Apples neue iPads im Test Eins ist rasant, das andere bloß goldig

Das neue iPad Air 2 ist noch schlanker, noch schneller, noch bunter als sein Vorgänger, verspricht Apple. Das stimmt auch. Ein wenig dicker hätte das neue Tablet aber sein dürfen.

Matthias Kremp

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Apples iPad Air 2 fehlt etwas. An der Stelle, an der bei allen vorherigen iPads rechts oben ein Schalter war, ist jetzt nichts mehr. Dabei hatte ich mich an diesen Seitenschalter so sehr gewöhnt. Ich nutze ihn regelmäßig, um den Ton ab- oder wieder einzuschalten. Den Schalter brauche man heute aber nicht mehr, hat mir jetzt ein Apple-Manager erklärt. Schließlich könne man den Ton auch über das Control Center stummschalten, das sich mit einem Wisch von unten schnell auf den Bildschirm holen und ebenso schnell wieder entfernen lässt.

Etwas wegzulassen war Apple bei der Entwicklung des iPad Air 2 offenbar wichtig. Das Gehäuse wurde 18 Prozent dünner gemacht, auf nun noch 6,1 Millimeter. Aber so sehr ich mich bemühe, ich kann kaum einen Unterschied zwischen dem iPad Air und dem iPad Air 2 erfühlen. Das eine ist schlank, das andere noch schlanker. Auch von den gut 30 Gramm, die es leichter ist, merke ich nichts. So etwas ist eben nur Feinschliff.

Konkret zeigt sich dieser Feinschliff am neuen Bildschirm. Bisher bestand dieser aus drei Komponenten: dem LC-Display, einer berührungsempfindlichen Folie und einem Deckglas. Beim neuen iPad Air wurden diese drei Komponenten in einem Bauteil vereint. Das Resultat ist, dass es weniger Reflexionen im Glas gibt. Zusätzlich hat Apple eine reflexionshemmende Beschichtung aufgebracht.

Beim Vergleich im ausgeschalteten Zustand sehe ich sofort einen Unterschied zwischen altem und neuem Bildschirm. Der des iPad Air 2 wirkt dunkler, schwärzer. Interessant ist der Effekt, wenn man seitlich auf die eingeschalteten Displays schaut: Beim neuen iPad scheint das Bild näher an der Oberfläche zu liegen. Der Effekt der Anti-Reflex-Beschichtung: Lichtquellen werden diffuser reflektiert als beim Vorgänger, stören deshalb nicht so stark.

Leistung bis zum Abwinken

Als weitere Neuerung des iPad Air 2 preist Apple den A8X-Prozessor an. Mit drei Prozessorkernen, 1,5 GHz Taktfrequenz und zwei GB Arbeitsspeicher soll er schneller sein als der A7 des Vorgängers. Leistungsmessprogramme, mit denen ich das iPad Air 2 malträtiere, bestätigen diese Angaben. Und sie zeigen, dass der A8X auch gegenüber dem A8, der in den iPhone-Modellen 6 und 6 Plus steckt, klar zugelegt hat.

Außerdem zeigen die Messungen, dass die Grafikfähigkeiten des neuen Chips weit über dem liegen, was bisherige Apple-Prozessoren schafften. Inwieweit sich das auf Spiele-, Foto- und Video-Apps auswirken wird, lässt sich bisher kaum beurteilen, da es noch keine Apps gibt, die an den neuen Chip angepasst sind. Derzeit gibt es kein Android-Tablet, dessen Antrieb dem A8X das Wasser reichen kann.

Fingerabdruck statt Passwort

Weniger drastisch sind die Verbesserungen bei den Kameras. Während die zum Nutzer gewandte Kamera weiter nur 1,2 Megapixel anzeigt, steckt im Rücken des iPad Air jetzt ein 8-Megapixel-Modell, das ähnliche Eigenschaften aufweist wie die Kamera des iPhone 5s. Zusätzlich zur Zeitrafferfunktion hat die Kamera einen Zeitlupenmodus bekommen und kann riesige Panoramabilder mit bis zu 43 Megapixeln aufnehmen. Videos werden in Full-HD aufgezeichnet. Die damit geknipsten Fotos sind gut und mit denen eines iPhones vergleichbar.

Während ich mich frage, wieso man ein Tablet zum Fotografieren und Filmen benutzen sollte, ist mir sofort klar, dass der TouchID-Fingerabdrucksensor die Neuerung am iPad Air 2 ist, die mir auf Anhieb den größten Zusatznutzen bringt. Statt Passwörter oder PIN-Codes einzugeben, um das Tablet zu entsperren oder Einkäufe in Apples Onlineshops zu autorisieren, lege ich nur kurz meinem Finger auf die Taste. Hat man sich daran gewöhnt, will man auf diesen Komfort nicht mehr verzichten.

