Internet im Garten Netzwerkkabeltrommel im Eigenbau

Livestreams der Fußball-WM und Onlinespiele sollte man per Netzwerkkabel in den Garten holen. Doch Netzwerkkabeltrommeln sind teuer - außer man baut sie sich selbst.

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Wer während der warmen Tage im Garten streamen oder spielen möchte, sollte auf eine stabile Netzwerkverbindung achten. WLAN hilft dabei nur selten, denn die Nachbarn nutzen die gleichen Frequenzbereiche - kommt man sich näher, kann es schon mal holpern.

Eine selbstgebaute Netzwerkkabeltrommel vermeidet die Probleme von Funkverbindungen. Nachfolgend erfahren Sie, wie Sie die richtigen Komponenten auswählen und mit haushaltsüblichem Werkzeug Ihre eigene Netzwerkkabeltrommel für ein Viertel des Preises eines fertigen Produktes bauen.

Kabel

Für eine selbstgebaute Trommel eignen sich günstige Twisted-Pair-Kabel der Kategorie 5e. Sie reichen für das im Heimbereich übliche Gigabit-Ethernet und haben gleichzeitig Spielraum für mehr: Die neue Spezifikation NBase-T überträgt bis zu 2,5 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s), auf kürzeren Strecken sogar 5 Gbit/s, über die Kabel.

Gefunden in c't

Trotzdem stellen Kabellängen an der Grenze der Spezifikation, also 90 bis 100 Meter, unter Umständen eine Hürde für Ethernet-Transceiver dar: Für unsere Trommel kauften wir 100 Meter Cat.5e-Patchkabel von Wentronic für rund 21 Euro.

Einige unserer älteren Netzwerkgeräte benötigten bei dieser Länge mehr als 30 Sekunden für die Geschwindigkeitsaushandlung und liefen dann nur mit 100 Megabit pro Sekunde. Kürzungen auf 95 und 90 Meter brachten das gleiche Ergebnis. Erst bei 85 Meter Kabellänge ging die Aushandlung gewohnt flott und brachte mit allen Geräten Gigabit-Geschwindigkeit. Neuere Geräte wie die Fritzbox 7590 und der NBase-T-Switch XS512EM von Netgear störten sich jedoch schon ab 95 Meter nicht mehr an der Kabellänge.

Wer Probleme und damit verbundene Kabelkürzungen gleich ausschließen möchte, sollte Verlegekabel mit größeren Querschnitten wie 0,205 mm2 (AWG 24, Cat. 5e) oder 0,255 mm2 (AWG 23, Cat. 6) verwenden.

Trommeln

Leere Trommeln führen die Hersteller meist als "Aufbewahrungstrommel". Sie eignen sich gut für den Eigenbau, da sie in der Regel baugleich mit bestückten Trommeln sind. Man muss keine Durchführungen mehr bohren, nur die leere Frontplatte für die Netzwerkkupplung oder -dose anpassen.

Je nach Breite und Durchmesser der Trommel geben die Fabrikanten 30 bis 50 Meter als maximale Kabellänge an. Die Angabe orientiert sich jedoch an Stromkabeln oder sogar Wasserschläuchen mit größeren Querschnitten. Die Trommeln fassen deutlich größere Längen Netzwerkkabel, da diese kleinere Querschnitte haben.

Unter anderem Stage Line, as-Schwabe, Monacor und Brennenstuhl haben Leertrommeln in unterschiedlichen Größen im Sortiment. Das Modell für unseren Eigenbau kommt von Brennenstuhl: Die "Garant Aufbewahrungstrommel" erhält man aktuell ab 12 Euro. Sie hat einen Durchmesser von 29 Zentimetern. Eine 10-Millimeter-Bohrung führt ins Trommelinnere, sodass man Netzwerkkabel ohne Stecker problemlos durchführen kann. Die Frontplatte hat Brennenstuhl mit drei Kreuzschlitzschrauben fixiert - sie lässt sich leicht abnehmen und bietet Platz für eine Einbaukupplung oder eine Aufputzdose.

Brennenstuhl beziffert die maximale Kabellänge der Trommel für übliche Stromkabel auf 50 Meter. Wir konnten 100 Meter Patchkabel (Cat. 5e, AWG 26, SF/UTP) geordnet wie ungeordnet wickeln, ohne dass Kabel überstand.

Stecker

Um übliche RJ45-Stecker am Twisted-Pair-Kabel zu befestigen, benötigt man eine passende Crimpzange. Wer diese nicht extra kaufen möchte, kann RJ45-Bauteile zur werkzeugfreien Installation verwenden.

Wir haben zwei feldkonfektionierbare RJ45-Stecker von Odedo für 17 Euro erworben. Sie lassen sich werkzeugfrei montieren. Wenn Defekte auftreten, öffnet man sie mit etwas Geschick und legt die Adern neu auf, statt den Stecker abzuschneiden und zu entsorgen. Die Stecker eignen sich zudem für Kabeldurchmesser bis 8 Millimeter sowie Aderdurchmesser von AWG 23 bis 26 und passen somit auch auf Verlegekabel.

Wer eine Crimpzange besitzt, kann seine Netzwerkkabeltrommel auch mit herkömmlichen Steckern konstruieren. Verlegekabel erfordern jedoch besondere RJ45-Stecker, deren Kabelaufnahme einen ausreichenden Durchmesser hat.

