, da ich warme Farben bevorzuge.

Immer wieder Ultrapixel

Ebenso unaufdringlich wie der Bildschirm sind auch die Kameras. Die 5-Megapixel-Frontkamera zeichnet sich allerdings durch einen optischen Bildstabilisator aus, der dabei helfen soll, auch dann noch unverwackelte Selfies zu machen, wenn man vor lauter Aufregung ein wenig zittert. Die Möglichkeit, diese Selfies automatisch retuschieren zu lassen, kann mich beim 10 ebenso wenig begeistern wie bei den Produkten der Konkurrenz, zu künstlich wirken die Resultate.

Die Hauptkamera steht in der Tradition der Vorgängermodelle. Statt auf viele Pixel setzt HTC auf besonders große, die entsprechend mehr Licht einfangen können. Ultrapixel nennt der Konzern das. Herausragende Aufnahmen lassen sich damit trotzdem nicht machen. Die Bildqualität ist gut, keine Frage, doch an Samsungs Galaxy S7, das iPhone 6s Plus oder das nagelneue Huawei P9 kommt sie nicht heran.

Matthias Kremp

Störend waren in unregelmäßigen Abständen auftauchende Fehlermeldungen, die mich darauf hinwiesen, dass ich den Laser-Autofokus verdecken würde. Nicht immer konnte ich nachvollziehen, was da wohl gerade den Laser verdeckte, meine Finger jedenfalls waren es nicht. Zudem reagiert der per Finger verschiebbare Autofokus manchmal erst mit Verzögerung.

Sauschnell

Wovon nichts zu merken war, war der Prozessor. Der mit 2,2 GHz getaktete Qualcomm-Chip war von keiner Aufgabe, mit der ich ihn konfrontierte, ausgelastet. Leistungsmessprogramme attestieren ihm eine Performance im Spitzenbereich. Locker genug jedenfalls, um auch für die nächsten Jahre und die nächsten Android-Versionen noch auszureichen.

Matthias Kremp

Der Akku leidet darunter nicht sonderlich, hat das HTC 10 im Test doch problemlos normale Arbeitstage mit vielen E-Mails und Websurfen geschafft. Im Standby und bei maßvoller Nutzung am Wochenende hielt das Handy auch mal mehrere Tage ohne Steckdose durch. Im PCMark-Akku-Test kam es auf eine Ausdauer von siebeneinhalb Stunden. Das Aufladen ging dank Schnell-Ladetechnik recht flink. Nach 1,5 Stunden war der Akku wieder voll.

Besser hören

Ein nettes Extra, mit dem HTC das 10 aufwerten will, sind die Audiofunktionen. Zum einen baut der Hersteller einen recht hochwertigen Digital-Analog-Wandler ein, der auf dem Handy gespeicherte Musik in hörbare Klänge umwandelt. Außerdem liefert er auch recht gute Kopfhörer mit.

Zum anderen kann man die Tonausgabe über sogenannte Audioprofile an sein Hörvermögen anpassen. Dafür absolviert man mit den Kopfhörern einen kleinen Hörtest. Die Software passt den Klang so an, dass Unregelmäßigkeiten im eigenen Hörvermögen ausgeglichen werden. Das ist vor allem nützlich, weil man die Audioausgabe damit an unterschiedliche Kopfhörer anpassen kann.

Fazit

Das 10 ist ein solides Smartphone, nicht mehr und nicht weniger. Es kann in jeder Hinsicht überzeugen, ist schnell, robust, hat gute Kameras und eine vollständige Ausstattung an Netzwerkfunktionen eingebaut. Genau wie ein VW Golf verspricht es solide Leistung ohne Begeisterung. Grundsätzlich ist das in Ordnung. Angesichts eines empfohlenen Verkaufspreises von 699 Euro aber auch kein Schnäppchen. Zu einem ähnlichen Preis bekommt man auch ein Galaxy S7. Huaweis P9 ist zwar nicht ganz so leistungsfähig, hat dafür aber die spannendere Kamera - und ist 130 Euro billiger.

