iPad und LTE-Datenfunk: Ultraschnell - nur nicht in Deutschland

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Das neue iPad kommt in Deutschland nicht auf Höchstgeschwindigkeit. Weil sein Funkchip nicht alle internationalen Standards beherrscht, liegt die LTE-Funktion hierzulande brach. Ohnehin muss man für Highspeed extra zahlen.

Marketingchef Phil Schiller: LTE kann mit dem neuen iPad nicht überall genutzt werden Zur Großansicht
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Marketingchef Phil Schiller: LTE kann mit dem neuen iPad nicht überall genutzt werden

Dieser Ärger war programmiert: In großen Lettern bewirbt Apple sein neues iPad mit Attributen wie "iPad mit Wi-Fi und 4G" oder "Ultraschnelle mobile Daten. Superschnell. Unterwegs". Weil Marketingchef Phil Schiller bei der Pressevorführung des Flachrechners am 7. März zudem betonte, wie toll es sei, dass das Gerät per LTE-Datenfunk auf Übertragungsraten von bis zu 72 MBit/s komme, war schnell bekannt, dass Apple iPad jetzt die Zukunftstechnik LTE beherrsche. Das ist auch richtig, nur nicht überall.

Denn außerhalb der USA ist es nichts mit dem superschnellen mobilen Websurfen per iPad. Dass es da Probleme geben könnte, hatten viele Beobachter gleich geahnt. Schließlich ist die LTE-Technik bisher noch so wenig standardisiert, dass es etwa in den USA LTE-Handys gibt, die ausschließlich im Netz von AT&T funktionieren, während andere nur im Verizon-Netzwerk arbeiten.

Ganz ähnlich verhält es sich auch mit dem Turbo-Funk beim iPad, der nicht in Deutschland funktionieren wird, wie Apple und die Telekom mittlerweile bestätigt haben. Auf Apples Homepage ist diese Information allerdings nicht zu finden, schon gar nicht in dieser Klarheit. Nur eine kleine Fußnote am Ende einer sehr langen Info-Seite weist schwammig darauf hin: "Die 4G-Abdeckung ist nicht in allen Regionen verfügbar und abhängig vom Anbieter. Nähere Informationen sind beim jeweiligen Mobilfunkanbieter erhältlich."

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Neues iPad: Schneller, dicker, detaillierter
Das technische Problem: LTE ist nicht LTE. Zwar setzt die neue Funktechnik auf dem UMTS-Standard auf, wird aber weltweit unterschiedlich umgesetzt. In den USA und Kanada etwa funken LTE-Handys auf den Frequenzen 700 MHz und 2,1 GHz. In Deutschland arbeiten die kommerziellen LTE-Netze mit 800 MHz und 2,6 GHz. In Österreich wiederum wird nur das 2,6-GHz-Band verwendet, in Australien das 1,8-GHz-Band. Eine Liste, die sich beliebig fortsetzen ließe.

Natürlich machen es die vielen unterschiedlichen Sendefrequenzen den Hardware-Herstellern nicht leicht, ihre Geräte universell einsetzbar zu machen. Aber braucht man wirklich für jedes Frequenzband einen eigenen Chip? Braucht man nicht! Das zumindest bestätigte uns Chiphersteller Qualcomm. "Unsere LTE-Chips unterstützen alle derzeit kommerziell für LTE genutzten Frequenzen in den USA, Europa und Asien", erklärte das Unternehmen SPIEGEL ONLINE. Das gelte sowohl für LTE-Datensticks als auch für den Smartphone-Prozessor Snapdragon S4. Qualcomm bezeichnet das als "World/Multimode LTE".

Woran liegt's?

Ob es für Apple technisch möglich gewesen wäre, ebenfalls einen multifunktionalen LTE-Chip in das neue iPad einzubauen, ist bislang unklar. Das Unternehmen selbst macht keine Angaben dazu, welche Chips neben dem Apple-Hauptprozessor A5X im iPad verbaut sind. Hier wird man abwarten müssen, bis die ersten Bastler das Gerät zerlegt und die Bauteile analysiert haben. Traditionell wird das bereits am ersten Verkaufstag, dem 16. März, geschehen.

