Apples neues Standbein, die Anzeigenvermarktung in iPhone-Apps, humpelt nur langsam von der Startlinie. Sechs Wochen nach der offiziellen Einführung der Werbetechnologie iAd haben es erst zwei der von Apple stolz verkündeten 17 Werbepartner tatsächlich geschafft, ihre Anzeigen auf dem Apple-Handy zu platzieren. Die übrigen klagen über Apples strikte Eingriffe in den Entstehungsprozess der interaktiven Anzeigen, einer hat offenbar schon das Handtuch geworfen.
Dabei hatte sich alles nach einem Traumstart angehört. Noch im Juni hatte Apple angekündigt, man habe bereits Buchungszusagen in Höhe von 60 Millionen Dollar von "führenden globalen Marken" erhalten. Eine Summe, die den Marktforschern von JP Morgan zufolge "beinahe 50 Prozent der insgesamt vorhergesagten amerikanischen mobilen Werbeausgaben für die zweite Hälfte des Jahres 2010 entspricht."
Die Anzeigenkunden wollten offenbar allesamt davon profitieren, dass man mittels iAd interaktive Werbung in iPhone-Apps platzieren kann. Der Anwender kann sie mit dieser Werbung beschäftigen, ohne die Wirts-App zu verlassen. Die Erlöse aus diesem Geschäft sollen zu 60 Prozent den Entwicklern der jeweiligen Apps zugute kommen. Programmierer witterten ein neues Erlösmodell für kostenlose Apps. Nicht ohne Grund, schließlich konnte Apple bereits 18 Monate nach Einführung seines App Store drei Milliarden Software-Downloads melden. Das hört sich nach lohnenden Geschäften an, die nebenbei dafür sorgen würden, dass Apple selbst an kostenlosen Apps noch eine Stange Geld verdient.
Einer hat aufgegeben
Insgesamt 18 Anzeigenkunden konnte Apple zur iAd-Einführung vermelden, allesamt Brancheschwergewichte wie Nissan, AT&T und die Walt Disney Studios. Dass nur Großunternehmen Interesse bekundeten, ist kaum verwunderlich. Schließlich hat Apple den Einstiegspreis in das iAd-System auf eine Million Dollar festgelegt. Für kleine Fische ist in diesem Teich kein Platz. Die großen Fische klagen nun aber, Apple mache ihnen das Leben schwer. Erst zwei Unternehmen, Nissan und Unilever, haben seit dem iAd-Start am 1. Juli tatsächlich ihre Werbung über das neue System auf iPhones bringen können.
Als Bremse wirke vor allem Apple selbst, schreibt nun das " Wall Street Journal". Das Problem: Die Werbeagenturen der jeweiligen Firmen müssen für iAd einen Teil ihrer Selbstbestimmtheit an Apple abtreten, müssen Apple tief in die kreativen Prozesse beim Erstellen der interaktiven Werbung einbinden. Denn bisher hat Apple noch keine Entwicklersoftware herausgegeben, mit denen die Kreativen ihre Werbung selbst in Apples Anzeigenformat bringen können. Stattdessen müssen die Agenturen ihre Entwürfe im HTML5-Format anliefern und von Apples Technikern in iAds umwandeln lassen, was offenbar einige Verzögerungen mit sich bringt.
Von der ersten Idee bis zur Verwirklichung dauere der Prozess nun viel länger als üblich, werden Werbeverantwortliche vom "Journal" zitiert. Acht bis zehn Wochen seien pro iAd zu berechnen. Apple selbst brauche dabei rund zwei Wochen länger als erwartet, um die eigentliche Anzeige fertig zu stellen. Mindestens ein iAd-Erstkunde hat aufgrund dieser Verzögerungen angeblich bereits das Handtuch geworfen, das Modelabel Chanel.
Mit Schütteln zum Erfolg
Die übrigen Kunden halten aber weiter zu Apple, wollen sich durch die Verzögerungen nicht davon abbringen lassen, ihre Werbung künftig direkter an hoffentlich interessierte Zielgruppen zu bringen. Dabei nehmen sie es sogar in Kauf, nicht einmal selbst festlegen zu können, wen ihre Werbung erreicht. Selbst darüber zu entscheiden, an wen und in welchen Apps die jeweilige Werbung ausgeliefert wird, behält sich Apple das Recht vor. iAd-Kunden dürfen lediglich angeben, wo sie nicht erscheinen möchten.
Ähnlich restriktiv handhabt Apple die Auswertung der Werbereichweiten. Eigene Maßnahmen, um die Nutzung der jeweiligen Anzeige auszuwerten, sind untersagt.
Und doch scheinen Apples erste iAd-Kunden hochzufrieden mit dem zu sein, was sie durch die neue Werbeform erreichen können. Eine Sprecherin des Autoherstellers Nissan jubiliert dem "Wall Street Journal" gegenüber, die iAd für ein Elektroauto des Unternehmens habe "außerordentlich gute Ergebnisse gebracht. Die Software, in der man beispielsweise die Farbe des angezeigten Autos ändern kann, indem man das iPhone schüttelt, hätte eine fünfmal höhere Durchklickrate als vergleichbare Online-Werbung gehabt.
Aber das könnte auch einfach daran liegen, dass die iPhone-User, denen sie auf dem Bildschirm erschien, sowieso begierig darauf gewartet hatten, endlich mal eine iAd ausprobieren zu können.
mak
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