iBook-Store Apple liefert E-Books mit Kopierschutz aus

Das Apple-Kopierschutzpaket Fairplay erlebt ein Comeback: Viele Verlage bestehen darauf, dass ihre Waren über den iBook-Store nur mit einem Rechtemanagement verbunden ausgeliefert werden. Die Musikindustrie hat das derweil als Fehler erkannt und sich längst vom unbeliebten DRM verabschiedet.

Neues Medium, alte Denke: DRM-Systeme sind wie Vorhängeschlösser für Daten
ddp

Neues Medium, alte Denke: DRM-Systeme sind wie Vorhängeschlösser für Daten


Die meisten Verlage, die ihre Bücher ab März über Apples iBook-Store anbieten werden, bestehen offenbar auf Kopierschutzmechanismen. Apple, berichtet die "Los Angeles Times", plane deshalb, das als Musik-Kopierschutz bekannt gewordene Fairplay einzusetzen.

Kopierschutzmaßnahmen beim Vertrieb von digitalen Waren sind alles andere als populär. Die meist euphemistisch mit Bezeichnungen wie Digitales Rechtemanagement (DRM, kurz für Digital Rights Management) oder bei Apple eben Fairplay benannten Programme verfolgen den Zweck, die Nutzung der Datei, vor allem aber ihr Kopieren und ihre Weitergabe, so weit wie irgend möglich einzuschränken. Die Grenzen des Möglichen werden dabei durch die Akzeptanz beim Kunden definiert: Gern ging man in den Anfangstagen der DRM-Technik so weit, bis der Kunde laut schrie oder nach Umtausch verlangte, wenn er seine Dateien beispielsweise schon nach einer System-Neuinstallation nicht mehr abspielen durfte.

Denn der gemeine Kunde hasst das DRM aus sehr gutem Grunde: DRM-Pakete binden die Nutzung einer gekauften Datei meist an bestimmte Geräte, machen eine Ware dadurch höchst unflexibel. Mitunter verhindern sie die Nutzung komplett, wenn der Kunde etwa ältere Gerätschaften einsetzt. Regelrecht zum Hassobjekt wurden DRM-Maßnahmen vor allem im CD-Vertrieb: Hier sorgten die Programme regelmäßig dafür, dass sich eine legal gekaufte CD beispielsweise im Auto- oder mobilen CD-Player nicht nutzen ließ. Die Kundschaft fühlte sich betrogen, DRM gilt als einer der Faktoren, die beschleunigend zum Niedergang der CD beitrugen.

Niemand will gefesselte Ware

Das restriktive Rechtemanagement behinderte lange Zeit auch den Erfolg von digitalen Downloads: Seit sich fast alle Musikfirmen vom DRM verabschiedet haben, sinkt die Zahl der online verkauften Musiktitel nicht etwa, sondern steigt steiler als je zuvor. Erst der Verzicht auf DRM verhalf dem digitalen Musikmarkt zu einem ersten Höhenflug. In der Musikbranche wird der DRM-Einsatz heute deshalb gemeinhin als Fehler gesehen, der Verkäufe verhinderte, statt Urheberrechte zu schützen und Raubkopien zu verhindern.

Apples iTunes-Store war 2009 einer der letzten Onlineshops, der sich bei Musik von DRM verabschiedete. Apples Fairplay-Technik hat seitdem jedoch noch keinen Staub angesetzt, wird bei Waren wie Hörbüchern und Videos weiter eingesetzt. Und jetzt eben auch bei Büchern: Die zur Ankündigung des iBook-Store als Partner genannten US-Großverlage bestehen offenbar auf den digitalen Fesseln, die die Bücher dann wohl an Apples Geräte binden werden - eine Strategie, die schon dem iPod, eigentlich einem Spätstarter auf dem MP3-Player-Markt, zum Erfolg verhalf.

So könnte auch Apples iPad durchaus von den DRM-Knebeln profitieren, doch wahrscheinlich ist das heute nicht mehr: Je mehr offene Formate eingesetzt werden, die eine Nutzung von Waren über verschiedene technische Plattformen hinweg möglich machen, desto attraktiver wird ein Gerät und auch eine digitale Ware heute wahrgenommen.