Eine mögliche Erklärung für den Verzicht auf internationales LTE wäre der hohe Preis solcher Chips. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Samsung in seinem Vorzeige-Smartphone Galaxy Nexus einen LTE-Chip verwendet, der nur noch halb so teuer ist wie zuvor, zwölf statt 23 Dollar kostet. Angesichts der durch neue Technik wie das Retina-Display stark gestiegenen Bauteilkosten des iPads wäre das zumindest eine denkbare Erklärung.

Langsam ist das neue iPad in Deutschland freilich auch ohne LTE nicht. Außer diesem Super-Turbo unterstützt es auch die Datenfunkturbos HSPA+ (Evolved High-Speed Packet Access) und DC-HSDPA (Dual-Cell HSDPA). Damit sind immerhin Download-Raten von bis zu 42 Mbit/s möglich, weit mehr als die 7,2 Mbit/s beim iPad 2. Das eigentliche Problem dürfte dabei ohnehin nicht die Technik im Gerät, sondern der Netzausbau und der genutzte Datenvertrag sein.

Höchstgeschwindigkeit kostet extra

Denn viele Mobilfunkverträge beschränken die nutzbare Geschwindigkeit auf 7,2 MBit/s, unabhängig von den technischen Möglichkeiten von Hardware und Netz. Wie das Fachblatt "Mac & i" berichtet, führt Apple auf seinen iPad-Seiten selbst noch Tarife auf, die derart begrenzt sind. Wer schneller in den Datennetzen unterwegs sein will, muss der Zeitschrift zufolge entsprechend tief in die Tasche greifen. Zwischen 35 und 75 Euro pro Monat kosten demnach Mobilfunkverträge, mit denen man die hohen Geschwindigkeiten der Netze auch wirklich ausnutzen kann. Das sind laufende Kosten, die zu denen für das iPad selbst addiert werden müssen. 599 Euro kostet das kleinste Modell mit Mobilfunktechnik.

Ein Erfolg wird das neue iPad trotz der nun hochschwappenden Kritik zweifellos werden. Bereits weniger als 24 Stunden, nachdem Apple seinen Store für Vorbestellungen geöffnet hatte, war der komplette Lagerbestand ausverkauft. Am Samstag stellt der deutsche Onlineshop des Unternehmens für Bestellungen des neuen iPads bereits eine Lieferzeit von zwei bis drei Wochen in Aussicht.

