Bis vor wenigen Wochen kannte die Tech-Gemeinde nur ein Thema: Wie wird das neue iPad aussehen? Jetzt ist Apples Vorzeige-Tablet im Handel und das Interesse verlagert sich auf ein neues Objekt der Begierde, das nächste iPhone. Denn, das ist das schöne an Apple, der US-Konzern hat sich schon immer gern an eingespielte Gepflogenheiten gehalten: Neue iPods gibt es im Herbst, das neue iPad im Frühjahr und ein neues iPhone im Sommer.
So wird es wohl auch in diesem Jahr sein. Mit ausreichend Abstand zur Einführung des neuen iPads, um den Hype ums Apple-Tablet nicht zu stören, wird Apple ein neues iPhone vorstellen. Im zweiten Quartal werde das sein, orakeln Leute, die meinen, sich auszukennen. Und sie könnten Recht haben, denn meist hat Apple neue Handymodelle bisher im Juni oder Juli eingeführt. Allerdings wurde diese Reihe mit dem iPhone 4S unterbrochen, das erst im Oktober 2011 vorgestellt wurde.
So oder so: Das nächste iPhone muss sich von den bisherigen Modellen unterscheiden. Wie das aussehen könnte, glaubt jetzt die südkoreanische Zeitung "Maeil Business Newspaper" herausgefunden zu haben, berichtet Reuters: Größer soll es werden. Einem nicht namentlich genannten Insider zufolge habe man sich für einen 4,6-Zoll-Bildschirm entschieden. Bestätigt werden konnte diese Information bisher nicht. Apples übliche Display-Zulieferer, Samsung und LG, wollten sich zu dem Bericht nicht äußern.
Orakel über ein größeres iPhone-Display hatte es schon gegeben, bevor das iPhone 4S vorgestellt wurde. Damals war allerdings von den Bildschirmgrößen um 4,4 oder 4,3 Zoll die Rede. Eine solche Erweiterung wäre auch plausibel, weil Apple dabei die mit dem iPhone 4 eingeführte Auflösung von 960 x 640 Pixel beibehalten könnte, ohne zu große Abstriche bei der Pixeldichte machen zu müssen.
Denn diese Pixeldichte ist es, die Apple als Argument nutzt, seine aktuellen Bildschirme als Retina-Displays zu bezeichnen. Beim iPhone 4 und 4S sind das 326 Pixel pro Zoll, beim neuen iPad 264 Pixel pro Zoll, bei einem 4,6-Zoll-iPhone wären es aber nur noch 250 Pixel pro Zoll. Immer noch viel, aber deutlich weniger als beim Modell 4S - was also als Rückschritt interpretiert werden müsste.
Ersatzweise könnte Apple die Auflösung erhöhen. Das aber würde bedeuten, dass iPhone-Apps an die neue Auflösung angepasst werden müssten. Mit maßvollem Aufwand ließe sich das nur realisieren, wenn Apple die Auflösung um ein ganzzahliges Vielfaches der bisherigen Maße hochschrauben würde. Dann aber müsste Apple auf die 4,6 Zoll gleich 1920 x 1280 Pixel pressen, was derzeit technisch nicht möglich ist.
Auf dem Weg zur Nano-Sim
Was Apple dagegen sehr gut kann, ist offenbar, seinen Einfluss in wichtigen Standardisierungsgremien geltend zu machen. Einem Bericht der "FTD" zufolge versucht der Konzern derzeit, seine europäischen Tochtergesellschaften als selbst stimmberechtigte Mitglieder im Europäischen Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) unterzubringen. Der Hintergrund dieses bürokratischen Manövers ist es der Zeitung zufolge, dass dieses Gremium in Kürze über einen neuen Standard für Sim-Karten abstimmen soll, die sogenannten Nano-Sims.
Dieser neue Typ Sim-Karten hat nur noch ein Drittel der Größe aktueller Micro-Sim-Karten, wie sie in iPhone und iPad verwendet werden. Apple hat für den neuen Standard einen eigenen Vorschlag vorgelegt, der von den meisten europäischen Mobilfunkbetreibern unterstützt wird. Einen Gegenvorschlag hat Motorola Mobility gemeinsam mit Nokia und dem Blackberry-Hersteller Research In Motion vorgebracht.
Werden Apples Tochterfirmen als ETSI-Mitglieder zugelassen, würde der US-Konzern laut "FTD" 8,4 Prozent der Gesamtstimmzahl im eigenen Lager versammeln und damit Nokia verdrängen, die bisher den größten zusammenhängen Stimmenblock hatten.
mak
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