Huawei P20 Pro Mehr Kamera als Smartphone

Vier Objektive und insgesamt 92 Megapixel? Mit dieser Spitzenausstattung tritt das P20 Pro von Huawei gegen das iPhone X und Samsungs Galaxy S9 an. Hier die wichtigsten Fakten und erste Eindrücke.

Matthias Kremp

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Es gibt wohl kaum einen Smartphonehersteller, der seine Geheimnisse so schlecht hütet wie Huawei. Am Dienstagnachmittag stellte der chinesische Konzern in Paris sein neues Top-Modell und zwei Ableger davon vor. Viele Details waren freilich schon vorher bekannt geworden. Wir haben alles Wissenswerte zu den neuen Handys zusammengetragen - und auch schon ein wenig mit den Geräten herumgespielt.

Das Top-Modell der neuen Dreierriege nennt sich Huawei P20 Pro. Ein großer Sprung, nachdem das Vorgängermodell noch P10 hieß und auf das P9 gefolgt war, dessen Vorgänger wiederum P8 hieß.

Den Zahlensprung könnte Huawei mit dem stark aufgewerteten Kamerasystem des P20 Pro rechtfertigen. Statt der sonst in Oberklasse-Smartphones üblichen zwei Kameras, meist Weitwinkel und Teleobjektiv, sind in dem neuen Modell drei Kameras in die Rückseite eingelassen.

Rückseite des Huawei P20 Pro
Matthias Kremp

Rückseite des Huawei P20 Pro

Die Hauptkamera verfügt dabei über einen 40-Megapixel-Sensor. Hört sich gewaltig und sehr nach Zahlenprotzerei an, liefert letztendlich aber nur 10-Megapixel-Bilder. Denn jeweils vier der Farbpixel werden in der Kamera zu einem virtuellen, viel größeren Pixel zusammengefasst. In Kombination mit einer Blende F/1,8 soll das vor allem die Lichtempfindlichkeit der Kamera verbessern.

Das Teleobjektiv dagegen verfügt über nur acht Megapixel und Blende F/2,4. Dafür soll es, in Kombination mit der Hauptkamera, einen fünffachen Zoom - dreifach optisch plus zweifach elektronisch - ohne spürbare Qualitätseinbußen ermöglichen. Ergänzt wird das Kamera-Doppel durch den für Huawei typischen Monochrom-Sensor, hier mit 20 Megapixeln und Blende F/1,6. Beim ersten kurzen Herumprobieren mit dem P20 Pro machten diese Kameras einen guten Eindruck (siehe Bilderstrecke).

Damit nicht nur Profis, sondern auch Schnappschussfotografen mit dieser Hardware gute Bilder machen können, soll künstliche Intelligenz (KI) beim Fokussieren und Fotografieren helfen, indem sie beispielsweise Hilfslinien ins Sucherbild einblendet. Die nötigen Daten liefern unter anderem ein Laser-Fokus und ein Farbtemperatur-Sensor.

Zudem soll die KI helfen, ohne Stativ verwackelungsfreie Langzeitbelichtungen aufzunehmen, indem sie den optischen Bildstabilisator unterstützt. Bis zu acht Sekunden Belichtungszeit seien damit bei Freihandaufnahmen möglich, heißt es von Huawei. Ob das wirklich möglich ist, kann nur ein Test zeigen.

Weniger ungewöhnlich als solch extreme Langzeitbelichtungen sind mittlerweile extreme Zeitlupenaufnahmen. Das P20 Pro kann solche Aufnahmen mit 960 Bildern pro Sekunde in 720p-Auflösung machen. Samsungs Galaxy S9 und Sonys Xperia XZ Premium bieten ganz ähnliche Videomöglichkeiten, das neue Sony Xperia XZ2 kann solche Zeitlupen sogar in 1080p aufnehmen. Die Frontkamera des P20 Pro nimmt Selfies übrigens mit 24 Megapixeln auf.

Auch die übrigen technischen Daten des P20 Pro platzieren das neue Smartphone in der obersten Oberklasse:

  • So liefert sein 6,1 Zoll OLED-Bildschirm mit 2240 x 1080 Pixeln eine sehr hohe Auflösung, bei einer brillanten Farbdarstellung und guter Helligkeit.
  • Mit 7,8 Millimetern ist das vergleichsweise große Gerät sehr dünn.
  • Als Prozessor ist Huaweis eigener Kirin 970 eingebaut. Dessen Besonderheit: Neben acht Rechnerkernen verfügt er über einen von Huawei NPU (Neural Processing Unit) genannten Subprozessor, der spezielle für KI-Aufgaben entwickelt wurde.
  • Diesem Rechenwerk stehen sechs Gigabyte Arbeitsspeicher und 128 GB Massenspeicher zur Seite.
  • Netzteil oder Computer werden per USB-C an das P20 Pro angeschlossen.
  • WLAN unterstützt das Gerät bis zum Gigabit-Standard 802.11 ac,
  • das Bluetooth-Modul beherrscht die Bluetooth-Version 4.2,
  • LTE-Verbindungen werden mit bis zu 1,2 Gigabit pro Sekunde hergestellt, wenn das Mobilfunknetz dazu in der Lage ist.
  • Gegen Wasser und Staub ist es nach dem IP67-Standard geschützt, kann also bis zu einen Meter Wassertiefe standhalten.

