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Internet-Fernseher Ebay will niemand gucken, HD-Filme jeder

TV und Internet: Das Web kommt ins Wohnzimmer
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Matthias Kremp

3. Teil: Die Profi-Angebote - weniger interessant als die illegale Konkurrenz

Darüber hinaus scheint das Web-fähige TV-Gerät vor allem als Vertriebsmedium für IPTV und Video-on-demand interessant. Doch obwohl hier auch schon HD-Inhalte geboten werden, tut sich die Branche schwer: Kein Wunder, kommt das IPTV-Angebot doch meist eher als eine Art um On-demand-Angebote erweiterte Alternative zu Kabel-TV daher. Die Zahl der mühselig eroberten Kunden des IPTV-Angebotes der Telekom wird auf rund 25.000 geschätzt - Peanuts im Vergleich zur Zahl der Nutzer multimedialer Features des Internet.

Die sind in den letzten Jahren immer multimedialer geworden. Und im Gegensatz zur P2P-Hochzeit, als jedem Mediengenuss eine mindestens mehrstündige Downloadphase vorausging, versprechen moderne Streams und sukzessive Downloads Mediengenuss nach wenigen Sekunden Wartezeit. Eine völlig ungeklärte Zahl von Web-Nutzern substituiert ihren TV-Konsum bereits vor dem Rechner sitzend durch Streaming-Portale, wo sie on-demand alle denkbaren TV- und Filminhalte bekommen, teils in HD. Technikaffine Medienjunkies verbinden ihre Laptops per HDMI mit dem Monitor im Wohnzimmer und streamen sich ihr eigenes Programm zurecht.

Denn das sagt zwar kaum jemand laut, aber genau hier liegt die natürliche Nutzung eines Fernsehers mit Internetverbindung. Es ist dagegen weder naheliegend noch vorteilhaft, E-Mails oder Ebay auf dem großen Fernseher anzusehen. YouTube-Videos mit mieser Auflösung sehen erwartungsgemäß mies aus, und das Lesen von Texten aus drei Metern Entfernung ist auch kein Heidenspaß - CE-Html hin oder her. Reizvoll ist dagegen alles, was qualitativ hochwertig und visuell ist - von Google Earth über digitale Diashows bis hin zu Streaming-Portalen, die - mal legal, mal eher nicht - ihre Filme inzwischen oft in 720p-Auflösung anbieten.

Wenn es legal nichts gibt, nehmen Surfer eben illegal

Auch das ist eine Internetnutzung, die eine Tastatur erfordert - egal ob es eine kleine ist wie bei Vizio oder eine ausgewachsene wie bei Asus Eee Keyboard. Mehr noch aber schreit die sich abzeichnende Veränderung des Medien-Rezeptionsverhaltens nach legalen Angeboten, die diese Bedürfnisse befriedigen. So wie Hulu.com in den USA, das dort selbstverständlich auch einfließt in die abgespeckten Internet-Angebote der Internet-TV-Hersteller wie beispielsweise Vizio. Ken Lowe, der Mitbegründer des US-TV-Herstellers, redet in Interviews inzwischen nicht mehr von Fernsehapparaten, sondern von "Entertainment Displays", auf denen klassisches TV-Programm nur noch eines von vielen Angeboten sei - und keines von steigender Bedeutung.

In Europa werden solche attraktiven Videoangebote bisher durch Kleinstaaterei und teils überzogene Begehrlichkeiten verhindert - Hulu gab nach monatelangen Verhandlungen kürzlich seinen Versuch auf, in Europa aktiv zu werden. Statt dessen gibt es eine Unzahl von Insellösungen privater und öffentlich-rechtlicher Sender, die man sich als Nutzer mühsam zusammensuchen müsste - auf dem internetfähigen Fernseher ein Unding, wenn man sich per Fernbedienung und Bildschirmtastatur da durchhangeln muss.

Die Sender, Lizenzinhaber, die Verwertungsgesellschaften und selbst der Gesetzgeber haben das Phänomen Streaming und die damit eingeleitete Veränderung der Medienkultur bisher weitgehend ignoriert oder zum Nischenphänomen erklärt. Wenn Streams statt TV-Programm ganz alltäglich über den Fernseher flimmern, wird die Sache kaum noch zu ignorieren sein.