Teures wird billiger

Genauso wenig möchte ich auf viel Speicher im iPad verzichten. Da Apple keine Steckplätze für Speicherkarten einbaut, muss man beim Kauf eines iPad genau überlegen, wie viel Speicher man braucht und wie viel man sich leisten kann. Speicher-Upgrades sind bei Apple meistens teuer.

Deshalb ist es gut, dass der Konzern die Preise für die gut mit Speicher bestückten Modelle gesenkt hat. Ein iPad Air 2 mit LTE und 128-GB-Speicher beispielsweise kostet jetzt 60 Euro weniger als ein entsprechendes Gerät aus dem Vorjahr. Dafür ist das Einstiegsmodell jetzt zehn Euro teurer geworden und die 32-GB-Variante ganz aus dem Angebot verschwunden. Schlüssiger wäre es gewesen, sich vom 16-GB-Modell zu verabschieden.

Und das iPad mini 3?

Anders als beim neuen iPad Air, halten sich die Änderungen beim neuen Mini-iPad in engen Grenzen. Zum einen hat jetzt auch das kleine Modell den TouchID-Sensor, zum anderen gibt es die dritte Version des iPad mini jetzt auch mit einem goldfarbenen Gehäuse. Technisch hat sich nichts geändert, sodass mein Testbericht zum iPad mini mit Retina-Display vom November 2013 auch für das neue Modell gültig ist.

Fazit

War das erste iPad Air noch die komplette Neuerfindung des iPad, ist das iPad Air 2 eher Modellpflege. Der TouchID-Sensor erhöht in erster Linie den Komfort, der neukonstruierte Bildschirm die Bildqualität, der A8X-Prozessor hat so große Leistungsreserven, dass das Gerät auf absehbare Zeit kaum an seine Grenzen kommen wird. Das Update ist gelungen. Noch besser wäre es aus meiner Sicht geworden, hätte Apple den Platz, der durch das neue Display frei wurde, mit einem größeren Akku gefüllt, statt das ohnehin dünne iPad Air noch dünner zu machen.

Vorteile und Nachteile

Sehr schneller Prozessor

Sehr guter Bildschirm

Sehr gutes Betriebssystem (iOS 8.1)

Fingerabdrucksensor

Sehr schnelles W-Lan (802.11ac) und LTE (150 Mbit/s)

Speicher nicht erweiterbar

Mit viel Speicher teuer

Technischen Daten

Hersteller Apple Apple
Modell iPad Air 2 iPad mini 3
Maße (mm) 240 x 170 x 6,1 200 x 135 x 7,5
Gewicht (g) 437 331
Bildschirmgröße 9,7 Zoll 7,9 Zoll
Bildschirmauflösung 2048 x 1536 2048 x 1536
Prozessor 1,5 GHz Triplecore 1,3 GHz Dualcore
Arbeitsspeicher 2 GB 1 GB
Massenspeicher 16/64/128 GB 16/64/128 GB
Speichererweiterung Nein Nein
Kamera (hinten/vorne) 8 Mpx/ 1,2 Mpx 5 Mpx / 1,2 Mpx
Mobilfunktechnik LTE (opt.) LTE (opt.)
W-Lan 802.11 a/b/g/n/ac 802.11 a/b/g/n
Bluetooth 4.0 4.0
Betriebssystem iOS 8.1 iOS 8.1
Besonderheiten Fingerabdrucksensor Fingerabdrucksensor
Preis mit W-Lan 489/589/689 389/489/589
Preis mit LTE 609/709/809 509/609/709

iOS-8-Benutzeroberfläche: Eines der Argumente, die für iPads sprechen, ist das Betriebssystem iOS, das in seiner achten Version etliche nützliche Zusatzfunktionen bekommen hat, wie zum Beispiel die Web-Festplatte iCloud Drive, über die man Dokumente zwischen iPhones, iPads, Mac und PC austauschen kann.

Alle nutzen, einer zahlt: Über die Familienfreigabe können Familienmitglieder alle Medien mitbenutzen, die andere Familienmitglieder gekauft haben. Und sie können sich eine Kreditkarte teilen, wobei dem Besitzer der Karte die Möglichkeit offensteht, Einkäufe erst zu kontrollieren, bevor er sie freigibt.

Ein bisschen Plastik: Auch bei den goldfarbenen iPads kommt Apple nicht darum herum, einen Teil des Gehäuses mit einem Kunststoffdeckel abzudichten. Nur so können die darunter liegenden Antennen funktionieren.

Da fehlt doch was: Der Seitenschalter, den das iPad mini 3 (oben) noch hat, wurde beim iPad Air 2 (unten) gestrichen.

