iPad Air im Test Schnelles, dünnes Ding

Das neue iPad Air ist die bisher radikalste Neuauflage des Apple-Tablets. Zum ersten Mal wurde das Design grundlegend geändert, zum ersten Mal dient ein 64-Bit-Prozessor als Antrieb. Das schnelle, dünne Ding im Test.

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SPIEGEL ONLINE

Der Unterschied ist verblüffend. Rund 180 Gramm - mehr als ein iPhone 5s wiegt - beträgt die Gewichtsdifferenz zwischen iPad 4 und iPad Air. Hält man beide Tablets gleichzeitig in den Händen, fällt die Differenz kaum auf. Nimmt man aber zuerst das ältere und dann das neue Modell auf, ist das Erstaunen umso größer.

Die 478 Gramm, die unser Testgerät mit W-Lan und LTE auf die Waage bringt, fühlen sich deutlich angenehmer an als die gut 600 Gramm des Vorgängermodells. Wirklich schwer war eigentlich schon das nicht, aber einhändig mochte man es trotzdem nicht über längere Zeit halten, dafür war es dann doch zu schwer.

Das reduzierte Gewicht ist eine der auffälligeren Änderungen am neuen Apple-Tablet, das nach dem leichten und dünnen Notebook Macbook Air benannt ist. Eine weitere Veränderung ist das neue Gehäuse. Auf der Vorderseite sorgt eine schmale und leicht angeschrägte Kante für ein angenehmeres Gefühl beim Festhalten, die Rückseite fällt steiler und weniger geschwungen nach hinten ab. Das Design ist eine Mischung aus Elementen des iPad 4 und iPhone 5.

Dünner Rahmen, dicke Balken

Der Bildschirmrahmen wurde entlang der Längsseiten deutlich verschlankt, wodurch das neue iPad insgesamt kleiner wirkt. Vor allem aber sorgt das geänderte Verhältnis von Längs- und Querseiten dafür, dass das iPad Air einen gestreckten Charakter bekommt, mehr nach Kinoformat aussieht.

Tatsächlich aber hat sich beim Bildschirm nichts verändert. Wie bei allen iPads hat er das Format 4:3, wie man es von alten Fernsehern kennt. Die von Apple Retina genannte Auflösung von 2048 x 1536 Bildpunkten ist mit der des iPad 4 identisch und lässt kaum etwas zu wünschen übrig. Schrift wird sehr scharf geschnitten, Farben wirken klar und hell, Farbübergänge fließen ohne Stufen (sofern das jeweilige Bild das hergibt).

Nur beim Anschauen von Filmen stört das alte Röhren-TV-Format ein wenig, weil ober- und unterhalb des Filmes schwarze Trauerbalken stehen. In dieser Disziplin haben 16:9-Tablets einen Vorteil.

Doppelt so schnell wie ein iPad 4

Allerdings dürften es die meisten Tablets schwer haben, mit dem Tempo des iPad Air mitzuhalten. Das gängige Leistungsmessprogramm Geekbench attestiert dem A7-Prozessor herausragende Werte. Weil der Dualcore-Chip 100 MHz schneller tickt als der ansonsten baugleiche A7 im iPhone 5s, ist das iPad sogar etwas schneller als das iPhone.

Im direkten Vergleich erreichte nur Samsungs Galaxy Note 3 mit seinem Quadcore-Prozessor einen höheren Wert und den auch nur im Multicore-Betrieb. Bei Nutzung nur eines Rechenkerns ist das iPad Air wiederum um 50 Prozent schneller als das Note 3. Verglichen mit einem iPad 4 ist das iPad Air etwa doppelt so schnell geworden.

Im Alltag bemerkt man davon allerdings kaum etwas. Vielleicht baut sich mal eine Webseite einen Hauch schneller auf, aber ansonsten gehen Standardaufgaben wie Websurfen, E-Mail und das Angucken von Fotos und Videos ebenso schnell und ruckelfrei von der Hand, wie beim Vorgänger.

Mehr Tonspuren als Pink Floyd

Spürbar wird der Unterschied bei neuen Apps wie etwa Garageband, das Apple bereits an die 64-Bit-Technik des A7 angepasst hat. Auf dem iPad Air (und allen andern Geräten mit A7-Chip) kann man mit der Musiksoftware jetzt bis zu 32 Tonspuren aufnehmen. Um das in Relation zu setzen: Pink Floyd haben ihr legendäres Album "Dark Side of the Moon" auf 16-Spur-Bandmaschinen aufgenommen.

Ansonsten merkt man bei grafisch aufwendigen Spielen wie "Galaxy on Fire 2 HD" oder "Infinity Blade III", dass sie auf dem iPad Air mehr Details und Effekte zeigen. Wirklich durchschlagen werden die Möglichkeiten des A7 erst, wenn mehr Apps an seine Fähigkeiten angepasst werden. Dass im iPad Air außerdem auch der Motion Prozessor M7 steckt, kann man vorläufig getrost vergessen. Es wird wohl kaum jemand auf die Idee kommen, das neue iPad zum Lauftraining zu verwenden.

