Apple-Konkurrenz Drei Top-Smartphones gegen das iPhone 5

Fünf Millionen verkaufte Geräte in drei Tagen: Apple zeigt den Mitbewerbern wieder einmal, wie man Luxus-Gadgets zu Massenprodukten macht. Ist der Hype gerechtfertigt? Der Vergleich mit Smartphones von Samsung, HTC und Nokia zeigt, wo die Konkurrenz das iPhone 5 schlägt.

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Kein Handy ist so begehrt und wird gleichzeitig so kontrovers diskutiert wie das iPhone 5. Während Tausende Kaufwillige vor Apples Stores campierten, um das neue Smartphone als Erste zu erwerben, amüsierten sich andere über die haarsträubenden Fehler des neuen Kartendienstes, den Apple mit dem ebenfalls neuen iOS 6 eingeführt hat.

Trotz der Kartenpanne konnte Apple nach drei Tagen bereits fünf Millionen verkaufte iPhone 5 melden, derzeit kann es in Deutschland und den Vereinigten Staaten bis zu vier Wochen dauern, bis Apple bestellte iPhones ausliefert.

Lohnt es sich, auf das iPhone 5 zu warten? Was können andere Top-LTE-Smartphones? Der Marktüberblick verrät, wie sich die Konkurrenten vom Apple-Smartphone unterscheiden und wo das iPhone 5 wirklich punkten kann.

Display: Bei der Konkurrenz größer (und sperriger)

Beim Display hat Apple nur sehr maßvoll angebaut. Um 176 Pixel wurde der nun vier Zoll messende Bildschirm in der Vertikalen ergänzt, er zeigt nun 1136 x 640 Bildpunkte an, was für eine Reihe zusätzlicher Bildschirmsymbole ausreicht. In der Breite bleibt er unverändert. Vor allem Spiele und Videos profitieren vom länglichen Format, weil das Bildseitenverhältnis nun 16:9 beträgt, so wie bei Fernsehern.

An die Bildschirme der Konkurrenz kommt Apple damit nicht heran. Die Spitzenmodelle von Nokia, Samsung und HTC haben allesamt Bildschirmdiagonalen von mehr als 4,5 Zoll, die Bildschirme bieten Platz für 1280 x 720 Pixel (768 beim Lumia 920). Die Größe hat aber einen Nachteil: Die Konkurrenzmodelle sind sperriger, sie liegen nicht so gut in der Hand wie das iPhone 5, man muss sie häufiger mit beiden Händen bedienen.

Den vom Farbeindruck und den Kontrasten besten Bildschirm in der Oberklasse kann derzeit Samsungs Galaxy S III vorweisen. Er ist auch bei extrem schrägen Blickwinkeln gut ablesbar und farbtreu. Interessant ist auch Nokias neues Display im Lumia 920, das Farben, Beleuchtung und Kontrast an das Umgebungslicht anpassen kann. Das Display des iPhone 5 wurde gegenüber dem iPhone 4S deutlich verbessert, es bietet nun einen sehr großen Farbraum, der es leichter macht, die Güte von Schnappschüssen zu beurteilen.

Kamera: Optischer Bildstabilisator bei Nokia

Auch die Kamera wurde im iPhone 5 nur maßvoll verbessert. Sie arbeitet immer noch mit 8-Megapixel-Auflösung, startet und löst jetzt aber schneller aus, zeichnet Videos in Full HD auf. Und die neue iPhone-Kamera kommt besser mit dunklen Szenen klar, indem sie bei Bedarf vier Pixel zu einem Bildpunkt zusammenrechnet.

Nokias ähnlich hochauflösende Kamera im Lumia 920 schafft das ohne Software-Tricks. Die Finnen nutzen einen optischen Bildstabilisator, der längere Belichtungszeiten bei Dunkelheit und somit bessere Aufnahmen ermöglichen soll. HTC und Samsung bieten solche Schmankerl nicht, liefern aber trotzdem gute Fotos ab. Die aktuellen iPhones und das S III bieten eine HDR-Funktion, ebenso das One XL.

