Hightech-Messe Ifa in Berlin Liebe Leserin, lieber Leser,

Von


die Sommerpause ist vorbei. Monatelang hat sich die Technikbranche abgeschottet und an neuen Produkten gearbeitet. Jetzt gibt es die erste Gelegenheit, sich anzuschauen, womit uns die Unternehmen im Herbst und Winter verführen, uns das Geld aus der Tasche locken wollen: Am Freitag beginnt in Berlin die IFA. Für mich fängt sie allerdings schon am Mittwochmorgen mit den ersten Pressekonferenzen an.

Ifa-Besucher mit VR-Brille (Archivbild)
TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Ifa-Besucher mit VR-Brille (Archivbild)

Von da an werden mein Kollege Patrick Beuth und ich in Berlin unterwegs sein, um zu berichten, was es auf der Messe zu sehen gibt. Seit Jahren wird auf dem Messegelände am Funkturm Unterhaltungs- und Gebrauchselektronik im weitesten Sinne präsentiert. Den Anfang machen am Mittwochmorgen traditionell Siemens, Bosch und Miele mit Haushaltsgeräten, Spülmaschinen, Kochgeräten. Vergangenes Jahr war Mieles Hightech-Backofen "Dialoggarer" der Star der Show.

Danach geht es richtig los. Vom PC-Hersteller Acer über den Reinigungsexperten Kärcher bis zum Elektronikkonzern Samsung werden alle, die in der Branche wichtig sind - oder hoffen, es einmal zu sein - ihre Neuheiten vorstellen. Bei Fernsehern wird es in diesem Jahr vor allem um die nächste Technikstufe gehen: 8K. Mit 16 Mal mehr Pixeln als das aktuelle Full-HD-TV wollen die Hersteller eine nochmals verbesserte Bildqualität liefern, hoffen auf einen neuen Schub bei TV-Verkäufen. Bisher ist das freilich Zukunftsmusik. 8K-Filme sind ungefähr so rar wie Lottogewinne.

Ein Riesenthema wird das Smart Home sein, die Vernetzung des Hauses von der Türklingel bis zur Nachttischlampe also. Und natürlich wird es jede Menge neuer Gadgets zu sehen geben, neue Smartphones, neue Roboter, neue Musikanlagen. Spannend dürften auch die diesjährigen Keynotes werden, die Vorträge, bei denen Firmenchefs und Forscher ihre Zukunftsvisionen teilen.

Fotostrecke

11  Bilder
Vom UKW-Radio bis zum 4K-Fernseher: Die Geschichte der Ifa in Bildern

Am Freitag sprechen nacheinander die CEOs von LG und Huawei sowie Microsoft-Manager Nick Parker über künstliche Intelligenz und Cloud-Computing. Interessant wird am Samstagvormittag der Vortrag von Daniel Rausch, der bei Amazon für Smart-Home-Technik, also auch die Echo-Lautsprecher, zuständig ist. Er wird erklären, wie Amazon sprachbasierte Computertechnik in immer mehr Lebensbereiche einführen will.

Wir werden natürlich von all dem berichten. Ab Mittwoch, mit News und ersten Testberichten neuer Gadgets, direkt vom Messegelände. Wir freuen uns drauf.

Sie mögen Netzwelt-Themen? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter.

Startmenü ist kostenlos und landet jeden Montag gegen 16 Uhr in Ihrem Postfach.

Mein Gadget der Woche: Garmin InReach

Erinnern Sie sich an das Iridium-Satellitennetzwerk? Ende der Neunzigerjahre war es mit dem Ziel gestartet, zwei Millionen Nutzer für den Dienst zu gewinnen, der Mobiltelefonate von überall aus ermöglichen sollte. Also auch in entlegenen Regionen, in denen es kein Mobilfunknetz gibt. Aber mit Gesprächsgebühren von fast zehn Dollar pro Minute konnten sich am Ende nur ein paar Zehntausend zahlende Nutzer anfreunden. Die Betreibergesellschaft ging pleite, eine neue wurde gegründet.

Zum Glück, muss ich heute sagen. In den letzten Wochen hat mir Iridium einen ruhigen Schlaf ermöglicht. Eine meiner Töchter hatte sich auf eine lange Wanderung durch den Sarek-Nationalpark in Lappland aufgemacht. Dort gibt es zwar reißende Flüsse, Bären, Luchse und Polarfüchse, aber kein Mobilfunknetz. Die einzige Möglichkeit, Kontakt zu halten, war Satellitenfunk. Und den hatte meine Tochter in Form eines sogenannten InReach-Geräts von Garmin im Gepäck.

Matthias Kremp

Im Grunde ist das ein GPS-Empfänger mit Iridium-Satellitentelefon. Viel kann das Ding nicht, aber jeden Abend bekam ich von diesem Gerät eine Positionsmeldung, die mir zeigte, wo meine Tochter ihr Zelt aufgeschlagen hatte. Und wenn es tatsächlich einen Grund gegeben hätte, hätte sie per Knopfdruck eine SOS-Meldung mit ihrer aktuellen Position an eine Notrufzentrale absetzen können.