Vorteile und Nachteile

Robustes Gehäuse

Gute Verarbeitung

Sehr hohe Leistung

Gute Fotoqualität

USB-C-Anschluss

Manchmal langsame Kamera

Technische Daten

Hersteller HTC
Modell 10
Maße (Millimeter) 146 x 72 x 9
Gewicht (Gramm) 161
Display-Diagonale 5,2 Zoll
Display-Auflösung 2560 x 1440
Prozessor 2,2 GHz Quadcore
Arbeitsspeicher 4 GB
Massenspeicher 32 GB
Speichererweiterung ja
Kamera (hinten/hinten/vorne) 12 Mpx / 5 Mpx
Mobilfunktechnik LTE (bis zu 450 Mbit/s)
W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth 4.2.
Betriebssystem Android 6.0
Besonderheiten Airplay
Preis (Euro) 699,-

Alle Daten sind Herstellerangaben

Zum Autor
Jeannette Corbeau
Matthias Kremp ist Redakteur im Ressort Netzwelt, Autor der Technik-Test-Kolumne "Angefasst" und oberster Gadget-Experte bei SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Matthias_Kremp@spiegel.de

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
vogelsberg 27.04.2016
1. Golf?????
Ein Golf würde maximal 200 Euro kosten. 699 ist schon eher Mercedes. Habt Ihr das Gefühl für Preis-Leistung verloren. Bei dem Preis sinkt der Anteil auf 0%.
DenisJohnson 27.04.2016
2. Was soll eigentlich...
...dieses ständige Anpreisen von Smartphones auf der Titelseite? Wird das mit jedem Konsumobjekt so gemacht? Smartphones überschwemmen diesen Planeten, haben wir keine anderen Sorgen?
max-philipp.richter 27.04.2016
3. Kamera besser recherchieren
Die Referenz-Tester für Smartphone-Kameras dXomark.com bewerten die Kamera als die beste auf dem Markt. Hier der Artikel: http://www.dxomark.com/Mobiles/HTC-10-camera-overview-A-great-all-rounder-for-stills-and-video Die Ranking-Liste mit Platz 1 für HTC 10 gibts da auch. Besser recherchieren, immerhin ist die Reichweite Ihrer Berichterstattung ernorm und beeinflusst den Erfolg von Firmen direkt!
homann5 27.04.2016
4.
Zitat von max-philipp.richterDie Referenz-Tester für Smartphone-Kameras dXomark.com bewerten die Kamera als die beste auf dem Markt. Hier der Artikel: http://www.dxomark.com/Mobiles/HTC-10-camera-overview-A-great-all-rounder-for-stills-and-video Die Ranking-Liste mit Platz 1 für HTC 10 gibts da auch. Besser recherchieren, immerhin ist die Reichweite Ihrer Berichterstattung ernorm und beeinflusst den Erfolg von Firmen direkt!
Bei richtigen Kameras mag der DxOMark aussagekräftig sein, von Smartphones sollten die Tester lieber die Hände lassen. Die haben nämlich ganz offensichtlich überhaupt gar keine Ahnung von derartigen Geräten. Beispiel Fokus-Bewertung: Da ist von einem schnellen Scharfstellen unter nahezu allen Bedingungen die Rede, tatsächlich ist das HTC 10 trotz Laser-Fokus extrem langsam. Und schaut man sich mal Bilder an, die nicht unter guten bis sehr guten Lichtverhältnissen aufgenommen worden sind, genau das fehlt bei DxOMark, enttäuscht das Gerät auf ganzer Linie.
monolithos 27.04.2016
5. Dat wird nix
700 Puppen für ein Telefon? Uiuiui! Kann es runterfallen, ohne kaputt zu gehen? Kann man den Akku rausnehmen (nur mal so für 'nen Hardreset und weil es auf manchen Betriebsgeländen Vorschrift ist)? Nein? Kein Golf, eher Audi A2 zum Preis eines A8. Das Ding wird wohl kein Massenprodukt. Dafür fehlt der Apfel auf der Rückseite.
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