Neues für Windows 10 Das bringt Microsofts Herbst-Update

Microsoft verpasst Windows die nächste große Aktualisierung. Auf der Ifa in Berlin erzählt Konzernmanager Terry Myerson, was die Nutzer erwartet.

Microsofts Windows-Chef Terry Myerson
REUTERS

Microsofts Windows-Chef Terry Myerson

Aus Berlin berichtet


Für Windows-Nutzer steht bald das nächste große Update an. Auf der Ifa in Berlin kündigte Terry Myerson, bei Microsoft für Windows und Hardware verantwortlich, den Termin für die Veröffentlichung des sogenannten Fall Creators Update an. Die neue Software soll demnach ab dem 17. Oktober verfügbar sein. Der Konzern liegt damit ein paar Wochen hinter seinem bisherigen Rhythmus, der alle sechs Monate ein großes Windows-Update vorsah.

Der Grund für die Verzögerung könnte eines der spannendsten Features der neuen Software sein: Mixed Reality. So bezeichnet Microsoft seine auf der teuren HoloLens basierende Virtual-Reality-Technologie (VR). Mit dem Fall Creators Update erweitert Microsoft sein Windows 10 nun um Funktionen, die es PC-Herstellern ermöglichen, günstige VR-Brillen herzustellen.

Das führt zu einigen neuen Produkten, die deutlich günstiger sind als etwa die HoloLens: Während sie derzeit 3300 Euro kostet, werden die neuen Brillen für Windows-10-PC schon ab 300 Dollar zu bekommen sein. Zudem braucht man, anders als etwa bei der Oculus Rift und der HTC Vive, nicht unbedingt einen High-End-PC, um sie nutzen zu können. Ein günstiger Mittelklasserechner, auf dem Windows 10 mit dem Fall Creators Update läuft, soll ausreichen, verspricht Microsoft.

Mixed-Reality-Brillen
SPIEGEL ONLINE

Mixed-Reality-Brillen

An den entsprechenden Brillen und Computern arbeiten etliche Firmen und das schon seit einiger Zeit. Jetzt sollen die Geräte zeitgleich mit dem Windows-Update auf den Markt kommen. Genau das könnte der Grund für die Verzögerung beim Update sein: Die Produktionspläne von fünf Hardwareherstellern und Microsoft zu synchronisieren, dürfte keine leichte Aufgabe sein.

Die fünf Computerbrillen, die zum Start verfügbar sein sollen, kommen von HP, Lenovo, Dell, Acer und Asus. Sie sollen den Umgang mit der virtuellen Realität zu Hause einfacher machen als die bisher verfügbaren Geräte. Einer der Gründe dafür ist, dass sie ohne externe Sensoren funktionieren, wie man sie etwa bei einer HTC Vive im Raum platzieren muss. Stattdessen sind in die Headsets Kameras integriert, die es dem System ermöglichen, die Grenzen der realen Umwelt zu erfassen.

Spiele als Startpunkt

Zum Start dürften die meisten Anwender die neue Technologie für Spiele nutzen, sagt Terry Myerson im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Das ist klar und ist auch naheliegend: Die VR-Brillen von HTC und Oculus samt ihrer Controller werden derzeit wohl auch in erster Linie fürs Gaming genutzt.

Andere Anwendungen werde es beispielsweise im Schulungsbereich geben, sagt Myerson, etwa um Technikern die Wartung komplizierter Maschinen erlernen zu lassen. Auch Livekonzerte, die man per VR-Brille miterleben könnte, nennt er als Nutzungsmöglichkeit.

Für die Zukunft sieht Myerson für das, was Microsoft Mixed Reality nennt, aber ganz andere Anwendungen im Fokus. "Diese Technologie wird uns näher zusammenbringen", schwärmt Microsofts Top-Manager, wenn er erklärt, dass die Datenbrillen seiner Meinung nach in Zukunft vor allem fürs Kommunizieren benutzt werden könnten.

Emotionen als Herausforderung

Statt für das Gespräch in Berlin zwei Tage auf den Hin- und Rückflügen in die USA zu verbringen, würde er die Unterhaltung lieber per VR führen, sagt er: "Da gibt es ein fantastisches Potenzial, aber wir müssen noch etwas arbeiten, um so etwas zu ermöglichen." Die größte Herausforderung sei dabei nicht die Geschwindigkeit der Bildübertragung oder die grafische Qualität, sondern die Fähigkeit, Emotionen, Gesichtsausdrücke und Gesten zu übertragen.

