Von Ulrich von Löhneysen
Um es auf einen Nenner zu bringen: Die Sender wollen die Kontrolle darüber behalten, was mit ihren teuer produzierten oder eingekauften Inhalten passiert. Sonst, so befürchten RTL, Pro 7 & Co., werden sie bald nur noch Stofflieferanten für große Festplatten-Server sein - mit denen andere Unternehmen Kasse machen. Eine unkontrollierte Weiterverbreitung übers Internet, die beliebige Sortierung von Wunschprogrammen bei gleichzeitiger Entfernung der Werbung - all das würde das Ende des werbefinanzierten Fernsehens bedeuten.
Am liebsten würden die Sender daher eigentlich auch die normalen Programme nur verschlüsselt ausstrahlen. Doch sie scheinen bei analoger und normal auflösender digitaler Verbreitung zu viel Angst vor Reichweitenverlust zu haben. So wollen sie die Verschlüsselung nun wenigstens bei HDTV einführen. Es wäre aber denkbar, dass bald bestimmte Top-Ereignisse aus Sport oder Film nicht mehr in den frei empfangbaren Programmen laufen, sondern nur noch in den verschlüsselten. Also nur bei HD+. Der Grund: Die Senderechte für ganz Europa sind wesentlich teurer als nur für Deutschland - durch die Verschlüsselung können Sender und Rechteinhaber sichergehen, dass das Ereignis nur in Deutschland gesehen werden kann. Und: Das Verschlüsselungsproblem beschränkt sich nicht auf HD+ allein. In den neu gestarteten DVB-T-Gebieten in Stuttgart und Halle/Leipzig strahlt RTL ebenfalls verschlüsselt aus. Auch in vielen Kabelnetzen sind die Privatsender in Standardauflösung nur mit Karte zu empfangen.
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