Neue Koch-Technologie Hier kocht der Fisch im Eis

Der Küchenspezialist Miele präsentiert auf der Ifa einen sogenannten Dialoggarer. In den Dialog treten aber nicht Herd und Bediener, sondern Essen und Gerät. Klingt ungewöhnlich? Ist es auch. Und teuer.

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Aus Berlin berichtet


Das Kalbsfilet, das die Köche von Miele am Dienstagabend zubereitet hatten, gelingt in meinem Ofen so nicht: Außen waren zwei, drei Millimeter durchgebacken, darunter war es bis zum Kern gleichmäßig und rosig gegart.

Auf der Abendveranstaltung im Vorfeld der Ifa wollte der Elektrogerätehersteller auch keinen Backofen vorstellen, sondern eine ganz neue Gerätekategorie. Bei Miele nennt man sie Dialoggarer.

Der Name ist verwirrend und führt auf eine falsche Fährte. Denn mit Dialog ist hier nicht der Dialog des Geräts mit dem Anwender gemeint, sondern ein Dialog mit den Speisen.

Genau das ist angeblich das Neue an dem Gerät, das von außen wie ein Backofen wirkt: Es kann erkennen, wie viel Energie - und damit Wärme - das Essen in seinem Garraum bereits aufgenommen hat. So lässt sich je nach Lebensmittel punktgenau steuern, wie viel Energie noch nötig ist, bis das Essen fertig ist.

Das Innere des Geräts wird bei dem Prozess nicht warm. So gelingt bei der Vorführung auch die Zubereitung eines Stücks Fisch, das im Inneren einer aus dickem Eis gebauten Box gegart wird. Anders als in Mikrowelle oder Backofen schmilzt das Eis dabei nicht.

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Ifa 2017: Das ist der neue Dialoggarer von Miele

Kochen mit Antennen

Möglich wird der Showeffekt durch eine Technologie, die Miele "M Chef" nennt: An der Oberseite des Garraums stecken zwei Antennen, die beim Kochen elektromagnetische Wellen an das Gargut abgeben. Gleichzeitig messen dieselben Antennen, wie viel der von ihnen abgegebenen Energie durch Reflektionen zu ihnen zurückkommt, also nicht in Wärme umgewandelt wurde.

Aus der Differenz zwischen abgegebener und zurückgestrahlter Energie lässt sich errechnen, wie viel Energie die Speisen aufgenommen haben - und wie viel sie noch brauchen, um gar zu werden. So kann das Gerät seine Leistung anpassen, etwa wenn sich die Energieaufnahme des Essens durch den Garprozess verändert. Damit kann das Gerät sogar verschiedene Speisen unterschiedlicher Konsistenz gleichzeitig und doch alle Komponenten auf den Punkt garen.

Als Beispiel wurde ein Gericht aus Kalbsfilet, Pilzen, Tomaten und Zucchini in weniger als einer halben Stunde zubereitet. Das Fleisch war zart, die Zucchini knackig.

Die Wände müssen dick sein

Die Methode erinnert an Mikrowellen, arbeitet aber anders. Die elektromagnetischen Wellen, die Miele zum Kochen verwendet, liegen im Bereich um 900 Megahertz. Deshalb muss der Garraum auch besonders gut abgeschirmt sein. Sonst könnte es Ärger geben, denn diese Frequenzen liegen genau in dem Bereich, den das sogenannte E-Mobilfunknetz verwendet. Würden die von dem Miele-Gerät genutzten Wellen nach außen dringen, könnten beispielsweise Mobiltelefone gestört werden.

Die gewählte Frequenz sei wichtig und richtig, erklärt Unternehmer Markus Miele, sie habe große Vorteile gegenüber dem viel kurzwelligeren Spektrum, das Mikrowellen verwenden. Der Grund: Elektromagnetische Wellen verlieren umso schneller Energie, je kürzer ihre Wellenlänge ist. Deshalb können Mikrowellen, die im Bereich von 2,4 Gigahertz arbeiten, nicht sehr tief in Speisen eindringen. Das Essen wird außen heiß und bleibt innen kalt.

Die langwelligeren Strahlen des Dialoggarers dagegen würden viel tiefer in Fleisch, Gemüse oder Teig eindringen können, ohne substanziell an Energie zu verlieren, sagt Markus Miele.

Besser Kochen für Besserverdienende

Das hört sich alles sehr technisch an, doch der Dialoggarer ist nicht nur ein Werk von Ingenieuren. Mindestens ebenso wichtig ist hier die Arbeit von Software-Entwicklern und Testköchen. Mit der neuen Technik wagt sich der deutsche Konzern auf unbekanntes Terrain, denn ohne Erfahrungswerte lässt sich nicht sagen, wie lange und mit welchen Einstellungen man etwas so Simples wie eine Kartoffel in dem Gerät erwärmen muss, um sie zu kochen.

Seit Jahren arbeiten Ökotrophologen mit an dem Projekt. Im Grunde wird hier Grundlagenforschung für die neue Kochtechnik betrieben.

Die Ergebnisse, das zeigte der Abend in Berlin, können durchaus beeindruckend sein. Doch bevor man mit einem Dialoggarer einen perfekten Käsekuchen hinbekommt, wird man einige Testläufe starten müssen. 110 fertige Rezepte sind in die Geräte derzeit eingespeichert, bis zur Auslieferung im zweiten Quartal 2018 dürften noch einige hinzukommen. Später soll man weitere per App hinzufügen können.