Steckerschutz

Abgerissene Rastnasen an Netzwerksteckern nerven - insbesondere wenn man den Schaden erst bemerkt, wenn das Kabel benötigt wird. An der Trommel schützt eine RJ45-Dose oder eine Kupplung den Stecker. Netzwerkdosen findet man in fast jedem Baumarkt. RJ45-Kupplungen von Conec aus Kunststoff oder Zink-Druckguss erhält man für 11 bis 19 Euro.

Für lose Kabel - oder in diesem Fall das abgerollte Ende der Trommel - bieten sich sogenannte Jacks an. Jacks sind Kabelbuchsen, die werkzeugfrei am Kabel montiert werden. Sie eignen sich jedoch nicht für alle Kabeldurchmesser und sitzen unter Umständen locker.

Um Kosten zu sparen, haben wir eine Kabelmuffe zweckentfremdet: Die NP0080 von Logilink kuppelt eigentlich zwei RJ45-Stecker wasserdicht. Wir haben die Kupplung in der Trommel befestigt. Die übrige Schutzkappe mit Verschraubung dient am losen Ende als Steckerschürze. Zum Auf- und Abrollen bleibt der Stecker nahezu vollständig in der Kappe und ist so vor "nasenreißerischen" Ecken und Kanten geschützt. Die NP0080 erhält man ab 7 Euro.

Insgesamt kostet unser Kabeltrommel-Bauvorschlag mit 95 Metern Kabel rund 60 Euro. Fertige Trommeln mit 90 Metern Kabel fanden wir im Internet ab 235 Euro. Preisvergleich-Links zu den verwendeten Einzelteilen und weitere Informationen finden Sie hier.

Netzwerkkabeltrommel
Bauzeit: 60 bis 90 Minuten
Preis: Je nach Materialauswahl ab 60 Euro
Werkzeuge: Kreuzschlitzschraubendreher, Dremel (oder Lochsäge/Bohrer), scharfes Messer. Optional: Crimpzange für RJ45

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
ollis.post 28.05.2018
1.
„WLAN hilft dabei nur selten, denn die Nachbarn nutzen die gleichen Frequenzbereiche - kommt man sich näher, kann es schon mal holpern“ Muss man wirklich erwähnen das man ca 2 Dutzend verschiedene Kanäle verfügbar hat, und einen davon probieren könnte? Das man 2,5 oder 5Ghz nutzen könnte? Man schafft es nahezu überall ein laufendes WLAN Netz aufzubauen durch Konfigurationsänderung, meist ist die Entfernung das Problem. Da könnte eine Trommel helfen.
o.schork 28.05.2018
2. Risiko
100m mit Patchkabel sind ausserhalb der Spezifikation somit ist die Funktion nicht gewährleistet. Insofern sollte man der Empfehlung des Artikels folgen, Verlegekabel zu nehmen. Das passt vom Aderndurchmesser auch besser zu den keystone-Jacks. Ich halte das Ganze zudem seitens der Zugfestigkeit für ein Risiko. Ein Stolperer und die Veranstaltung stirbt. Eigentlich müsste man das Ganze noch durch Kabelschutzschlauch ziehen. Was das Projekt um 300? aufbläst. Als Trommel kann man sich dann vom Elektrogrosshändler eine weggeworfene Holztrommel geben lassen. Dann ist man mit Verlegekabel, Keystones und Dose knapp bei 370?, ist aber sicher, dass die Veranstaltung auch klappt.
dolfi 28.05.2018
3. Netzwerk im Garten - geht's noch?
Ich kann mir beim besten Willen keine einzige Gelegenheit denken, bei der ich superschnelles Internet im Garten brauche. WLAN mit geeignetem Repeater tut's in den meisten Fällen doch auch. Für HD-TV gibt es auch noch terrestrisches DVB-T, das m.E. recht gut funktioniert. Gerade die WM-Spiele kann man da ja sehen, da sie in den "freien" Sendern ARD und ZDF ausgestrahlt werden. Für Online-Gamer ist es ein nahezu absurder Gedanke, diese Spiele zwischen den Tannen und dem Teich in Papas Garten zu spielen. Die wollen doch in ihrer abgedunkelten Höhle mit gesicherter Pizza- und Cola-Versorgung spielen. Für die gezeigte Kabeltrommel kann ich bei bestem Willen für Otto-Normal-Nutzer keine Verwendung sehen.
astra 28.05.2018
4. Mehrparteienhaus
@olllis.postz Haben Sie schonmal versucht, in einem größeren Wohnblock in einem Mehrparteienhaus mit >20 Mietern in ihr eigenes WLAN zu kommen? Das ist trotz unterschiedlicher Frequenzen und Kanäle oft ein Akt. Und das dann noch draußen im Garten, 20 m vom Router entfernt? Quasi unmöglich.
Olaf 28.05.2018
5.
Für die WM im Garten reicht wohl ein fertiges Patchkabel, dass man einfach in der benötigten Länge kauft. Sollte man wirklich den Aufwand mit der selbst gebastelten Kabeltrommel betreiben wollen, wäre der Kabeltyp das letzten woran man sparen sollte. Also lieber gleich Kategorie 7 oder wenigstens 6A, dann hat man auch weniger Probleme mit Störungen bei größeren Längen.
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