iPhone 4S im Test: Mit diesem Handy wird man sprechen

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Kleines Update oder großes Upgrade? Das neue iPhone 4S spaltet Apples Anhänger. Matthias Kremp hat das sprachbegabte Smartphone ausprobiert und erklärt, weshalb auch dieses Modell ein Megaseller wird - obwohl viele iPhone-Fans sich den Kauf des Neulings eigentlich sparen sollten.

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Das soll das neue iPhone sein? Jawohl, das ist es, selbst wenn es genauso aussieht wie sein Vorgänger. Genauso? Fast. Denn wer das bisherige iPhone 4 oft genug angeschaut hat, wird einen kleinen Unterschied bemerken: Der Metallrahmen, dessen Bestandteile gleichzeitig als Antennen dienen, hat jetzt vier Teile statt bisher drei. Aber das ist auch alles, was von außen ersichtlich ist.

Dabei ist schon das, zumindest laut Apple, eine signifikante Neuerung. Bisher diente nur eine der Außenantennen dem Empfang - und damit gab es Ärger. Weil viele Menschen die Antenne beim Telefonieren versehentlich mit der Hand abdeckten, konnte sich der Empfang verschlechtern. Etliche Erstkäufer des iPhone 4 waren genervt. Auf die später als Antennagate bezeichnete Krise reagierte Apple mit dem Versand kostenloser Handy-Schutzhüllen an Betroffene.

Die vierte Antenne im neuen Modell soll das alte Problem jetzt lösen. Je nachdem, welche den besseren Empfang hat, kümmern sich abwechselnd zwei Antennen um die Verbindung zum Mobilfunknetz. Im Test waren jedenfalls keine Verbindungsprobleme mehr feststellbar.

Siri braucht den A5-Chip - sagt Apple

Beim iPhone 4S liegen die Neuerungen sonst vornehmlich unter der Haube. Eine für das iPhone modifizierte Variante des A5-Prozessors aus dem iPad 2 soll das Handy schneller, die Grafikausgabe besser machen. Tatsächlich spürt man davon herzlich wenig. Bisher gibt es offenbar noch keine Apps, welche die neue Leistung tatsächlich ausnutzen können - außer einer.

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Apples Plauder-Handy: Das iPhone 4S
Laut Apple ist der neue Prozessor nämlich unverzichtbar für den sprachgesteuerten Assistenten Siri. Eben deshalb könne man Siri nicht am iPhone 4 nutzen. Das mag sein, wirft aber die Frage auf, weshalb es Siri nicht am iPad 2 gibt, das ebenfalls einen A5-Chip enthält.

Freihändig diktieren

So oder so: Siri macht Spaß. Nicht nur, weil man es munter mit Fragen löchern und Aufgaben betrauen kann: "Brauche ich in München einen Regenschirm?", "Erinnere mich morgen, dass ich einen Friseurtermin ausmachen will." Das funktioniert meist recht gut, erfordert aber eine stabile Datenverbindung. Offline schaltet Siri sich ab.

Vor allem aber fehlen Siri in der deutschen Version viele Möglichkeiten der US-Variante. Weder kann es Auskunft darüber geben, wo der nächste Pizzabäcker sitzt, noch kann es den Weg zum Flughafen berechnen. Dafür richtet das deutsche Siri Termine ein, spielt Musik ab, sucht Adressen und leitet Anrufe ein. Alles Weitere will Apple nachliefern, nennt aber dafür keinen Termin.

Praktisch sind die Spracherkennungsfähigkeiten des iPhone 4S vor allem in Situationen, in denen man beide Hände freihaben sollte oder will: Mal eben eine SMS oder eine E-Mail ins Handy diktieren, funktioniert gut, sofern man sich um eine halbwegs deutliche Aussprache bemüht.