Trotzdem dürfte es eine Herausforderung sein, die Dialoggarer in die Küchen der Kunden zu kriegen. Zum einen, weil viel erklärt werden muss, um einem potenziellen Käufer klarzumachen, welchen Mehrwert das Gerät bietet. Zum anderen wegen dem von Miele vorgegebenen Preis: Das erste Modell soll rund 8000 Euro kosten. Dafür kann man das Gerät dann aber nicht nur als Dialoggarer, sondern auch als ganz schlichten Backofen verwenden - beide Technologien sind eingebaut.



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Seite 1
weltgedanke 30.08.2017
1.
Ok, auf einer Messe geht es vielleicht etwas hektisch zu, aber den Artikel hätten Sie vielleicht besser nochmal gegengelesen oder gegenlesen lassen. Da wimmelt es ja nur so vor Rechtschreib- und Kommafehlern.
hup 30.08.2017
2. Das Ding macht das was man beim Handy gerne vermeidet
Während man beim Handy den SAR-Wert (also die vom Kopf / Gewebe absorbierte Energie) möglichst gering hält macht der Backofen das genaue Gegenteil, er eine "D-Netz-Mikrowelle" die das Essen explizit grillt. Das dürfte trotz Abschirmung der absolute Alptraum eines jeden "Strahlensensiblen" sein, denn trotz Abschirmung strahlt das Ding intern vermutlich um Faktoren stärker als jede Basisstation - und kein Sensibler glaubt dass die abschirmung 100%ig ist. Weiss der Strahlensensible, dass jemand im Haus so ein Ding hat, dann ist der in Zukunft für jedes Zipperlein verantwortlich dass den sensiblen befällt... Auf der anderen Seite ist die HiTech-Mikrowelle auch für Paranoide gut geeignet - nicht zum Kochen, sondern um das Handy hineinzulegen da es hier den Besitzer wegen der guten Abschirmung nicht ausspionieren kann, selbst wenn es ausgeschaltete ist, versteht sich. Ob damit aber jemand kochen wird? Ein Automat der immer alles richtig macht degradiert den Künstler-Koch zum Maschinenbediener und Knöpfedrücker - wenn jeder Idiot damit besser kochen kann als ein Chef, was ist dann der Chef? Richtig. Wer bleibt als Zielgruppe? Technikaffine Hipster mit zuviel Geld, die ansonsten nicht mal Wasser kochen können und ein Add-on zu ihrem (natürlich nur Original!) Thermomix suchen.
Knossos 30.08.2017
3. Wer die Wahl hat
Nach dem Vorbehalte gegen Mikrowelle aus der Welt zu sein scheinen (angebliches Nachstrahlen / Zerstörung von Nährstoffen), klingt diese Neuerung von Miele doch interessant. Evtl. interessant genug, um Kunden mit Gasanschluß und gehobenem Budget darüber ins Hadern kommen zu lassen, ob man sich für solchen Betrag einen jener wunderbaren gußeisernen Herde zulegt, die einmal auf 500° aufgeheizt ausgeschaltet werden können, um nach 4-5 Stunden Nachhitze einen knusprig gebratenen Vogel hervorzubringen, dessen Fleisch vom Knochen fällt, oder statt dessen besagte Neuerung deren Kapazität, verschiedenste Backware zugleich auf den Punkt zu garen auch nicht unattraktiv scheint.
ohjeee 30.08.2017
4.
---Zitat von Artikel--- Trotzdem dürfte es eine Herausforderung sein, die Dialoggarer in die Küchen der Kunden zu kriegen. Zum einen, weil viel erklärt werden muss, um einem potenziellen Käufer klarzumachen, welchen Mehrwert das Gerät bietet. ---Zitatende--- Wenn ich das recht verstanden habe, ist der Mehrwert des Gerätes perfekt gegarte Nahrungsmittel, egal ob Gemüse oder Fleisch, ohne selbst darauf achten zu müssen, dass nichts verbrennt,... Nichts für meinen Geldbeutel (Technische Neuerungen sind leider anfangs immer recht teuer), aber mit für besser verdienende bestimmt eine Interessante Option.
quark2@mailinator.com 30.08.2017
5.
Mal ne Frage ... läuft das bei Miele dann so wie bei der Konkurenz ? Da gibt es zunehmend diese Dinger, die nur über das Internet funktionieren und wo man sein Gerät nur betreiben kann, wenn man seine Einstellungen dann mit anderen teilt, d.h. das Gerät telefoniert bei jedem Kochen nachhause und publiziert, wann man was kocht. Ich finde das unmöglich und kaufe daher diese Geräte nicht. Wenn da mal das Internet weg ist, kann man gar nicht mehr kochen, was gleich den 2. Minuspunkt gibt. Der Artikel könnte auch gern erklären, wieso das Eis nicht schmilzt. Wie sorgt man dafür, daß das Gerät weiß, welcher Bereich kalt bleiben soll, wo die Zucchini sind und wo der Fisch ist ? "Dialoggarer" ist mal wieder so ein elendes Wort das nur so nach Werbeagentur riecht. Ich mag sowas künstlich Aufgesetztes gar nicht. Auf Englisch wird das dann "smart oven" ;-) ...
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