Prozessoren

Mit dem neuen A6-Prozessor hat Apple zur Konkurrenz aufgeholt, nachdem diese den A5-Chip des iPhone 4S längst überrundet hatte. In Tests erreicht Apples neuer Chip ähnliche Werte wie die Dual- und Quadcore-Chips der Wettbewerber. Dass sich das iPhone 5 trotzdem manchmal schneller anfühlt, mag an der engen Verzahnung von Hard- und Software bei Apple liegen.

Der A6 dürfte genug Leistung haben, um das iPhone 5 einige Jahre an den turnusmäßigen iOS-Updates teilhaben zu lassen. Währenddessen könnte der Wettbewerb allerdings wieder vorbeiziehen, die Prozessoren beschleunigen oder um weitere Kerne erweitern.

LTE

Das neue iPhone kann LTE - endlich. In den innerstädtischen Highspeed-Funknetzen der Telekom werden Daten auch richtig schnell übertragen - aber eben nur dort. Mit dem iPhone 5 kann man bei Anbietern wie Vodafone und O2 kein LTE nutzen. Und selbst im Telekom-Netz ist der Standard nicht weit ausgebaut: Sobald man an den Rand der ausgebauten Städte kommt, schaltet das LTE-iPhone zurück auf UMTS oder gar Edge. Die Konkurrenz kann das besser: Nokias Lumia 920 funkt in allen LTE-Netzen, HTC One XL und Samsung Galaxy S III LTE in allen deutschen LTE-Netzen.

Cloud-Speicher

Die Hersteller bieten Kunden bei allen Top-Handys als Dreingabe eine gewisse Menge Cloud-Speicherplatz bei bestimmten Diensten an. Bei Apple sind es fünf GB in der hauseigenen iCloud, die man für Daten und Backups nutzen kann. Bis zu 1000 Fotos werden bei Apple kostenfrei, unabhängig vom Datenvolumen gelagert. Samsung und HTC liefern Dropbox-Kontingente mit. Beim One XL erhält man 25 GB, beim Galaxy S III sogar 50 GB. Nokia fällt dagegen zurück, der Hersteller bietet 7 GB Speicherplatz in Microsofts Skydrive.

Preise: Teurer Apple-Speicher

Geht es um selbstbewusste Preisgestaltung, kann man Apple nichts vormachen. Für das iPhone 5 mit dem geringsten Speicherplatz von 16 GB verlangt der Hersteller 679 Euro, das 64-GB-Modell steht mit 900 Euro in der Preisliste.

Das HTC One XL dagegen ist mit 32 GB schon für knapp über 600 Euro zu haben. Ein Galaxy S III mit 16 GB bekommt man ohne LTE bereits für 500 Euro, während das neue Modell mit LTE bei Vodafone 670 Euro kostet. Wie teuer das Lumia 920 wird, hat Nokia noch nicht bekannt gegeben.

Bemerkenswert ist, wie teuer zusätzlicher Speicher wird. Bei Apple zahlt man für jede Verdopplung rund 100 Euro. Das Galaxy S III lässt sich dagegen per microSD-Karte für circa 25 Euro um 32 GB und für circa 60 Euro um 64 GB erweitern. Apples Geschäftsmodell, keinen Speicherkartensteckplatz einzubauen, zahlt sich für den Konzern aus. Laut iSuppli zahlt Apple für einen 16-GB-Chip 8 Euro, für 32 GB 16 Euro und für 64 GB 32 Euro.

Fazit: Die Software zählt

Im rein zahlenmäßigen Vergleich kann das iPhone 5 weder einen Vorsprung herausarbeiten, noch fällt es zurück. Einerseits fehlen ihm Innovationen wie Nokias drahtlose Ladetechnik. Andererseits trumpft es mit edlem Design und hochwertigen Materialien auf.

Der wahre Trumpf des iPhone 5 ist das iOS-Betriebssystem. Wer einmal damit angefangen hat, kommt nur schwer wieder davon los. Es ist begreifbar und macht den Zugriff auf eigene Medieninhalte, das Internet und Apples Onlineshops sehr leicht.