Fazit

Die Modellpflege ist gelungen. Zum ersten Mal seit Apple iPads baut, wurde deren äußere Form verändert. Das neue Modell ist schlanker und sein reduziertes Gewicht macht sich im Alltag deutlich bemerkbar. Wer ein paar Tage mit dem iPad Air unterwegs war, mag kein iPad 4 mehr schleppen.

Der Gewichtsverlust ist auch der Grund, weshalb Apple zwar den Prozessor, nicht aber die neue Kamera und den Fingerabdrucksensor des iPhone 5s ins iPad übernommen hat. Dafür war schlicht kein Platz mehr, nachdem man dem Akku so viel Raum wie nur möglich gegeben hat. Das war auch nötig, denn zumindest nach unseren ersten Erfahrungen hält das iPad Air es nicht länger ohne Steckdose aus als ein iPad 4.

Vorteile und Nachteile

Geringes Gewicht

Gelungenes Design

Sehr guter, hochauflösender Bildschirm

Viele kostenlose Apps im Lieferumfang

Optional schnelles LTE

Hoher Preis

Hohe Aufpreise für mehr Speicher

Auch den Preisen hat Apple nichts geändert. Nur die Verdopplung des Speichers wurde ein wenig günstiger, kostet jetzt 90 statt bisher 100 Euro. Trotzdem muss man für ein iPad Air bis zu 869 Euro berappen (128 GB, Wi-Fi, LTE).

Bleibt abzuwarten, wie sich das neue iPad mini mit Retina-Display schlägt, wenn es im November auf den Markt kommt. Technisch ist es mit dem Air identisch, aber kleiner, leichter und vor allem 90 Euro billiger.

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insgesamt 145 Beiträge
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Seite 1
Traffical 30.10.2013
1. Nichts Neues mehr
Was waren das noch für Zeiten, als der Desktop auf einmal bunt und transparent wurde. Alle anderen waren beigen Kisten. Selbst die Schreitischlampe hatte noch was. Desginikonen.. Und nun? Dann der IPod, IPhone, IPad... Schlag auf Schlag. Und seit dem bedauerlichen Tod von Jobs. Nichts, absolut nichts was man vorher gar nicht brauchte.
danieldaebritz 30.10.2013
2. Design früher schon verändert...
Das Design wurde zwischen der ersten und zweiten Generation auch schon einmal stark verändert (einfach mal von der Seite betrachten). Ansonsten bin ich ehrlich erstaunt, dass die neueste Generation fast ein Viertel weniger auf die Waage bringt, als das Vorgängermodell. Das man den Geschwindigkeitszuwachs bei Standardaufgaben kaum noch wahr nimmt, liegt m.E. daran, dass schon ältere Prozessor-Generationen damit kaum ausgelastet werden dürften. Bei intensiveren Aufgaben wie Videos/Fotos bearbeiten oder Spielen dürfte man da aber schon merken, dass alles flüssiger läuft.
chefrationalist 30.10.2013
3. Formfaktor
Kleine Korrektur zum Artikel: Apple hat in der Geschichte des iPads schon einmal das Design verändert. Und zwar beim Übergang vom iPad 1 zum iPad 2. Der Grund dafür, warum Apple dem neuen iPad Air keine neue Kamera spendiert hat, dürfte ansonsten eher darin begründet liegen, dass ein Tablet anders als ein Smartphone eben doch weniger mobil ist und dementsprechend weniger als Kamera für unterwegs benötigt wird. Bedauerlicher ist da schon das Fehlen des neuen Fingerabdrucksensors. Das nervige Eintippen von Passwörtern bleibt einem beim neuen iPad also weiterhin nicht erspart. Aber dennoch dürfte Apple mit dem neuen iPad die Konkurrenz auf Abstand halten. Microsofts Surface-Tablets sind zu klobig, das neue Nokia-Tablet wirkt zwar gefällig, hat aber einen schlechteren Bildschirm und verwendet das schwerfällige und unausgereifte Windows RT Betriebssystem. Und die Android-Tablets von den ganzen asiatischen Herstellern spielen ohnehin nicht in der gleichen Liga.
Achimhi 30.10.2013
4. Äussere Form verändert ?
Wurde die äussere Form nicht auch beim Wechsel vom iPad1 auf iPad2 geändert ? Oder täusche ich mich hier gerade ?
Erwartungsvoll 30.10.2013
5. Es sind, verdammt noch mal, 184 g Unterschied!
Dieser Blödsinn mit 130 g Differenz wurde schon mal in einem früheren Artikel behauptet. Über diesen Vergleich mit dem Röhrenfernsehrformat sage ich nur eines: Man hat gegenüber 16:9 - Format-Tablets eine zusätzliche Breite bzw. Höhe (je nach Lage). Bei gleicher Diagonale ist also beim 4:3-Format deutlich mehr zu sehen. Nur bei 16:9-Filmen etc. eben genausoviel wie bei den 16:9-Tablets. Das muss doch einem Autor für Technikthemen auch klar sein!
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