Milliardenprozess gegen Samsung: Apple enthüllt Dutzende iPhone-Prototypen

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Die beiden wichtigsten Handyhersteller Apple und Samsung liefern sich vor Gericht eine Schlacht. Sie streiten um Design-Ideen, Patente und Milliarden Dollar - und enthüllen dabei streng gehütete Firmengeheimnisse.

Bisher streng geheim: Apples iPhone-Prototypen Fotos

Hamburg - Jahrelang lief alles gut zwischen den beiden Firmen. Apple war Samsungs größter Kunde, kaufte jedes Jahr für mehrere Milliarden Dollar Elektronikbauteile bei dem koreanischen Konzern, der so vom Erfolg der Amerikaner profitierte. Doch seit Anfang 2011 ist es vorbei mit dem friedvollen Nebeneinander. Seither verklagen sich Apple und Samsung vor Gerichten in aller Welt. Die Vorwürfe sind immer dieselben: Apple glaubt, Samsungs Designer würden die kalifornischen Erfolgsprodukte kopieren. Samsung wehrt sich, indem es den Amerikanern nachzuweisen versucht, dass sie Patente verletzten.

Einen klaren Sieger in diesem Streit gibt es bisher nicht. Viel Aufsehen haben die Verfahren erregt, die die beiden Firmen in Deutschland gegeneinander führen. Zuletzt hatte das Oberlandesgericht München Apples Forderung nach einer einstweiligen Verfügung gegen Samsung zurückgewiesen. Es ging um ein Patent für eine Technik zur Anzeige von Inhalten auf einem Touchscreen-Bildschirm. Wenige Tage zuvor errang der US-Konzern dagegen vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf einen Teilsieg, als dort ein europaweites Verkaufsverbot gegen das Galaxy Tab 7.7 erlassen wurde.

Doch bei dem Prozess, der an den letzten Julitagen in Kalifornien begonnen hat, fahren die Konzerne alles auf, was sie zu bieten haben, denn hier geht es nicht nur um Forderungen im Milliardenbereich, sondern auch um Grundsätzliches:

  • Es geht darum zu definieren, inwieweit Designideen geschützt werden können.
  • Es muss geklärt werden, ob der Look des iPhones originär bei Apple entstanden ist oder ob der Konzern einfach Designtrends abgebildet hat.
  • Und es muss geklärt werden, in welcher Tiefe ein Design schützenswert ist.

"Apples Hardware kann man leicht kopieren"

Genau darauf hob Samsung-Anwalt Charles Verhoeven am ersten Verhandlungstag ab, als er erklärt, Apple könne "keine Rechtecke patentieren". Dass neben Apple auch Samsung seit einigen Jahren rechteckige Touchscreen-Smartphones im Angebot habe, liege einfach daran, dass sich die gesamte Branche in diese Richtung entwickelt habe. Apple hält dagegen, Samsung habe iPhone und iPad ganz bewusst und detailliert kopiert. Zum Beweis zeigte er Abbildungen von Samsung-Handys, die vor und nach dem iPhone auf den Markt kamen und legte ein internes Papier der Südkoreaner vor, in dem es heißt, Apples Hardware könne man leicht kopieren.

Eben solche Beweisvorlagen sind es, die den Prozess interessant machen. Lange vor Prozessbeginn hatten die Kontrahenten mit den Richtern darum gerungen, welche Beweismittel zur Verhandlung zugelassen werden und welche nicht. So hatte Apple bestimmte Unterlagen zur Ablehnung vorgelegt, weil deren Veröffentlichung Geheimhaltungsvereinbarungen mit Apple-Partnern unterwandern würde.

Am Dienstag dann zogen die Kalifornier selbst Unterlagen hervor, die nie dafür gedacht waren, die streng kontrollierten Bereiche des Firmengeländes zu verlassen. Apple-Designer Christopher Stringer versuchte, den Gestaltungsprozess eines iPhone zu erklären. Seinen Erläuterungen zufolge besteht das Design-Team aus nur 15 Mitarbeitern, die an einem runden Tisch Ideen skizzieren, diskutieren, weiterentwickeln und wieder verwerfen.

