iPhone OS 4.0: Das soll das nächste iPhone können

Von

Es beherrscht Multitasking, Cloud Computing und wird einfach zu bedienen sein: So lobpreisen Berichte angebliche Funktionen des nächsten iPhone und des Apple Tablet. Als Beweis werden vorgebliche Screenshots des neuen Systems gezeigt - doch die lassen sich leicht fälschen.

Apple iPhone (hier das Modell 3G S): Kommt das neuen Betriebssystem am Mittwoch? Zur Großansicht
AP

Apple iPhone (hier das Modell 3G S): Kommt das neuen Betriebssystem am Mittwoch?

Auch wenn ums Tablet viel Wind gemacht wird: Es wird nicht das einzige Produkt sein, das Steve Jobs präsentieren wird, wenn er kommenden Mittwoch die Bühne des Yerba Buena Center for the Arts in San Francisco betritt. Mindestens ebenso wichtig wird das iPhone OS 4.0 sein, das immer mehr Beobachter mittlerweile als Fixpunkt für die Vorstellung betrachten. In die Entwicklung des Betriebssystem-Updates fürs iPhone soll Apple enorme Ressourcen investiert haben. Und das nicht nur weil das letzte große Update, iPhone OS 3.0, schon seit Monaten nicht mehr aktualisiert worden ist. Ausschlaggebend dürfte eher sein, dass die Software wohl auch dem Apple-Tablet als Betriebssystem dienen soll.

Das würde passen, denn das System ist ohnehin dafür entwickelt worden, auf mobilen Geräten benutzt zu werden und verfügt über verschiedene Energiesparfunktionen. Außerdem ist es tief in Apples Content-Infrastruktur eingebunden, kann per iTunes und App Store mit Software, Musik, Filmen, Videos, Datenbanken und Updates versorgt werden. Was allerdings in den vergangenen Tagen von manchen Bloggern an angeblichen Funktionen für das Betriebssystem-Update gemeldet wird, liest sich wie die Wunschliste eines iPhone-Fans.

Besonders hervorgehoben hat sich der Boy Genius Report (BGR), der sich einmal mehr auf einen "zuverlässigen Apple-Kontakt" bezieht und aufzählt, was das iPhone OS 4.0 seiner Meinung nach an Neuerungen bieten wird. Dazu sollen unter anderem etliche Verbesserungen der Benutzeroberfläche zählen. Welche genau das sein sollen, lassen die Blogger offen.

Zweifinger-Zoom für alles

Als eine der wichtigsten Neuerungen wird eine systemweite Unterstützung von Multitouch-Gesten genannt. Das sind jene Gesten, bei denen man beispielsweise Bilder vergrößern oder verkleinern kann, indem man zwei Finger auf dem Display auseinander- oder zusammenführt. Bisher werden diese Gesten, die einen Teil des besonderen Charmes des iPhone ausmachen, nur von wenigen Anwendungen unterstützt. Das Fotoalbum, Google Maps und der Webbrowser gehören dazu.

Hat BGR recht, müsste man künftig auch Spiele, Wetter-Widgets und Twitter-Apps per Finger zoomen können. Ob so etwas sinnvoll wäre, ist die eine Frage, ob so etwas einfach so per System-Update möglich ist, die andere. Schließlich sind die meisten iPhone-Apps auf die Bildschirmauflösung des Apple-Handys optimiert und würden bestenfalls arg pixelig aussehen, wenn man sie vergrößert. Dass es aber offensichtlich nicht ganz einfach ist, Apps für verschiedene Auflösungen und Formate anzupassen, zeigt die Navigations-App Skobbler. Deren Karten werden stets nur im Hochformat angezeigt. Laut Auskunft von Skobbler, wäre es mit einigem Aufwand verbunden, eine Darstellung im Querformat zu programmieren. Wie komplex mag es da sein, eine stufenlose Skalierung einzubauen?

Ab in die Cloud - oder ist es da schon?

Als weiteres neues Feature wird von BGR eine Art Multitasking genannt. Wie nahe das echtem Multitasking, also dem parallelen Ausführen mehrere Programme, tatsächlich kommen soll, bleibt dabei unklar. Nur, das es neue Möglichkeiten geben soll, Programme im Hintergrund auszuführen, wird mitgeteilt. Wünschenswert wäre so etwas. Bei Android-Handys wie dem Nexus One etwa kann man schnell und bequem zwischen Anwendungen wechseln, Palms Pre bewältigt es einem aktuellen Test zufolge sogar, 50 Apps gleichzeitig zu laden, bevor er die Segel streicht. Und wie es richtig gut gemacht wird, lässt sich mit dem Linux-basierten Nokia N900 ausprobieren, bei dem beispielweise Skype, Twitter und Facebook einträchtig nebeneinander her im Hintergrund laufen. Noch im vergangenen Juni allerdings erklärte ein Apple-Manager SPIEGEL ONLINE, man habe keine Ambitionen, Multitasking auf dem iPhone einzuführen, weil diese Technik zu viel Energie verbrauche. In Stein gemeißelt sind solche Aussagen allerdings nicht.

Endgültig ins Nebulöse driften die Gerüchte dann ab, wenn es heißt, es werde neue Möglichkeiten geben, Kontakte und Kalenderdaten zu synchronisieren. Wie das zu interpretieren ist, lässt der anonyme Tippgeber völlig offen. Dass Apple hier etwas vorhat, das mit Cloud Computing zu tun hat, ist nicht sonderlich wahrscheinlich. Schließlich kann man das iPhone schon mit Cloud-Diensten wie Mobile Me und Google abgleichen und hat Zugriff auf Microsoft Exchange. Denkbar und wünschenswert wäre es aber allemal, würde Apple Möglichkeiten einbauen, Termine und Kontaktdaten per Bluetooth zwischen zwei Geräten zu kopieren.