Schöner, ruhiger Bilderstrom

So sensationell wie Apple die Siri-Fähigkeiten des iPhone 4S darstellt, sind sie allerdings nicht. Google nennt die Sprachfähigkeiten seines Android-Systems Voice Actions, bietet damit ähnliche Möglichkeiten wie Apples Siri. Genau wie Siri funktionieren die Voice Actions nur bei bestehender Online-Verbindung. Die Sprachaufnahmen werden per Datenverbindung an Server geschickt, auf denen die eigentliche Spracherkennung erfolgt. Aber Google will noch mehr: Die Technik versucht sich bereits an der Übersetzung gesprochener Sätze, langfristig sollen Handys als Fast-Simultanübersetzer einsetzbar sein. Noch ist das Zukunftsmusik.

Das andere große technische Update des 4S ist seine Kamera. Auch sie profitiert vom schnelleren Prozessor. Einerseits, weil die Kamera-App schneller startet und jetzt grundlegende Bildbearbeitungsfunktionen bietet. Andererseits, weil die Kamera-App beim Fokussieren erkennt, ob sich ein oder mehrere Gesichter im Bild befinden, auf die sie automatisch scharfstellt. Möglich werden diese Funktionen laut Apple, weil in den A5-Chip des iPhone 4S, anders als im iPad 2, ein ISP (Image Signal Processor) integriert wurde.

Mindestens ebenso wichtig: Das Objektiv der Kamera wurde nicht nur um eine fünfte Linse erweitert, sondern es dringt dank verbesserter Blendenöffnung jetzt mehr Licht zum Foto-Chip, was bessere Bilder bei schlechter Beleuchtung ermöglicht. Das ermöglicht Fotos, die weniger verrauscht sind als beim iPhone 4. Gut ist die Bildqualität allemal.

Das gilt auch für die Videofunktion. Filme werden in der Full-HD-Auflösung 1080p aufgezeichnet, was mehr Details ergibt. Vor allem stellt das neue iPhone Videoaufnahmen automatisch ruhig. Soll heißen: Das Gewackel von Freihand-Aufahmen wird beseitigt - zumindest zum Teil. Zappelt man bei der Aufnahme aber zu sehr, kann auch die Beruhigungsfunktion des iPhone nicht mehr gegensteuern.

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insgesamt 179 Beiträge
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1. graus
firstart 12.10.2011
Nun sabbeln die IProlls auch noch mit dem IPhone. Als würde es nicht reichen, das die lautstarken Gespräche und die Musik aus den Ohrhörern mittlerweile als akustische Umweltverschmutzung gelten müssten.
2. das/dass
mkill 12.10.2011
Das/dass-Fehler direkt im ersten Satz am Artikelanfang. Es gab mal Zeiten, da hatten Zeitungen Editoren, die soetwas rausfischen...
3. Software Technologie veraltet
FastFertig 12.10.2011
Egal was man an Hardware in das iPhone reinpackt oder wie schön man es auch anmalt: Die Software Technologie in den iPhones ist aus den 1970ern und vollkommen veraltet. XCode und Objective-C ist von allen Handy-Betriebssystemen der instabilste, grausligste und verachtenswerteste Scheiß, den man sich als Softwareentwickler nur vorstellen kann. Bei uns brechen Entwickler in Tränen aus und melden sich krank, wenn sie gezwungen werden, die iPhone-App zu warten. Apples Entwicklunssysteme sind schlichtweg zum Kotzen und unwartbarer Müll. Und deswegen hat Apple und das iGedöns langfristig keine Bedeutung, da die Entwicklung für diese Teile zu teuer, zu aufwenig und zu fehlerhaft ist.
4. Egal ob
nilux 12.10.2011
Egal ob kleines oder großes Update, SPON wird auch weiterhin über jeden noch so kleinen Furz von Apple ausführlich berichten. Auch das klitzekleinste Update (wie das 4CS) erfährt somit immer den vollen Hype.
5. Argl
DJ Doena 12.10.2011
Ooh yay. Jetzt quatschen die Leute auch noch mit ihrem Telefon. Als ob es bisher nicht schon nervig genug war...
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