Das war beruhigend, für uns beide, nur leider nicht ganz billig. Zum Glück konnten wir das Gerät von einem Freund leihen und den Satellitendienst für nur einen Monat buchen. So blieben die Kosten überschaubar. Mein Schlaf ist mir das wert.

Seltsame Digitalwelt: Telefonzellen ohne Telefon

Ich war kürzlich in Stockholm und habe eine Schärentour gemacht. Schären, so nennt man von den Gletschern der Eiszeiten glattgeschliffene Felseninseln vor der Küste. Die wohl bekannteste ist Växon mit dem Hauptort Vaxholm - und natürlich landete ich auch da. Beim Spaziergang durch die kleinen Straßen fiel mir eine Telefonzelle auf. So etwas ist man ja heutzutage nicht mehr gewöhnt, also schaute ich mir das seltene Ding etwas genauer an und fand - kein Telefon.

Matthias Kremp

Kein Telefon und doch steht groß "Telefon" darauf geschrieben? Was soll das? Ein Blick in die Ecke der Zelle brachte Klarheit: In dieser Telefonzelle war die Gegenwart angekommen. Weil heute sowieso jeder mit Smartphone oder Handy durch die Gegend geht, hatte man statt eines Telefons eine Steckdose und zwei USB-Buchsen eingebaut. Genau das also, was man als Tourist braucht, wenn der Handyakku nach 1000 Urlaubsfotos langsam schlappmacht. Sogar an ein paar Plastikstühle hatte man gedacht, auf denen man die Wartezeit beim Aufladen verbringen kann.

Nur an ein Kabel muss man dann noch selbst denken.


App der Woche: "Slime's Dream"
getestet von Tobias Kirchner

Guillermo Siesto

Slime's Dream ist ein perfektes Beispiel für ein Spiel mit simplen Konzept und herausforderndem Schwierigkeitsgrad. Im Mittelpunkt steht Titelheld Slime, der zum Springen gebracht werden kann, indem man den Bildschirm berührt. Der Spieler muss dabei den richtigen Zeitpunkt erwischen, um tödlichen Hindernissen auszuweichen und den Weg nach oben zu schaffen. Für Motivation sorgt die Jagd nach dem nächsten Punkterekord und neuen Gegenständen. Außerdem hat Slime's Dream eine liebevolle Achtzigerjahre-Optik, die stark an Arcade-Spiele aus dieser Epoche erinnert.

Kostenlose Version mit Werbung, werbefreie Variante für 1,99 Euro, ohne In-App-Käufe, von Guillermo Siesto: Android


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "… Four visions of what the Bay Area could look like in 2070 …" (engl., drei Leseminuten)
    Eine unter anderem von Mark Zuckerberg unterstützte gemeinnützige Initiative hat vier Szenarien für die weitere Entwicklung von San Francisco und der Umgebung entwickelt. Drei davon sind trostlos, aber alles andere als unwahrscheinlich. CNBC fasst sie zusammen.
  • "How the U.S. has failed to protect the 2018 Election - and Four Ways to protect 2020" (engl., vier Leseminuten)
    Facebooks scheidender Sicherheitschef Alex Stamos kritisiert im angesehenen Lawfare-Blog die US-Regierung für ihre schwache Antwort auf die Versuche anderer Nationen, Wahlen in den USA zu manipulieren. Wenn das so weitergehe, würden die nächsten Abstimmungen im Land "zur Weltmeisterschaft in Informationskrieg". Stamos nennt vier Schritte, um zumindest die nächsten Präsidentschaftswahlen abzusichern.
  • "Fighting the vanilla thieves of Madagascar" (engl., zehn Leseminuten)
    So allgegenwärtig das Aroma von Vanille in Kuchen, Keksen und Eiscreme sein mag, der echte Stoff wird dafür nur selten verarbeitet, aus gutem Grund: Echte Vanille wird zu Preisen gehandelt, die man sonst nur von Edelmetallen und Drogen kennt. Wer die wertvollen Pflanzen auf Madagaskar züchtet, muss sich deshalb ständig und mit ausgeklügelten Methoden gegen Erntediebe zur Wehr setzen.

Ich wünsche Ihnen eine aufregende Woche, Ihr

Matthias Kremp

Mehr zum Thema
Newsletter
Startmenü - der Netzwelt-Newsletter


insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
joe_ 27.08.2018
1. Endlich neue Gadgets...
...und endlich wieder Gelegenheit, alten Elektronikschrott durch neuen Elektronikschrott auszutauschen. Die Müllberge freuen sich schon wieder.
echoanswer 28.08.2018
2. Was ist denn nun neu?
Die Erfahrungen des Autors mit seiner Tochter auf Wanderschaft?
fräulein_w_aus_d 29.08.2018
3. Entwicklung um ihrer selbst Willen
Es wird immer deutlicher, dass die technische Entwicklung im Moment eher eine Entwicklung um ihrer selbst Willen ist. Das Hauptaugenmerk der Investoren wird dann wohl auch von diesem Hightech-Markt weg gehen hin zu dem Markt, wo es um praktische Lösungen für echte Probleme geht: Umwelt, Nahrung, Frieden, Wanderungsbewegungen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.