In Deutschland soll das P20 Pro für 899 Euro in den Handel kommen.

Das P20 Pro in der Farbe Twilight
Huawei

Das P20 Pro in der Farbe Twilight

Die kleineren Modelle

Das gleichzeitig vorgestellte P20 - ohne den Zusatz "Pro" - unterscheidet sich in einigen wichtigen Details vom Pro-Modell. Vor allem fehlt ihm der 40-Megapixel-Fotosensor. Stattdessen knipsen seine beiden Kameras mit 20 Megapixeln in Schwarz-Weiß und mit zwölf Megapixeln in Farbe. Zudem ist der Arbeitsspeicher mit vier Gigabyte etwas kleiner. Das gilt auch für den Bildschirm, der 5,8 Zoll Diagonale aufweist. Dafür ist es 250 Euro billiger als das P20 Pro, kostet also 649 Euro.

Noch günstiger ist das P20 Lite, das einige Onlinehändler schon seit ein paar Tagen anbieten. Sein Preis liegt bei 369 Euro. Die Ausstattung ist gegenüber den anderen beiden Modellen nochmals abgespeckt. So bekommt dieses Modell einen langsameren Prozessor, hat nur halb so viel Massenspeicher, also 64 GB, sowie eine einzelne 16-Megapixel-Farbkamera, die von einem 2-Megapixel-Tiefensensor unterstützt wird. Die Selfie-Kamera hat wiederum 16 Megapixel. Der Bildschirm ist 5,8 Zoll groß. Anders als bei den teureren Geräten ist der Speicher hier per microSD-Karte erweiterbar und das Lite-Modell hat einen analogen Kopfhöreranschluss.

Die Modelle P20 Pro und P20 werden mit dem aktuellen Android 8.1 ausgeliefert, das P20 Lite hingegen mit dem älteren Android 8.0.



insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
frankie2017 27.03.2018
1. Speichererweiterung
Wenn ich richtig lese, gibt es für die beiden besseren Geräte keine Speichererweiterung. Was ist mit austauschbarem Akku? Ist der auch wieder fest verklebt? Dann gibt es schon 2 Gründe, mir das Teil nicht zu kaufen.
dj_mirroruser 27.03.2018
2. Hört sich interessant an, aber ...
Nachteile: - kein Dual-SIM/SIM + µSD-Karten Slot mehr - fester Akku - zu dünn (extrem anfällig für Schäden beim versehentlichen Fallen) Bzgl. der 40 Megapixel. In allen Sensoren kann jeweils nur eine Farbe detektiert werden. Mittels Rechenpower werden die Farben von den benachbarten Sensoren genutzt um damit den Pixel zu berechnen. Es gibt zwar andere Möglichkeiten wie z.B. der Foveon X3 (von Sigma), der pro Pixel direkt alle Farben detektieren kann oder Wabenförmig (ich glaube es war Fuji), aber die 40 Megapixel sind "echt". Was bleibt sind die Probleme der CMOS-Detektoren. Es erscheinen Moiré-Effekte bei Gitterstrukturen. Aber die Zusammenfassung von 4 Pixel zu 1 Pixel ist interessant. Dadurch werden die Bilder kleiner und sofort schärfer. Speicherplatz wird dadurch ebenfalls gespart.
Knack5401 27.03.2018
3. Sowas
braucht kein Mensch. Auch nicht für den Preis. Es hat sich ausgeboomt in der Branche.
Blindedbyflash 27.03.2018
4. seh ich auch so , ABER
Zitat von frankie2017Wenn ich richtig lese, gibt es für die beiden besseren Geräte keine Speichererweiterung. Was ist mit austauschbarem Akku? Ist der auch wieder fest verklebt? Dann gibt es schon 2 Gründe, mir das Teil nicht zu kaufen.
das liegt vermutlich am wasserdicht sein, das die teuren modelle aufweisen. muss man sich halt entscheiden.
Blindedbyflash 27.03.2018
5. och.. also ich
Zitat von Knack5401braucht kein Mensch. Auch nicht für den Preis. Es hat sich ausgeboomt in der Branche.
kann sowas schon brauchen. ich bin fotograf und bin immer froh wenn ich irgendwo was sehe und keine kamera dabei hab.
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