Kältetipps So kommt Ihr Handy durch den Winter

Deutschland schlottert und bibbert, selbst Smartphones machen bei der Eiseskälte schlapp. Wir erklären, wie man sein Hightech-Gerät vor Frostschäden schützt - und wann man es am besten abschaltet.

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Smartphone in Wintereinsatz: Nicht alle halten tiefen Temperaturen stand
Matthias Kremp

Smartphone in Wintereinsatz: Nicht alle halten tiefen Temperaturen stand


Wie viel Kälte halten Smartphones aus? Die Redakteure der finnischen Zeitschrift "MikroPC" wollten das genau wissen. Sie haben getestet, welche Minustemperaturen verschiedene Handys aushalten. Ihr Ergebnis: Während manche Mobiltelefone schon bei leichtem Frost Probleme bekommen, trotzen andere mühelos auch sibirischen Temperaturen.

Von 15 Handys, die in eine Kältekammer verfrachtet wurden, meldeten Apples iPhone 4S und Nokias N9 schon bei minus 5 Grad Celsius Sim-Kartenfehler und Akkuprobleme. Bei minus 10 Grad schaltete sich das aktuelle iPhone als erstes ganz ab. Das N9 hielt dagegen noch bis minus 20 Grad durch. Andere Kältemeister im finnischen Test wurden Nokias Billigmodelle C1-01 und E65, die beide bis zu minus 40 Grad aushielten. Doch auch das aktuelle Samsung Galaxy S II machte erst bei minus 35 Grad schlapp.

Ohnehin legt Samsung seine Handys offenbar für eine große Temperaturbandbreite aus. Per Stichprobe überprüften wir die Angaben zu den Betriebstemperaturen einiger Samsung-Handys. In der Regel gibt das Unternehmen seine Geräte dort für Umgebungstemperaturen von minus 30 bis plus 50 Grad frei. Apple ist dagegen weit zurückhaltender, gibt die Betriebstemperatur des iPhone 4S mit 0 bis 35 Grad Celsius an. Ein echtes Schönwetter-Handy also.

Aber welche Probleme bekommen Handys eigentlich, wenn sie kalt werden? Und was kann man dagegen unternehmen? Im Folgenden haben wir die wichtigsten Wintertipps für Smartphone-User zusammengestellt:

Körperkontakt hilft

Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sinkt die Akkuleistung. Das ist naheliegend: Die chemischen Prozesse im Akku werden durch die Kälte so verlangsamt, dass sein Innenwiderstand zunimmt. Dieser Effekt kann im schlimmsten Fall soweit gehen, dass die vom Akku gelieferte Spannung nicht mehr für die Elektronik des Handys ausreicht. Als Resultat schaltet sich das Handy ab.

Im Selbstversuch konnten wir ein solches Verhalten allerdings nicht reproduzieren. Auch nach vier Stunden bei minus 8 Grad zeigten die Akkus unserer Test-Handys (iPhone 4S und Lumia 800) keine sicht- oder spürbaren Leistungseinbußen, wurden vom Betriebssystem als immer noch ebenso voll aufgeladen wie zuvor gemeldet.

Trotzdem sollte man vorsichtig sein. Die Chemie lässt sich nicht austricksen. Laut "MikroPC" versagen die meisten Handys bei Temperaturen zwischen minus 20 und minus 30 Grad den Dienst. Werte, die etwa beim Skifahren durchaus erreicht werden können. Deshalb sollte man sein Handy oder Tablet nicht in den exponierten Außentaschen seiner Winterjacke, sondern lieber nah am Körper tragen, in einer Innentasche beispielsweise.

Kein Problem beim Bildschirm

Die Bildschirme von Touchscreens basieren auf sogenannten Flüssigkristallen. Von denen könnte man befürchten, sie würden bei niedrigen Temperaturen einfrieren. Tatsächlich besteht die Möglichkeit, dass die Flüssigkristalle bei fortschreitender Abkühlung immer träger werden, immer langsamer reagieren. Bei "MikroPC" bekamen alle Handy-Displays bei Temperaturen unterhalb von minus 10 Grad Probleme. Einzig Amoled-Bildschirme hätten den tiefen Frost weitgehend unbeeindruckt überstanden.

In unserem eigenen Test zeigten weder iPhone 4S noch Nokia Lumia 800 Anzeichen einer Verlangsamung der Bildschirmanzeige. Beim Lumia ist das leicht nachvollziehbar. Sein Bildschirm basiert auf der genannten Amoled-Technik, deren organische Materialien generell kälteresistenter sind als traditionelle Flüssigkristalle.

Ernsthafte Kälteprobleme mit dem Display dürften demnach eher selten auftreten. Generell gilt aber auch hier: lieber das Handy in eine Innentasche packen, damit es von der Körperwärme profitieren kann.

Langsam aufwärmen - nicht auf der Heizung!

Unsere bei frostigen Außentemperaturen tiefgekühlten Handys zeigten allerdings eine anderes, viel bedrohlicheres Phänomen: Kondensation. Durch den großen Temperaturunterschied zwischen draußen und drinnen beschlugen ihre Bildschirme, als wir sie wieder ins Warme brachten. Das ist nicht nur lästig, sondern gefährlich, wenn Kondensation an den elektronischen Komponenten im Inneren des Handys auftritt.

Ist ein Mobiltelefon also stark abgekühlt, sollte man es lieber langsam auf Raumtemperatur bringen. Im Zweifel empfiehlt es sich, das Gerät zur Sicherheit abzuschalten und erst wieder in Betrieb zu nehmen, wenn es komplett durchgewärmt ist. Diesen Vorgang beschleunigen zu wollen, indem man es beispielsweise auf einen Heizkörper legt, ist keine gute Idee. Derartige Versuche schaden dem Gerät mehr als sie nutzen, weil viele elektronische Komponenten empfindlich auf plötzliche Temperaturänderungen reagieren.

Und sollte das Telefon richtig nass geworden sein oder starke Kondensation zeigen, gilt als Grundregel: stromlos machen. Wenn sich der Akku entfernen lässt, sollte man ihn komplett aus dem Gerät entfernen, andernfalls das Handy komplett abschalten. So lässt sich verhindern, dass ein Kurzschluss dem Gerät Schaden zufügt.

Als Prävention gegen mechanische Beschädigungen, etwa beim Skifahren, empfehlen sich wasser- und stoßfeste Schutzhüllen. Ein Beispiel für eine solche Hülle ist das Lifeproof Case, in dem ein Smartphone stoß-, staub-, und wasserdicht verpackt werden kann. Hersteller wie Otterbox, Griffin und Belkin bieten ähnliche Schutzprodukte an.

Der beste Schutz

Am besten schützt es aber, das Smartphone gar nicht erst in die Kälte mitzunehmen. Aber wer will heute noch darauf verzichten, unterwegs ein Handy dabei zu haben? Wer auf der Piste auf E-Mail, Facebook und Web verzichten kann, sollte statt des Alleskönners ein simples Mobiltelefon in die Skijacke stecken.

Schlichte Handys wie das Samsung E1050 oder das Simvalley RX-280 bekommt man für deutlich unter 20 Euro. Um sich für den Einkehrschwung auf der Skihütte zu verabreden, reichen sie locker aus. Und wenn so ein Telefon unter die Kufen gerät, hält sich der finanzielle Verlust wenigstens in Grenzen.



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