Huawei Mate 8 und Honor 5X im Test Dreimal so teuer - merkt man das?

Worauf muss man verzichten, wenn man für sein Smartphone nur ein Drittel von dem ausgibt, was Top-Geräte kosten? Wir haben das neue Honor 5X mit dem teuren Huawei Mate 8 verglichen.

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Matthias Kremp

Seit Jahren bemüht sich der chinesische Konzern Huawei, zu den Smartphone-Marktführern Samsung und Apple aufzuschließen. Binnen kurzer Zeit hat sich das Unternehmen auf den dritten Platz vorgearbeitet, 2015 verkaufte es immerhin fast halb so viele Handys wie Apple. Laut der Marktforschungsfirma IDC liegt das vor allem an der Huawei-Billiglinie Honor, die günstige Mittelklasse-Modelle im Premium-Look vermarktet.

Aber, wenn die Geräte schon vom selben Hersteller kommen, was unterscheidet eigentlich die günstigen Honor-Smartphones von den viel teureren Huawei-Modellen? Wir haben zwei Smartphones verglichen: das 600 Euro teure Huawei Mate 8 und das fast 400 Euro billigere Honor 5X.

Dass die beiden Geräte dieselbe DNA teilen, ist auf den ersten Blick zu sehen - zumindest, wenn man ihre Rückseiten betrachtet: Beide stecken in Metallgehäusen, auf denen oben und unten Plastikdeckel die Antennen abdecken. Typisch sind auch die Anordnung von Kamera und Fingerabdrucksensor und die abgewinkelte und polierte Gehäusekante.

Ähnlichkeiten erkennbar: Huawei Mate 8 (l.) und Honor 5X
Matthias Kremp

Ähnlichkeiten erkennbar: Huawei Mate 8 (l.) und Honor 5X

Zu einem Drittel des Preises bietet das Honor 5X also fast dasselbe Design - bis man es umdreht. Denn auf der Vorderseite wird der Bildschirm des Billigmodells von einer schlichten, schwarz eingefassten Glasplatte abgedeckelt. Auf dem nahezu randlosen Display des teuren Mate 8 dagegen thront ein viel dünneres Schutzglas, das an den Seiten so abgerundet ist, dass es im Rahmen zu versinken scheint. Das sieht nicht nur schicker aus, sondern bietet auch den Vorteil, dass im dünneren Glas weniger Lichtreflexe entstehen.

Die Bildschirme

Im normalen Gebrauch ist das aber auch so ziemlich der einzige Unterschied der beiden Bildschirme. Der Größenunterschied (5,5 Zoll beim Honor, 6 Zoll beim Huawei) ist kaum spürbar. Zudem haben beide Displays dieselbe Full-HD-Auflösung, zeigen also viel weniger Pixel an als die Quad-HD-Modelle von LG und Samsung. Ein Unterschied, der vielen Nutzern aber kaum auffallen wird.

Auffällig ist dagegen, wie unterschiedlich die Umgebungslichtsensoren der beiden Handys arbeiten. Beim Mate 8 ist der Effekt sofort sichtbar, wenn man die automatische Anpassung der Displayhelligkeit aktiviert. Beim Honor 5X ist nur eine sehr geringe Reduzierung der Helligkeit festzustellen. Auf Dauer kann das die Akkulaufzeit beeinflussen. Nutzern des 5X kann man deshalb nur empfehlen, die Helligkeit des Bildschirms manuell herabzuregeln.

Laufzeit und Leistung

Bei unseren Leistungsmessungen zeigt sich, wie sehr sich die beiden Geräte technisch dann doch unterscheiden. Testprogramme ermitteln für das Mate 8 doppelt so hohe Werte wie für das Honor 5X. Beim Websurfen, bei Facebook und Snapchat wird das kaum auffallen. Bei grafisch aufwendigen Spielen und rechenintensiven Apps kann es aber durchaus einen Unterschied machen.

Ähnlich sieht es bei den Akkulaufzeiten der beiden Handys aus. Im Schnitt hielt das Honor 5X rund halb so lange auf Akkustrom durch wie das Mate 8. In Dauertestmodus der Test-App Geekbench schaltete sich das Billigmodell bei voll aufgedrehter Bildschirmhelligkeit schon nach knapp vier Stunden ab, das Mate 8 hielt diesen Stresstest doppelt so lange durch.

Den USB-Anschluss des Mate 8 muss man nicht unbedingt täglich mit einem Netzteil verbinden
Matthias Kremp

Den USB-Anschluss des Mate 8 muss man nicht unbedingt täglich mit einem Netzteil verbinden

Im Alltagstest musste das Honor 5X abends stets ans Netzteil - so wie die meisten Smartphones. Beim Mate 8 konnte man das schon mal vergessen, bei maßvoller Nutzung hält es auch mal zwei Tage ohne Steckdose durch.

Enttäuschend ist, dass das Honor 5X nur die alten WLAN-Standards 802.11 b/g/n beherrscht und sich nicht mit modernen Gigabit-Drahtlosnetzen verbinden kann. Das ist ebenso wenig zeitgemäß wie die Verwendung von Android 5.1 statt des aktuellen 6.0 als Betriebssystem.

Die Kamera

Weil sie dieselbe Softwareplattform verwenden, bieten beide Kamera-Apps ähnliche Funktionen. Man kann Zeitrafferaufnahmen machen und Selfies - maßvoll - verbessern. Einen Unterschied gibt es aber doch: Während das Honor einen Modus für Lebensmittelfotos hat, bietet das Huawei verschiedene Modi, mit denen sich beispielsweise die Rücklichtspuren fahrender Autos aufnehmen oder Buchstaben aus Licht zeichnen lassen.