Perfekte Verarbeitung: Auch bei den neuen iPads gibt es an der Fertigungsqualität nichts auszusetzen.

Liebe zum Detail: Die Verkleidung der Kopfhörerbuchse ist farblich an die weiße Abdeckung der Antennen angepasst.

Feiner Unterschied: Während die alte Bauform des iPad mini 3 noch Platz für zwei Lochreihen für die Lautsprecher ließ, passt beim iPad Air 2 nur noch eine Lochreihe hin.

Alt und neu: Gegenüber dem ursprünglichen iPad Air (l.) hat das iPad Air 2 um 18 Prozent abgespeckt, ist nur noch 6,1 Millimeter dünn.

Schon ausgeschaltet ein Unterschied: Die Bildschirme von iPad Air (l.) und iPad Air 2 sind unterschiedlich aufgebaut, was sich klar erkennen lässt.

Bildschirme: Die Displays von iPad Air (l.) und iPad Air 2 bieten dieselbe Auflösung, doch beim neuen Modell scheinen die Bilder näher beim Betrachter zu sein, was sich fotografisch nicht festhalten lässt. Sichtbar ist hingegen, dass sich das Hemd des Fotografen im Bildschirms des alten iPad Air stärker spiegelt.

Deutliche Differenz: Seitlich betrachtet macht sich der Unterschied zwischen dem Bildschirm des alten (l.) und dem des neuen iPad Air klar bemerkbar.

Endlich: Mit dem Fingerabdrucksensor TouchID kann man sich oft Eingeben von Passwörtern sparen.

Bessere Knipse: Die 8-Megapixel-Kamera des iPad Air 2 beherrscht neben riesigen Panoramabildern, Zeitraffer- und Zeitlupenaufnahmen auch einen Burst-Modus, der in schneller Folge zehn Bilder eines Motivs aufzeichnet.

Statussymbol: Das neue iPad mini 3 zeichnet sich allem durch die goldene Gehäusefarbe aus, die man auf Wunsch bekommen kann.

Alt und neu: Das iPad mini 3 unterscheidet sich technisch nur durch den TouchID-Sensor in der Home-Taste vom iPad mini 2.

Ähnliche Optik, unterschiedliche Zielgruppen: iPad Air 2 (l.) und iPad mini 3 trennen nicht nur die vielen technischen Vorzüge des neuen iPad Air, sondern auch ein Preisunterschied von 100 Euro.

Optische Anpassung: Die neuen iPads sind jetzt in denselben Farben lieferbar wie die aktuellen iPhones.

Viel dünner geht es nicht mehr: Das iPad Air ist nur noch 6,1 Millimeter dick. Wäre es noch schlanker, bekäme man Probleme, die Schublade für die Sim-Karte unterzubringen.

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insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
jorgeG 22.10.2014
1. Applemania
Was für ein Gewese um neue Geräte, sofern sie mit Obst zu tun haben. Hoffentlich zahlen die wenigstens gut dafür, oder springen für den ganzen Hype bloß die Gratisgeräte für den applehörigen Redakteur raus?
agt69 22.10.2014
2. Dünner....
Der selbe Unsinn wie beim iPhone 6. Warum dieser Wahn, dass alles dünner werden muss? Wie im Artikel schon richtig bemerkt, ein stärkerer Akku wäre die bessere Alternative gewesen! Ich hoffe, das wird bei der nächsten Modellreihe beherzigt. Vor allem beim iPhone nervt der Akku.
faden 22.10.2014
3.
Ich finde es schade, dass Apple das iPad Mini nicht ebenso konsequent upgedated hat, das wäre etwas für mich gewesen. Die wollen anscheinend mein Geld nicht :-) Und ein iPhone 6plus ist kein Ersatz, ein Telefon muss in die Hosentasche passen.
dago_d 22.10.2014
4. 6 mm ...
Das Xperia Tablet war schon länger bei 6.4mm, als das iPad noch in der 7mm-Klasse unterwegs war. Dabei ist das Xperia auch noch wasserdicht. 0.3mm mehr empfinde ich da kaum als Nachteil.
camilli79 22.10.2014
5. Staendige Reklame?
Wird der Spiegel eigentlich von Apple bezahlt, damit er regelmaessig ueber deren Produkte statt uber europaeische Produkte berichtet? Die Apple Geraete sind sowieso in erster Linie zur Dekoration der Personen gedacht, die sich immer die juengsten teuren Versionen jener Spielzeuge leisten wollen. Kein Mensch benoetigt diese Geraete. Der Laptop oder Cumputer zu Hause plus ein Gespraechs Handy mit sms Funktion fokussiert das Notwendige in unserem Dasein und laesst den massenhaften persoenlichen Muell aussen vor.
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