Streit um Android Oracle setzt sich gegen Google durch

Schon seit Jahren streiten sich Google und Oracle vor Gericht. Es geht um die Verwendung der Programmiersprache Java im Handy-Betriebssystem Android. Nun hat Oracle einen Sieg davongetragen - auch wenn noch nicht klar ist, auf wie viel Geld die Firma hoffen kann.

Android-Logo auf Messe (Archivbild): Streit um Handy-Betriebssystem
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Android-Logo auf Messe (Archivbild): Streit um Handy-Betriebssystem


Etwas vereinfacht ausgedrückt liegen die Dinge so: Googles Handy-Betriebssystem Android basiert entscheidend auf der Programmiersprache Java. Diese war einst als offenes und kostenloses Angebot von Sun Microsystems entwickelt worden. Seit dem Jahr 2010 gehört das Unternehmen allerdings zu Oracle - und dessen Führung, namentlich Chef Larry Ellison, will Schadensersatz von Google sehen. Allerdings hatte Google die erste Version von Android schon zwei Jahre vor der Sun-Übernahme durch Oracle vorgestellt.

Noch komplizierter wird die Sache dadurch, dass Java selbst weiterhin Open Source ist, Oracle aber Geld für die Nutzung der Schnittstellen zur Software - sogenannte APIs - und das Logo haben möchte. Die beiden Unternehmen prozessieren seit Jahren in der Sache, zumal Oracle den nicht unerheblichen Betrag von zunächst 2,6 und zuletzt einer Milliarde Dollar erstreiten will.

Bei dem Streit geht es auch um die Frage der Vorherrschaft im Smartphonegeschäft. Sogar die Konzernchefs Larry Ellison und Larry Page sagten vor Gericht aus. Google hatte Oracle beschuldigt, das Versprechen, Java werde frei bleiben, sei ohne Begründung von der Firma zurückgezogen worden. Nun hat Oracle nach Niederlagen in früheren Instanzen einen wichtigen Sieg in dem Patentstreit verbuchen können. Ein Berufungsgericht in Washington sah es als erwiesen an, dass Google zumindest Teile von Java unrechtmäßig in sein weltweit erfolgreiches Handy-Betriebssystem Android eingebaut habe.

In San Francisco wird weiter gestritten

Das bedeutet, dass die APIs doch juristisch schützenswert sind. Das hatte die Vorinstanz bestritten. Deren Urteil hoben die drei Richter nun auf - und gaben Oracle recht. Die Firma begrüßte das Urteil als wegweisend für die gesamte Software-Industrie. In der Tat wurde der Prozess in der Branche mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Letzten Endes geht es auch um die Frage, ob durch die Ausweitung von Urheberrechten zukünftige Innovationen behindert werden können.

Auf wie viel Geld Oracle nach dem Sieg vor Gericht nun hoffen kann, ist noch nicht klar. Das muss das vorinstanzliche Gericht in San Francisco entscheiden. Möglich ist auch, dass Google gar nicht zahlen muss - und die Richter dafür plädieren, dass die Java-Nutzung durch die "Fair use"-Regel gedeckt ist. In diesem Fall wäre die Verletzung des Urheberrechtes zulässig, um die Schöpfung neuer Ideen nicht zu behindern.

chs/Reuters



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insgesamt 25 Beiträge
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Mark_Ellos_1 10.05.2014
1. Was ist hier am verwerflichsten?
Was ist hier am verwerflichsten? Ganz klar, dass Oracle ein Open Source Projekt so bearbeitet hat so dass es nicht mehr 100% Open Source ist! Innovationsbremsen die jetzt am Gewinn und Innovationskraft von Google gewinnen wollen! Man sollte z.B. die deutsche Sprache kaufen und dann alle Autoren belangen, lol.
blob123y 10.05.2014
2. Das wirkliche Geld macht Google
auf diese Weise: http://www.webpronews.com/google-accused-of-stealing-money-from-adsense-publishers-2014-04#respond D.h. die klauen es von den Leuten die Google vertrauen.
googlefanboy 10.05.2014
3. Hoffentlich greift die
Hoffentlich greift die "fair use"-Regel! Da hat Google erfolg und man sucht sich Wege um daran unrechtmäßig teil haben zu können. Java war 100% Open Source und soll es bleiben!
totalmayhem 10.05.2014
4.
Nur deshalb hat sich Ellison Java unter den Nagel gerissen. In der Entwicklung geschieht so gut wie nichts und Sicherheitsluecken werden hoechstens sporadisch und nach wochenlangem Gezeter gestopft.
_themroc_ 10.05.2014
5. Die Java Falle
"The Java Trap" war vor zehn Jahren ein Artikel von Richard Stallman überschrieben, der genau diese Situation als realistisches Szenario beschrieb. Java war eben nie "Frei", sondern lediglich umsonst. Das kann man eben ändern. https://www.gnu.org/philosophy/java-trap.html
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