Neben der Mixed-Reality-Technologie erweitert das Fall Creators Update Windows 10 in erster Linie um Funktionen zur Video- und Bildbearbeitung. So schwenkt beispielsweise Microsofts Fokus vom 1985 in Windows eingeführten Malprogramm Paint auf die Software Paint 3D um. Wie der Name sagt, lassen sich damit nicht nur normale Bilder, sondern auch dreidimensionale Objekte erstellen und über entsprechende Drucker ausdrucken.

Neu ist auch App Story Remix. Die Software nutzt künstliche Intelligenz, um Videoschnipsel, die man auf den Rechner lädt, zu analysieren und daraus selbstständig ansprechende Filme zu schneiden.

Fotostrecke

34  Bilder
Windows - die Chronologie: Von Windows 1 bis Windows 10

Eine weitere Neuerung, die mit dem Update eingeführt wird, dürfte all jene freuen, die Notebooks mit kleinen SSDs haben, die immer voll sind: One Drive Files on demand. Die neue Funktion des Cloudspeichers soll auf Computern Speicherplatz frei machen, indem sie die Dateien des Nutzers in der Cloud speichert statt auf der Festplatte oder der SSD.

Mit den Cloud-Daten soll man so arbeiten können, als wären sie auf dem Rechner gespeichert. Auch mit den One-Drive-Apps für iOS und Android soll das klappen. Nur ohne Internet funktioniert das natürlich nicht.

Wie bisher alle Updates für Windows 10 wird auch das Fall Creators für die Nutzer kostenlos angeboten.



insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
PriseSalz 01.09.2017
1. Ms os
Kapiert MS eigentlich nicht dass weiterhin die überwiegende Mehrzahl der Computer in einem Arbeitsumfeld genutzt werden, nicht für Spiele? Entweder entschließt man sich dort Aktualisierungen mit Auswahlmöglichkeiten (ähnlich wie bei Office) anzubieten, oder es wird ein Markt entstehen für ein neues OS. Und nein, Linux ist keine Alternative. Günstig in der Anschaffung, aber zu kompliziert im Handling, teuer in der Pflege und die Kompatibilität von z.B. Open Office mit MS-Office lässt doch sehr zu wünschen übrig.
rjsedv 01.09.2017
2. Krampfhafte Suche nach was Neuem
Ich habe mich über die Jahre an Windows gewöhnt und kann mit Windows 10 ganz gut arbeiten. Aber diese angekündigten Neuigkeiten sind sowas von uninteressant. Das meiste Zeug sollte Spielkonsolen vorbehalten bleiben. Und Daten einem amerikanischen Unternehmen zu geben ist russisches Roulette mit 6 Kugeln. Meine Daten bleiben schön weit weg von der Cloud. Zumindest wenn sie halbwegs wichtig sind.
hikage 01.09.2017
3. one drive?
Auf die Cloudspeicherung, bei der man wie mit lokalen Daten arbeiten kann wäre ich in der Breitband Wüste Deutschland gespannt...und dabei reden wir noch nicht von Datenschutz und -sicherheit.
pahrump 01.09.2017
4. Zeigt er es auch?
Anders als ein anderes Unternehmen sieht man bei MS immer nur PowerPoint-Folien. Ob es auch funktioniert interessiert nicht.
fd53 01.09.2017
5. bei 80% der Nutzer komplett vorbei an den Bedürfnissen
Wie man den seit Jahren sinkenden Verkaufszahlen von PC+Notebook entnehmen kann, ist die Bedeutung von Microsoft im heimischen Umfeld gewaltig gesunken. Gehörten früher noch 40% aller PC+Notebook zum sogenannten SOHO-Bereich sind es heute nicht mal mehr 20%. Smartphone und Tablet haben PC+Notebook als heimisches Surf- und Mailmittel in vielen Haushalten abgelöst. Und wer die Stückzahlen der Grafikkartenverkäufe auswertet, dem ist bekannt das weltweit maximal nur 3% aller PC+Notebook intensiv für Computerspiele genutzt werden. Aber Microsoft nimmt die Bedürfnisse dieser 3% als Bezugspunkt und ignoriert immer umfassender die Bedürfnisse der 80% kommerzielle genutzten PC und Notebook. So ist es künftig mit Windows 10 nicht mehr möglich, mehr als 10 lokale Userprofile zu nutzen. Das ist für PC bei intensiver Nutzung in Schichtumgebungen eine Katastrophe. Ich kann daher den Usern "PriseSalz" und "rjsedv" nur zustimmen. Zumal das FCU dafür sorgen wird, das so mancher Besitzer eines 2 Jahren alten Tablet mit Windows 10 nach dem FCU-Zwangsupdate nur noch Schrott in den Händen hat. So wie es auch schon im Dezember 2016 nach einem Wn10-Zwangsupdate tausende andere Nutzer von Windows10-Tablet erlebt haben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.