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insgesamt 147 Beiträge
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1. Uiuiui...
whocaresbutyou 10.03.2012
600 Euro für ein Tablet und nochmal 500 Euro pro Jahr für eine 72 Mbit-Anbindung... ... die man wofür noch mal gleich benötigt? Damit ein solcher Tarif halbwegs Sinn macht, müsste ich ihn auch regelmäßig nutzen. Aber wofür? Selbst ein HD-TV Stream in 1080i50 mit MPEG-2 benötigt laut Empfehlung lediglich 27MBit. Ob das iBrett allerdings in der Lage ist, mit den verbauten Komponenten stundenlang als mobiler HDTV-Viewer zu fungieren darf wohl angezweifelt werden. Also WOZU braucht man auf so einem Tablet bitte 72Mbit?
2. Technikfan und Tabletnutzer ..
benutzer10 10.03.2012
Zitat von sysopAFPDas neue iPad kommt in Deutschland nicht auf Höchstgeschwindigkeit. Weil sein Funkchip nicht alle internationalen Standards beherrscht, liegt die LTE-Funktion hierzulande brach. Ohnehin muss man für Highspeed extra zahlen. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,820505,00.html
.. bin ich ebenfalls, trotzdem frage ich mich, ob das Sinn macht, dass ein neues Stück Technik, das ein paar Sachen besser kann als sein Vorgänger, erwartet wird wie der Heiland.
3.
DerNamenlose01 10.03.2012
Zitat von whocaresbutyou600 Euro für ein Tablet und nochmal 500 Euro pro Jahr für eine 72 Mbit-Anbindung... ... die man wofür noch mal gleich benötigt? Damit ein solcher Tarif halbwegs Sinn macht, müsste ich ihn auch regelmäßig nutzen. Aber wofür? Selbst ein HD-TV Stream in 1080i50 mit MPEG-2 benötigt laut Empfehlung lediglich 27MBit. Ob das iBrett allerdings in der Lage ist, mit den verbauten Komponenten stundenlang als mobiler HDTV-Viewer zu fungieren darf wohl angezweifelt werden. Also WOZU braucht man auf so einem Tablet bitte 72Mbit?
und dann schaut man sich einen film an und schon ist das schnelle volumen aufgebraucht und man surft wesentlich langsamer...
4. Wozu...
Arno Nühm 10.03.2012
Zitat von whocaresbutyou600 Euro für ein Tablet und nochmal 500 Euro pro Jahr für eine 72 Mbit-Anbindung... ... die man wofür noch mal gleich benötigt? Damit ein solcher Tarif halbwegs Sinn macht, müsste ich ihn auch regelmäßig nutzen. Aber wofür? Selbst ein HD-TV Stream in 1080i50 mit MPEG-2 benötigt laut Empfehlung lediglich 27MBit. Ob das iBrett allerdings in der Lage ist, mit den verbauten Komponenten stundenlang als mobiler HDTV-Viewer zu fungieren darf wohl angezweifelt werden. Also WOZU braucht man auf so einem Tablet bitte 72Mbit?
Und wozu braucht es bei dem mini-Bildschirm eine Auflösung jenseits von Full-HD? Wozu braucht man überhaupt ein Tablet? Sicher für nichts, was die Kosten von 600 Euro auch nur annähernd rechtfertigen würde. Das ganze Produkt macht von vorne bis hinten absolut keinen Sinn, dennoch ist es ausverkauft. Schlussfolgerung: uns geht es bei weitem zu gut...
5.
KnoKo 10.03.2012
Zitat von whocaresbutyou600 Euro für ein Tablet und nochmal 500 Euro pro Jahr für eine 72 Mbit-Anbindung... ... die man wofür noch mal gleich benötigt? Damit ein solcher Tarif halbwegs Sinn macht, müsste ich ihn auch regelmäßig nutzen. Aber wofür? Selbst ein HD-TV Stream in 1080i50 mit MPEG-2 benötigt laut Empfehlung lediglich 27MBit. Ob das iBrett allerdings in der Lage ist, mit den verbauten Komponenten stundenlang als mobiler HDTV-Viewer zu fungieren darf wohl angezweifelt werden. Also WOZU braucht man auf so einem Tablet bitte 72Mbit?
Wozu braucht mn ein Auto das 250 fährt? ;) Und wozu braucht man überhaupt ein Tablet? Ich persönlich kenne niemanden, der damit irgendetwas Sinnvolles macht.
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Produkt iPad 1 iPad 2 iPad 3
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680 (W-Lan) / 730 (3G) 601 (W-Lan) / 613 (3G) 652 (W-Lan) / 662 (4G)
Bildschirm 9,7 Zoll 9,7 Zoll 9,7 Zoll
Auflösung 1024 × 768 px 132 PPI 1024 × 768 px 132 PPI 2048 x 1536 px 264 PPI
Dicke (ca.) 1,3 cm 0,88 cm 0,94 cm
Akkulaufzeit 10 h 10 h 10 h
Arbeits-
speicher
256 MB 512 MB derzeit unbekannt
Prozessor 1 GHz Apple A4 1 GHz Apple A5 Apple A5X
Speicher 16 / 32 / 64 GB 16 / 32 / 64 GB 16 / 32 / 64 GB
Kameras - 2 Video-
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Markt-
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