Googles Android-System nähert sich dieser Bedienbarkeit an, ist mit seinen teils tief verschachtelten Menüs aber noch nicht ganz auf demselben Niveau. Eine große Unbekannte ist zur Zeit Windows Phone 8. Der Vorgänger Windows Phone 7.5 zeichnet sich durch sehr einfache Bedienbarkeit, aber auch einen gewissen Mangel an Funktionalität aus. Darauf, was die neue Version zu bieten hat, gewährte der Windows-Konzern bisher nur oberflächliche Einblicke.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, nur die iPhones hätten eine HDR-Funktion. Tatsächlich verfügen auch Galaxy S III und One XL über solche Funktionen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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Seite 1
rodelaax 25.09.2012
1. Herdentrieb
Es jede Menge bessere Smartphones, als das iPhone 5. Aber es gibt einen Kult um Appleprodukte und die Sektierer würden auch einen mittelmäßig designten Haufen Sch**ße kaufen, wenn ein Apfellogo darauf angebracht wäre. "Steve hat das Design selber noch genehmigt – ein großartiges Produkt, welches die Welt verändern wird!!!".
Fritz.A.Brause 25.09.2012
2. Was ist gemeint?
Windows Phone 7.5 leidet an einem "gewissen Mangel an Funktionalität". Was ist denn bitte damit gemeint? Um nicht gleich den Verdacht des ideologieschweren Kommentars aufkommen zu lassen: Ich nutze iPhone und Windows Phone 7.5 Beide nutze ich gerne, wobei mir beim Windows Phone die einfachere Bedienbarkeit, vor allem, wenn es um Einstellungen geht, gefällt. Da ist mir iOS nämlich zu sehr auf die Untermenüs in den Untermenüs angewiesen. Apple hat ja beim Bluetooth Ein- und Aus-Schalter im iOS6 abgeholfen und hat ihn näher an die Oberfläche geholt. Aber warum man beim iOS die Netzwerksettings erst ab dem dritten Untermenü zu sehen bekommt, ist mir ein Rätsel. Wie gesagt: Mal geht hier etwas leichter von der Hand, mal ist es dort der Fall. Aber dennoch: Bitte benennen Sie mir doch mal ein Beispiel für den "gewissen Mangel an Funtionalität", Herr Kremp.
Andi Arbeit 25.09.2012
3. Power is nothing without control.
Kennt noch jemand die alte Werbung von (?)Pirelli? Ein Sprinter steht in den Startlöchern - mit Stöckelschuhen. Ähnlich ist es hier: Was nutzt mir die Nokia-Kamera ohne die vielfalt an Apps, die ich fürs iPhone bekomme? Was soll ich mit einem größeren Display, dass meine Hand aufgrund der Breite beim längeren Greifen überanstrengt? Und was nutzt ein Quadcore-Prozessor, wenn Apple die Grafikbeschleunigung direkt auf die CPU abstimmen kann und damit höhere Werte erreicht als die anderen? Die Erkenntnis ist jetzt fast sechs Jahre alt: Wer gute Hardware machen will, muss zuerst gute Software dafür machen.
Liquid 25.09.2012
4. was fehlt...
das Iphone wird vorgestellt und dann kann man es (soweit verfügbar auch kaufen). das Nokia Lumia (das hätte mich sogar interessiert) wird vorgestellt und keiner weiss, wann es das gibt. Schade Nokia!
mlange8801 25.09.2012
5.
Zitat von sysopREUTERSFünf Millionen verkaufte Geräte in drei Tagen: Apple zeigt den Mitbewerbern wieder einmal, wie man Luxus-Gadgets zu Massenprodukten macht. Ist der Hype gerechtfertigt? Der Vergleich mit Smartphones von Samsung, HTC und Nokia zeigt, wo die Konkurrenz das iPhone 5 schlägt. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/iphone-5-im-vergleich-mit-den-smartphones-der-konkurrenz-a-857526.html
Na ja, iOS wird eigentlich immer mehr zum Kritikpunkt. Eine Weiterentwicklung findet ja nur extrem zögerlich statt, bzw. bei z.B. Maps in die falsche Richtung. Wichtige Einstellungen kann man bei Android z.B. durch Widgets viel einfacher erreichen.
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