Im reinen Fotomodus kann man mit den Kameras beider Handys gute Bilder machen. Das Honor fokussiert schnell, macht ordentliche Schnappschüsse, mit leichtem Blaustich. Das Mate 8 dagegen gibt die Farbigkeit der Motive deutlich realistischer wieder. Zudem sind bei seinen Aufnahmen auch in dunklen Bereichen noch Details erkennbar, die beim 5X im Dunkel verschwinden.

Fazit

Dass das Honor 5X in unserem Direktvergleich den Kürzeren ziehen wird, war abzusehen. Man bekommt eben, wofür man bezahlt. Und weil das 5X nur ein Drittel von dem kostet, was für das Huawei Mate 8 fällig wird, steckt natürlich auch weniger teure, weniger leistungsfähige Hardware im Gerät. In der Praxis sind die Unterschiede zwischen den Handys aber bei Weitem nicht so groß, wie die Preisdifferenz vermuten lässt.

Das Mate 8 ist Highend, da steckt eben alles drin, was gerade gut und teuer ist. Und wie bei solchen Technologieträgern üblich, hat das seinen Preis. Das große Huawei kann mühelos mit den ähnlich teuren Top-Smartphones von Samsung, LG oder Sony mithalten. Will man für sein Smartphone aber nicht gleich 600 Euro ausgeben, ist das Honor 5X ein guter Deal - und hat das bessere Preis-Leistungsverhältnis.

Technische Daten

Hersteller Huawei Honor
Modell Mate 8 5X
Maße (Millimeter) 157 x 81 x 7,9 151 x 76 x 8,2
Gewicht 185 Gramm 158 Gramm
Sprechzeit k.A. k.A.
Standby k.A. k.A.
Display-Diagonale 6 Zoll 5,5 Zoll
Display-Auflösung 1920 x 1080 1920 x 1080
Prozessor 2,3 GHz Octacore 1,5 GHz Octacore
Arbeitsspeicher 3 GB 2 GB
Massenspeicher 32 GB 16 GB
Speichererweiterung microSD microSD
Kamera (hinten/vorne) 16 MPx / 8 MPx 13 MPx / 5 MPx
Mobilfunktechnik LTE LTE
W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac 802.11 b/g/n
Bluetooth 4.2 4.1
Betriebssystem Android 6.0 Android 5.1
Besonderheiten - -
Preis (Euro) 599 229

Alle Daten sind Herstellerangaben

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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
m_s@me.com 04.02.2016
1. Ein Eisen wie das andere - genau wie dieser
Mich langweilen die Tests, die auf die theoretische Betrachtung des Innenlebens der Hardware abzielen und dann auch noch "Design" mit "wie das Gehäuse aussieht" gleichsetzen. Das kann ich auch aus einem MediaMarkt-Katalog ableiten. Und es sagt allenfalls was über den ersten Tag nach dem Auspacken. Dass die Software sich bei den meisten Billig-Androidgeraeten nach einem Jahr nicht aktualisieren lässt, ist zwar ein Killer-Argument gegen solche Geräte, das wird aber im Test beinahe ignoriert. Kurz wird "Android 5.1" erwähnt, aber wenige werden kapieren, dass das wahrscheinlich das erste (und veraltete) sowie letzte System fuer dieses Ding sein wird.
schmidtchen123 04.02.2016
2. ...und auch locker mit Apple
Wenn man mal die Religion und die Gewohnheit außen vor lässt kann es das Mate 8 auch locker mit einem iPhone6S+ aufnehmen und ist dabei noch günstiger...(vllt die Kamera ist darin Wünschen besser...) Und kommt jetzt bitte nicht wieder mit dem Viren Mythos...
monolithos 04.02.2016
3. Beide zu teuer
Und wenn sie runterfallen, sind sie beide kaputt. Dafür sind auch 200 Euro noch zu viel Geld.
mimas101 04.02.2016
4. Hmm Tja
der Kamera-Schwäche kann man abhelfen - Open Camera nennt sich die App. Allerdings - warum soll man den Klug-Telephon-Wahn noch mitmachen? Der ist nur auf Neukauf nach 2 Jahren und einer schaltungstechnischen Schamsekunde ausgelegt. Dafür ist mir das viele Geld (460,-- bzw. 1.200 DM) schlicht zu schade. Meine Lösung: Ein Klug-Telefon von Huawei des Typs Ideos X3 und ein einfaches 20 cm-Tablett meines Providers. Machen zusammen schlanke 350,-- DM und die Kombination kann gleiches wie auch die sündhaft teuren Protzmodelle der Handyanbieter. So - und jetzt vernetzte ich mich mittels Kodi (auf dem Tablet) in meinen Heim-TV und gugge online Beat Club zur Entspannung. Den TV-Hersteller wird's nicht freuen, will er doch für Selbstverständlichkeiten gleich einen neuen TV verkaufen. Oder braucht man mehr? ;)
jayjaydabbelju 04.02.2016
5. Ein Drittel, Zwei Drittel?
Ich glaube da ist ein Fehler unterlaufen. Zu Beginn heißt es, das Verhältnis Huawei zu Honor sei 600:400 Euro. Dann wäre das Huawei aber nicht einmal doppelt so teuer, geschweige denn dreimal so teuer wie das Honor.
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