Von Matthias Kremp
Dieser Ärger war programmiert: In großen Lettern bewirbt Apple sein neues iPad mit Attributen wie "iPad mit Wi-Fi und 4G" oder "Ultraschnelle mobile Daten. Superschnell. Unterwegs". Weil Marketingchef Phil Schiller bei der Pressevorführung des Flachrechners am 7. März zudem betonte, wie toll es sei, dass das Gerät per LTE-Datenfunk auf Übertragungsraten von bis zu 72 MBit/s komme, war schnell bekannt, dass Apple iPad jetzt die Zukunftstechnik LTE beherrsche. Das ist auch richtig, nur nicht überall.
Denn außerhalb der USA ist es nichts mit dem superschnellen mobilen Websurfen per iPad. Dass es da Probleme geben könnte, hatten viele Beobachter gleich geahnt. Schließlich ist die LTE-Technik bisher noch so wenig standardisiert, dass es etwa in den USA LTE-Handys gibt, die ausschließlich im Netz von AT&T funktionieren, während andere nur im Verizon-Netzwerk arbeiten.
Ganz ähnlich verhält es sich auch mit dem Turbo-Funk beim iPad, der nicht in Deutschland funktionieren wird, wie Apple und die Telekom mittlerweile bestätigt haben. Auf Apples Homepage ist diese Information allerdings nicht zu finden, schon gar nicht in dieser Klarheit. Nur eine kleine Fußnote am Ende einer sehr langen Info-Seite weist schwammig darauf hin: "Die 4G-Abdeckung ist nicht in allen Regionen verfügbar und abhängig vom Anbieter. Nähere Informationen sind beim jeweiligen Mobilfunkanbieter erhältlich."
Natürlich machen es die vielen unterschiedlichen Sendefrequenzen den Hardware-Herstellern nicht leicht, ihre Geräte universell einsetzbar zu machen. Aber braucht man wirklich für jedes Frequenzband einen eigenen Chip? Braucht man nicht! Das zumindest bestätigte uns Chiphersteller Qualcomm. "Unsere LTE-Chips unterstützen alle derzeit kommerziell für LTE genutzten Frequenzen in den USA, Europa und Asien", erklärte das Unternehmen SPIEGEL ONLINE. Das gelte sowohl für LTE-Datensticks als auch für den Smartphone-Prozessor Snapdragon S4. Qualcomm bezeichnet das als "World/Multimode LTE".
Woran liegt's?
Ob es für Apple technisch möglich gewesen wäre, ebenfalls einen multifunktionalen LTE-Chip in das neue iPad einzubauen, ist bislang unklar. Das Unternehmen selbst macht keine Angaben dazu, welche Chips neben dem Apple-Hauptprozessor A5X im iPad verbaut sind. Hier wird man abwarten müssen, bis die ersten Bastler das Gerät zerlegt und die Bauteile analysiert haben. Traditionell wird das bereits am ersten Verkaufstag, dem 16. März, geschehen.
Eine mögliche Erklärung für den Verzicht auf internationales LTE wäre der hohe Preis solcher Chips. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Samsung in seinem Vorzeige-Smartphone Galaxy Nexus einen LTE-Chip verwendet, der nur noch halb so teuer ist wie zuvor, zwölf statt 23 Dollar kostet. Angesichts der durch neue Technik wie das Retina-Display stark gestiegenen Bauteilkosten des iPads wäre das zumindest eine denkbare Erklärung.
Langsam ist das neue iPad in Deutschland freilich auch ohne LTE nicht. Außer diesem Super-Turbo unterstützt es auch die Datenfunkturbos HSPA+ (Evolved High-Speed Packet Access) und DC-HSDPA (Dual-Cell HSDPA). Damit sind immerhin Download-Raten von bis zu 42 Mbit/s möglich, weit mehr als die 7,2 Mbit/s beim iPad 2. Das eigentliche Problem dürfte dabei ohnehin nicht die Technik im Gerät, sondern der Netzausbau und der genutzte Datenvertrag sein.
Höchstgeschwindigkeit kostet extra
Denn viele Mobilfunkverträge beschränken die nutzbare Geschwindigkeit auf 7,2 MBit/s, unabhängig von den technischen Möglichkeiten von Hardware und Netz. Wie das Fachblatt "Mac & i" berichtet, führt Apple auf seinen iPad-Seiten selbst noch Tarife auf, die derart begrenzt sind. Wer schneller in den Datennetzen unterwegs sein will, muss der Zeitschrift zufolge entsprechend tief in die Tasche greifen. Zwischen 35 und 75 Euro pro Monat kosten demnach Mobilfunkverträge, mit denen man die hohen Geschwindigkeiten der Netze auch wirklich ausnutzen kann. Das sind laufende Kosten, die zu denen für das iPad selbst addiert werden müssen. 599 Euro kostet das kleinste Modell mit Mobilfunktechnik.
Ein Erfolg wird das neue iPad trotz der nun hochschwappenden Kritik zweifellos werden. Bereits weniger als 24 Stunden, nachdem Apple seinen Store für Vorbestellungen geöffnet hatte, war der komplette Lagerbestand ausverkauft. Am Samstag stellt der deutsche Onlineshop des Unternehmens für Bestellungen des neuen iPads bereits eine Lieferzeit von zwei bis drei Wochen in Aussicht.
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