Von Konrad Lischka
Die neuen Ideen bringen das große Geld - so kann man Apples aktuelle Bilanzzahlen knapp zusammenfassen, die Steve Jobs im Juli so bejubelte: "Das war das beste Quartal aller Zeiten." Fast 20 der gut 28 Milliarden Dollar Gesamtumsatz hat Apple in diesen drei Rekordmonaten (April bis Juni 2011) mit Produkten eingenommen, die sich Anfang 2007 kaum jemand vorstellen konnte:
Vergleicht man diese Zahlen mit den Apple-Umsätzen 2007, wird klar, welche Probleme auf die Firma zukommen, sollte dem Nachfolger von Steve Jobs nicht der nächste große Wurf gelingen. Im dritten Geschäftsquartal 2007, dem letzten vor dem iPhone-Verkaufsstart, machte Apple einen Gesamtumsatz von 5,4 Milliarden Dollar - fast die Hälfte davon verdiente Apple mit Notebooks und Desktop-Computern.
Es sieht derzeit danach aus, dass iPhones und iPads die Apple-Umsätze schon bald nicht mehr ganz so stark antreiben werden. Tablets und Smartphones könnten in einer Apple-Bilanz im Jahr 2015 ein ähnliches Bild abgeben wie heute Desktop-Rechner und Notebooks: Ein solides, stetig, aber vergleichsweise langsam wachsendes Geschäftsfeld.
Smartphones sind Massenware
Zumindest im Smartphone-Bereich ist Apples technologischer Vorsprung erheblich geschrumpft. Die Konkurrenz attackiert Apple auf mehreren Ebenen.
Teure Edel-Smartphones von Anbietern wie Samsung kommen dem aktuellen iPhone schon sehr nah. So bewertet zum Beispiel die Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe des Magazins " Test" das Samsung Galaxy S II besser als das iPhone 4. Google könnte Apple nach dem Kauf der Motorola-Mobilfunksparte im Edel-Segment Konkurrenz mit neuen Geräten machen, bei denen Hard- und Software besser abgestimmt sind.
Im mittleren Preissegment ist die Smartphone-Konkurrenz für Apple hart: So elegant wie Apple haben bislang zwar nur wenige Anbieter Hardware, Software und digitale Einkaufsmöglichkeiten verknüpft. Aber die besten Angebote der Konkurrenz sind für viele Käufer doch gut genug - vor allem, wenn sie deutlich weniger als das iPhone kosten.
Auch in diesem Bereich ist Samsung der wohl stärkste Konkurrent für Apple. Laut dem Statistikdienstleister Comscore war Samsung im Juni mit einem Marktanteil von 25,3 Prozent der führende Smartphone-Anbieter in den Vereinigten Staaten. Auf den meisten dieser Mittelklasse-Smartphones läuft das Google-Betriebssystem Android, das in den USA inzwischen einen Marktanteil von gut 40 Prozent hat.
Das Smartphone-Geschäft ist auf dem Weg zu einem Massenmarkt wie es der PC- und Notebook-Sektor schon lange einer ist. Ein Hinweis darauf sind die nun auftauchenden Billig-Smartphones. Der chinesische Hersteller Huawei bietet zum Beispiel das Android-Smartphone Ideos X3 in Deutschland für 99 Euro in Lidl-Filialen an. Das Modell ist nicht perfekt, aber viele Android-Apps laufen verblüffend schnell auf dem Gerät. Wenn solche Billigmodelle den Android-Nutzerkreis vergrößern, könnte das einige Entwickler für das Google-System gewinnen, die bislang noch primär für Apples iOS entwickeln.
Billig-Tablets gegen das iPad
Auf dem Tablet-Markt ist die Apple-Konkurrenz noch nicht ganz so groß. Das iPad ist klarer Marktführer - in den meisten Staaten mit einem Anteil von mehr als 70 Prozent. Aber so war es vor einigen Jahren auch beim iPhone. Und IBM dominierte ja Anfang der achtziger Jahre auch den PC-Markt, der heute zum größten Teil mit billiger Massenware und wenigen Edel-Rechnern - zum Beispiel denen von Apple - bedient wird.
So ähnlich wird der Tablet-Markt bald auch aussehen - das hoffen zumindest Apples Konkurrenten wie zum Beispiel Yang Yuanquing, Geschäftsführer des chinesischen IT-Konzerns Lenovo. Lenovo steht auf dem chinesischen Markt in direkter Konkurrenz zu Apple: Der kalifornische Konzern hat im vergangenen Geschäftsquartal 3,8 Milliarden Dollar Umsatz in China, Taiwan und Hongkong gemacht. Yang Yuanquing will Apple in China mit günstigen Lenovo-Tablets angehen.
Der " Financial Times" sagte der Manager: "Apple richtet sich nur an die oberste Käuferschicht. Mit einem Preis von 500 Dollar können Sie nicht Konsumenten mit niedrigerem Einkommen in kleinen Städten ansprechen." Lenovos Strategie: "Mehrere Geräte in verschiedenen Klassen, um unterschiedliche Marktsegmente zu bedienen".
Amazon könnte dem iPad gefährlich werden
Diese Strategie dürfte jedes Unternehmen verfolgen, das Apple auf dem Tablet-Markt angreifen will. Völlig offen ist derzeit, ob Samsung auf dem Tablet-Markt ähnlich groß werden kann wie im Smartphone-Geschäft.
Der vielleicht gefährlichste Apple-Konkurrent bei den Tablets hat noch gar kein Gerät auf dem Markt: Amazon. Dass die Firma an einem oder mehreren Tablets arbeitet, ist ein offenes Geheimnis. Amazons Hardware-Entwicklungstochter Lab126 hat binnen eines Jahres die Mitarbeiterzahl verdoppelt, erfahrene Entwickler bei Apple, Palm und Smartphone-Herstellern abgeworben. Sie arbeiten den Stellenbeschreibungen zufolge an einem Gerät mit Mobilfunkanbindung, Touchscreen und Android-Betriebssystem.
Amazons Tablets könnten Apple gefährlich werden, weil der Online-Riese das Potential hat, seine Hardware ähnlich eng und elegant mit Inhalten und Software zu verknüpfen. Amazons digitales Lesegerät Kindle hat eine ausgezeichnete Benutzerführung, die Synchronisation einmal gekaufter E-Books über diverse Geräte und Programme hinweg funktioniert perfekt. Sollten die Amazon-Tablets ähnlich komfortabel zu bedienen sein und zu einem Kampfpreis wie das Kindle erscheinen, dürfte dieses Angebot Apples iPad einige Käufer abjagen.
Die Konkurrenz holt auf - Apple braucht neue Ideen, um seinen Vorsprung zu halten.
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