Fake-Fotos selbst gemacht

So könnte man mal eben virtuelle Visitenkarten auszutauschen oder gemeinsame Termine abgleichen. Wie einfach so etwas gehen kann, hat Palm schon vor Jahren mit den Palm-OS-Handhelds vorgemacht. Damals freilich mussten die Geräte noch mühsam aufeinander ausgerichtet werden und tauschten ihre Kontaktdaten via Infrarot aus.

Ein Detail allerdings, mit dem der Boy Genius Report aufwartet, scheint nicht ganz unlogisch. Denn angeblich wird das Update auf iPhone OS 4.0 nur auf iPhone 3G und 3GS laufen. Apple-Handys der ersten Generation wären damit außen vor, bekämen vielleicht noch ein Kompatibilitäts-Update auf Version 3.1.3 und würden künftig nur noch dann mit neuer Software versorgt, wenn etwa eine neue Sicherheitslücke entdeckt wird.

Parallel zu den Meldungen über angebliche neue Funktionen im iPhone OS 4.0 erinnert uns das Tech-Blog Gizmodo daran, wie leicht es ist, Bilder, die angeblich das neue System zeigen, nachzustellen. Das simple Rezept: Man bastle in Photoshop ein beliebiges Bild der vorgeblichen Software, skaliere dieses auf die Auflösung des iPhone-Bildschirms (480 x 320 Pixel) und übertrage diese Bild auf ein iPhone. Da lasse man es sich von der Fotos-App vollflächig anzeigen und schießt ein Foto davon, am besten in schummriger Umgebung und mit kräftigen Blitz-Reflexen auf dem Display. Et Voilà, fertig ist das iPhone-OS-4-Fake-Foto.

Haben Sie vielleicht auch schon einen Screenshot des neuen iPhone OS gemacht? Schicken Sie uns ihre Spionage-Fotos per E-Mail. Die besten Einsendungen werden wir auf SPIEGEL ONLINE veröffentlichen.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 62 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. -
Mulharste, 22.01.2010
na da ist sie ja endlich. die tägliche APPLE Werbung.
2. Empfang
don_tango 22.01.2010
Seitdem ich vom 3G auf 3GS umgestiegen bin, habe ich sehr oft "Kein Netz". Die schwächere Sende/Empfangsleistung sollte wohl der Akku-Laufzeit zugute kommen. Nun gut, das haben sie geschafft, seitdem ich kaum noch Empfang habe, liegt das Handy mehr rum und verbraucht weniger Strom. Ich hoffe es kommt ein Update wo dieses Problem behoben wird.
3. Qualitätsjournalismus
spaetzlemitsoss 22.01.2010
Man nehme eine(!) zweifelhafte Internetquelle, übersetze dann einfach alles vom Englischen ins Deutsche, hübsche das Ganze typografisch noch ein wenig auf und - voilà - fertig ist der iPhone Artikel. Wenn ein Redakteur schon nichts einigermaßen Belastbares über ein neues Produkt recherchiert bekommt, dann sollte er doch lieber so lange mit seinem Artikel warten, bis die Katze ausm Sack ist. Apple-wünsch-Dir-was-Seiten, Blogs und Bildzeitung sind für solche Fantasie-Artikel gut; vom Spiegel erwarte ich mir mehr...
4. Wie, das beherrscht kein Mutitasking?
ADie 22.01.2010
Kann doch wohl nicht sein bei dem Preis, oder?
5. Multitasking
buschheuer 22.01.2010
Natürlich beherrscht das iPhone Multitasking, denn sonst würden ja z.B. iTunes, Mail oder die Telefonfunktion nicht im Hintergrund funktionieren. Apple hat das unbegrenzte Multitasking lediglich nicht freigeschaltet. Bei iPhones, die "gejailbreakt" sind, klappt das ohne weiteres. Allerdings macht der Akku schneller die Grätsche.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gadgets
RSS
alles zum Thema Apple
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 62 Kommentare
Apple-Orakel: Die bekanntesten Gerüchte-Küchen
AppleInsider
Diese Gerüchteseite ist aus dem Apple-Nachrichtenportal Macnn entstanden. Das Portal beruft sich häufig auf anonyme Quellen und geriet deshalb schon einige Mal ins Visier von Apples Rechtsabteilung. AppleInsider
MacRumors
Seit dem Jahr 2000 existiert dieses Angebot. MacRumors bietet ein Nachrichten-Portal, Testberichte und Live-Berichterstattung von verschiedenen Apple-Veranstaltungen. Das Forum der Seite hat knapp 120.000 Mitglieder und fast vier Millionen Nachrichten. MacRumors.com
Thinksecret
Mit acht Online-Jahren ist Thinksecret eines der ältesten Apple-Orakel. Immer wieder stellen sich hier veröffentlichte Gerüchte rückblickend als zutreffend heraus. Zuletzt zum Beispiel die heute Abend stattfindete Präsentation. Thinksecret.com

Fotostrecke
iPhone 3GS: Apples Hightech-Handy
Fotostrecke
Apple: Vom Apple I bis zum iPad

Fotostrecke
Apple-Chef Steve Jobs: Lebende IT-Legende

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.