Auch Apple selbst vertritt grundsätzlich die Position, dass DRM-freier Verkauf aussichtsreicher ist als der mit digitaler Fessel. Verlage, denen das klar ist, verhandeln entsprechende Verträge mit Apple: So wird etwa der Tech-Buch-Spezialist O'Reilly seine Bücher kaum mit Fairplay ausliefern lassen, mutmaßt die "LA Times" - der Verlag halte DRM-Maßnahmen für wirtschaftlich kontraproduktiv. Im Apple-eigenen Buchshop dürfte es also von Anfang an ein Nebeneinander von frei und eingeschränkt nutzbarer Ware geben.

Im Endeffekt ein interessantes Experiment, das durch den Vergleich mit dem stofflichen Buchmarkt die vom Kauf abschreckende Wirkung des DRM messbar machen mag: Ein DRM-geschütztes Werk könnte sich weniger oft verkaufen, als es der Erfolg der Printausgabe nahelegen würde. Im Musikmarkt hat DRM jedenfalls erfolgreich dazu beigetragen, Bestseller zu verhindern.

pat

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insgesamt 14 Beiträge
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Syrus 16.02.2010
1. Ich mag E-Books
Aber ich kaufe keine E-Books mit DRM. In Papierform kaufe ich nur Fachliteratur, wenn es nicht anders geht. Romane kaufe ich schon länger nicht mehr gedruckt. Wenn ein Verlag ein E-Book nur mit DRM auf den Markt bringt, muss er - zumindest bei Belletristik - auf mich als Kunden verzichten.
Simineon 16.02.2010
2. ePub ohne DRM
Meine Hoffnung liegt darin begründet das ePub-Format auch ohne DRM nutzen zu können. Es gibt genug ePub-Shops ohne DRM, so dass ich dann auf den iBook-Store verzichten kann.
tetaro 16.02.2010
3. iPad und lesen?
Hat denn das iPad ein ePaper Display? Wenn nein, warum sollte man darauf Bücher lesen wollen?
Zylex 16.02.2010
4. Für Applenutzer genau das Richtige!
Die lassen sich ja gerne alles vorschreiben und verteidigen die faschistoiden Geschäftspraktiken von Apple auch immer wieder gerne fanatisch. Auch wenn Apple hier (angeblich) keine Schuld trifft, macht Apple ja genau das selbe mit ihrer Software. Das Iphone zb wird erst benutzbar, wenn man es verbotenerweise mit 3.Herstellersoftware aus dem Apple-bevormundungs-gefängnis befreit (Jailbreak).
box 16.02.2010
5. Schutzlos unterwegs?
Zitat von ZylexDie lassen sich ja gerne alles vorschreiben und verteidigen die faschistoiden Geschäftspraktiken von Apple auch immer wieder gerne fanatisch. Auch wenn Apple hier (angeblich) keine Schuld trifft, macht Apple ja genau das selbe mit ihrer Software. Das Iphone zb wird erst benutzbar, wenn man es verbotenerweise mit 3.Herstellersoftware aus dem Apple-bevormundungs-gefängnis befreit (Jailbreak).
Hey, danke für den Hinweis. Das mir das in den 1 1/2 Jahren noch nicht aufgefallen ist, dass ich mein Eifon gar nicht benutzen kann… also sowas! (Aber das ist eigentlich OT. Man kann ja keinen Apfelpfannkuchen mehr braten, ohne dass eine Keilerei zwischen Apple-Hassern und Fanboys ausbricht.) Ich glaube, man kann Books, Videos und Musik nicht direkt vergleichen. Ein Buch hat (nach Vorstellung der Verlage) den gleichen Wert wie eine CD, ist aber in zwei Sekunden geladen. Ein ganzes CD-Album via Filesharing zu saugen, ist zwar technisch kein Problem, aber doch im Vergleich zu iTunes oder Amazon unbequem. Irgendwann hat man keine Zeit mehr für den Nerv und bezahlt lieber. Ein Buch dagegen hab ich ja mit einem Fingerschnippen auf meinem Rechner! Da habe ich schon ein gewisses Verständnis, wenn Verlage ihr geistiges Eigentum schützen wollen. Natürlich sollte klar sein, dass ein solches "verkrüppeltes" Buch nur einen Bruchteil eines gedruckten Buches kosten sollte. Zumindest ist es den Verbrauchern klar, ob es auch den Anbietern klar ist, wird sich zeigen. Im Moment scheint ja die Denke in die falsche Richtung zu gehen.
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