Bis 2015, sagt Goldmedia, sollen 61 Prozent der Haushalte über Internet-TV verfügen. Zuzüglich der Nutzer, die statt eines Internet-TV-Sets andere Möglichkeiten nutzen, den Stream auf den Monitor zu bringen? Egal: Bis 2014, rechneten die Netzwerkspezialisten von Cisco kürzlich vor, werde 91 Prozent des Web-Verkehrs auf legale und illegale Videodaten entfallen.

Ciscos Prognose geht davon aus, dass das Gros davon auf legale TV-, VoD- und Streamingportale entfallen, P2P weiter rückläufig sein wird und "nur" 30 Prozent auf Web-Videoangebote - alles von Youtube bis zum "inoffiziellen" Serienportal - entfallen werde. Das aber setzt voraus, das entsprechende legale Angebote gut zugänglich zur Verfügung stehen. In Europa ist das bisher nicht zu sehen.

Was die Frage aufwirft, was sich die 61 Prozent der Haushalte dann im TV-Web wohl ansehen werden. Twitter, Ebay oder E-Mail wohl kaum.

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insgesamt 24 Beiträge
bismarck_utopia 01.07.2010
Ich schaue im Wohnzimmer schon seit Jahren PC statt TV. Funktastatur, Funkmaus und eine hohe Bildschirmauflösung machen das "PC-Gucken" zum Genuss. Früher habe ich zwischendurch Videotext gelesen, heute sind es Spiegel [...]
Ich schaue im Wohnzimmer schon seit Jahren PC statt TV. Funktastatur, Funkmaus und eine hohe Bildschirmauflösung machen das "PC-Gucken" zum Genuss. Früher habe ich zwischendurch Videotext gelesen, heute sind es Spiegel Online, Wikipedia, mein Lieblingsforum usw. Einfach toll!
bluearoma 01.07.2010
Der Artikel fasst die Entwicklung sehr gut zusammen. Mal sehen, wenn den TV-Entwicklern das klar wird.. Immerhin haben Monitore von PCs oder Laptops schon 23 Zoll und mehr erschwinglich erreicht und die Auflösung mindestens [...]
Der Artikel fasst die Entwicklung sehr gut zusammen. Mal sehen, wenn den TV-Entwicklern das klar wird.. Immerhin haben Monitore von PCs oder Laptops schon 23 Zoll und mehr erschwinglich erreicht und die Auflösung mindestens Full-HD (720p).. Bald braucht man keinen extra TV mehr..
madoschilus 01.07.2010
Wir schauen auch schon seit Jahren über PC/TV. Mich würde allerdings in den gezeigten Modellen die Apple-ähnliche Aufmachung stören. Was interessieren mich Apps, wenn man doch am TV auch eine richtige Benutzeroberfläche mit Win7 [...]
Wir schauen auch schon seit Jahren über PC/TV. Mich würde allerdings in den gezeigten Modellen die Apple-ähnliche Aufmachung stören. Was interessieren mich Apps, wenn man doch am TV auch eine richtige Benutzeroberfläche mit Win7 haben kann?
sample-d 01.07.2010
Full HD bezeichnet die 1080p/i Auflösung, nicht 720....
Zitat von bluearoma..Immerhin haben Monitore von PCs oder Laptops schon 23 Zoll und mehr erschwinglich erreicht und die Auflösung mindestens Full-HD (720p).. Bald braucht man keinen extra TV mehr..
Full HD bezeichnet die 1080p/i Auflösung, nicht 720....
Osis 01.07.2010
Dann gibts wohl demnächst in vielen Häusern Kino.to statt Fernsehen. Das ist doch längst Realität. Ich hab noch einen alten Fernsehr, der wird aber auch nicht mehr ersetzt.
Dann gibts wohl demnächst in vielen Häusern Kino.to statt Fernsehen. Das ist doch längst Realität. Ich hab noch einen alten Fernsehr, der wird aber auch nicht mehr ersetzt.
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