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13. September 2017, 16:36 Uhr

iPhone X

1149 Euro für ein Handy - wie so ein Preis zustande kommt

Aus Cupertino berichtet

Das iPhone X kostet mehr, als die meisten Menschen für einen Fernseher ausgeben. Wie lässt sich dieser Preis rechtfertigen? Und was sollten Kaufinteressenten beachten?

Schon lange vor Apples Präsentation am Dienstagabend machten Gerüchte über den Preis des neuen Apple-Smartphones, das der Konzern zum zehnjährigen iPhone-Jubiläum vorstellen werde, die Runde. Es könnte bis zu 1000 Dollar kosten, hieß es. Die Empörung über den horrenden Preis war groß.

Und berechtigt, zumindest aus Sicht der Kritiker: Apple verkündete, das iPhone X gebe es ab 999 Dollar, in Deutschland ab 1149 Euro, zu kaufen.

Allein steht Apple mit derart exorbitanten Preisen für Oberklasse-Smartphones aber nicht da. Auch Samsungs neues Galaxy Note8 steht mit 999 Euro in der Preisliste. Viel Geld, für das man bei Samsung aber viel Technik bekommt: einen großartigen Bildschirm, eine tolle Kamera, einen guten digitalen Stift und Dutzende Technik- und Software-Extras. Es braucht Tage, um sie alle auszuprobieren. Samsung hat einfach alles an Technologie ins Galaxy Note8 gesteckt, was die Konstrukteure des Konzerns gerade auf dem Tisch hatten.

Beim iPhone X ist das ähnlich. Genau wie das Note8 ist auch das neue iPhone ein Technologieträger, wenn auch nicht ganz so überfrachtet wie das Samsung-Modell. Das iPhone X ist derzeit das einzige Smartphone mit einer dreidimensional arbeitenden Gesichtserkennung - Apple nennt sie Face ID - und mit einem in alle Richtungen nahezu randlosen OLED-Bildschirm.

Das iPhone X ist Technik-Luxus - und kostet entsprechend viel

Das iPhone X ist ein Technologieträger im Edel-Look. So wie die jeweils neueste S-Klasse von Mercedes oder ein aktueller Porsche 911. So wie diese Autos genutzt werden, um neue Technologien, die für den Massenmarkt noch viel zu teuer wären, einzuführen und in der Serienfertigung auszuprobieren, macht es Apple beim iPhone X eben auch. Das Gerät steckt voller Technik, die offenbar noch schwer in großen Stückzahlen herzustellen ist.

Genau wie beispielsweise Airbags nur langsam ihren Weg von teuren Edelkarossen zuerst in die Mittelklasse und dann in fast alle Autos gefunden haben, werden sich auch bei Apple OLED-Displays und Face ID langsam, aber sicher in die billigeren Smartphone-Modelle ausbreiten.

Das ist in der Technologiebranche der Gang der Dinge. Neue Entwicklungen müssen sich erst in überschaubaren Auflagen beweisen, die Produktionsmethoden verfeinert werden, bevor sie für die breite Masse verfüg- und bezahlbar werden. Apples Fingerabdruckscanner Touch ID etwa war bei der Einführung 2013 nur im damaligen Top-Modell, dem iPhone 5S, zu haben, steckt jetzt ausnahmslos in allen iPhones, außer dem künftigen Modell X.

Es gibt günstigere Alternativen, die auch gut sind

Wer die neueste Technologie jetzt haben will, muss eben tief in die Tasche greifen. Das ist bei Smartphones nicht anders als bei Autos.

Wer nicht so viel Geld ausgeben will, für den gibt es aber dankenswerterweise Alternativen. Es muss schließlich beim Smartphone-Kauf für viele nicht das absolute Top-Modell sein.

Apples iPhone-Preisliste fängt beim iPhone SE an, das für 409 Euro immer noch eine Empfehlung wert ist. Der niedrigere Preis kann zudem Nerven schonen. Genau wie man eine Delle im alten Volvo eher hinnimmt als einen Kratzer im Lack einer 200.000-Euro-Karosse, wird man von einem Riss im Bildschirm eines iPhone SE wohl weniger belastet sein als von demselben Schaden am dreimal teureren iPhone X.

Kein schneller Preisverfall

Wer unbedingt ein neues Highend-Smartphone von Apple haben will, kann immer noch unter 1000 Euro wegkommen, wenn er ein Auge auf die iPhones 8 und 8 Plus wirft. Bis auf Bildschirmtechnologie und Gesichtserkennung sind die technisch dem iPhone X sehr ähnlich, aber bis zu 350 Euro billiger.

Auf einen schnellen Preisverfall, wie man ihn etwa bei Samsung- oder LG-Smartphones immer wieder sehen kann, sollte man bei Apple aber nicht hoffen. Samsungs Galaxy Note8 etwa dürfte schon bald nach seiner Markteinführung am 15. September von vielen Händlern um 100 bis 200 Euro billiger angeboten werden, als es in Samsungs Preisliste steht.

Bei Apple ist das anders. Wenn der Konzern sich auf einen Preis für ein Produkt festgelegt hat, ist der in Stein gemeißelt, bis das Nachfolgeprodukt kommt. Selbst Drittanbieter unterbieten Apples Preisempfehlungen in der Regel nur um wenige zehn Euro.

Wen die Relativierung tröstet: Es geht immer noch teurer. Zum Beispiel bei der Firma Vertu. Deren Modell Sky Blue kostet laut Listenpreis 19.800 Dollar. Aber dort zahlt man die exorbitante Summe nicht für beeindruckenden Technik - auf dem Sky Blue läuft das drei Jahre alte Android Lollipop - sondern für edles Leder und teures Titan.

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