Apple enthüllt selbst

Wie viel dabei tatsächlich über Bord geht, lässt sich nur schwer abschätzen. Stringer zeigte dem Gericht Bilder von fast 40 iPhone- und iPad-Prototypen, von denen man Modelle angefertigt, sie dann aber doch verworfen habe (siehe Fotostrecke hier).

Auch Samsung musste bereits Federn lassen. Schon am Montag wurden Prozessunterlagen publik, aus denen hervorgeht, dass der Konzern offenbar an einem Tablet arbeitet, das größer als Apples Tablet ist und einen höher auflösenden Bildschirm als das iPad 3 hat. Wenn Informationen wie diese an die Öffentlichkeit gelangen, kann auch das schwere Folgen haben. Etwa, wenn Konsumenten ihre Kaufentscheidungen zurückstellen, weil sie lieber auf das vermeintlich oder tatsächlich geplante Gerät warten. Apple-Chef Tim Cook hatte solche Gerüchte letztens dafür verantwortlich gemacht, dass die Kunden derzeit nicht so viele iPhones kaufen, wie es für einen neuerlichen Rekordgewinn nötig wäre.

Mindestens einen Monat wird der Prozess noch laufen, möglicherweise länger. Etwa zeitgleich zur Urteilsverkündung könnte dann auch Apples nächstes iPhone-Modell vorgestellt werden. Und das sollte es lieber in sich haben, um Apple wieder einen Vorsprung vor dem Android-Lager zu verschaffen. Denn wenn es kein Hit ist, bekäme der Prozess gegen Samsung den faden Beigeschmack, ein Versuch zu sein, die Konkurrenz mit rechtlichen Mitteln auszubooten, statt sie einfach mit den besseren Produkten zu übertrumpfen.

Bisher hatte Apple so etwas nicht nötig.

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insgesamt 237 Beiträge
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1. Apple war? Apple ist!
hman2 01.08.2012
Noch immer besteht ein Apple-Smartphone zu 80% aus Samsung-Bauteilen. Aber nicht umgekehrt. Insofern ist Apples Klage schon ziemlich... skurril.
2. die Nase voll von Apple
rabandie 01.08.2012
Apple hat seinen ganz tiefen Fall gerade erst begonnen. Die Verbraucher lassen sich halt nicht mehr so leicht gängeln und sind besser informiert. Samsung hat bei Phones und Tablets klar die Nase vorn - was ja auch kein Wunder ist, da Apple ja deren Technik einkauft und in schicke Designhüllen verpackt. Aber -- während Samsung Tabletts beispielsweise Flash Inhalte problemlos darstellt, boykottiert Apple Flash und meint, damit Millionen User und Entwickler (denen vorher jahrelang mit teurer Software das Geld aus der Tasche gezogen wurde) einfach wie eine Vieherde umleiten zu können. Nur zur Info: die schönsten Webinhalte benötigen meist einen Flashplayer. Na, dann wundert Euch mal weiter bei Apple, warum ihr Marktanteile verliert
3.
Walter Sobchak 01.08.2012
Zitat von hman2Noch immer besteht ein Apple-Smartphone zu 80% aus Samsung-Bauteilen. Aber nicht umgekehrt. Insofern ist Apples Klage schon ziemlich... skurril.
Apples Stern wird wieder sinken. Die Zeiten, in denen es "cool" war ueberteuerten Schrott zu besitzen gehen zu Ende. Und irgendwan werden sich die Leute auch nicht mehr gaengeln und ueberwachen lassen wollen.
4. Ohne Steve Jobs
lizenz 01.08.2012
macht Apple aufeinmal Dinge, die das Unternehmen früher nicht nötig hatte. Natürlich ist es für Samsung einfacher, ihre Technik in ein Rechteck zu packen als für Apple ein Rechteck mit eigener Technik zu füllen. Nur aufs Design kommt´s nicht an - schon gar nicht, wenn es sich dabei um austauschbare Rechtecke handelt. Ob nun mit runden oder eckigen Ecken.
5. Mein Gott, ...
duanehanson 01.08.2012
... was ist das denn? Eine Fotostrecke für Apple-Fan-Boys, wie niedlich. Ich kann diesen Hype kein bisschen verstehen, weder hüben noch drüben. Ich werd alt ...
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