Kamera-Apps Bitte recht retro

Die meisten Smartphones liefern Fotos, die recht nüchtern daher kommen. Beim Aufhübschen helfen Kamera-Apps, mit denen man Schnappschüsse in vielen Stil-Formen künstlerisch gestalten kann. Einige glänzen mit umfassenden Funktionen.

Hipstamatic-App: Retro-Effekte für all zu perfekte Digitalkameras

Hipstamatic-App: Retro-Effekte für all zu perfekte Digitalkameras

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Aktuelle Smartphones haben mehr als ordentliche Digitalkameras eingebaut - und mit Hilfe von Apps lassen sich die Bilder noch vor dem Download aufhübschen. Denn im Gegensatz zu den Aufnahmen alter analoger Kameras liefern die Megapixel-Chips meist nüchtern-neutrale Bilder, die ruhig etwas mehr Kontrast und Farbe vertragen können. Eine ganze Reihe von Apps hilft dabei - sie imitieren den Look von alten Kameras mit Plastiklinsen, von lange gelagertem Fotopapier oder besonderen Objektiven.

Die Ergebnisse erinnern an die technisch oft wenig ausgereiften Bilder der Lomografie, an Aufnahmen von Polaroid- und Holga-Kameras. Neben starken Kontrasten fällt vor allem der Vignetten-Effekt auf, die zu den Ecken hin abnehmende Helligkeit der Aufnahmen. Sechs populäre Apps, je drei für Apples iPhone und für Android-Handys, haben wir ausprobiert. Zum Einsatz kamen ein iPhone 4 (5 Megapixel Kamera) und ein HTC Desire HD (8 Megapixel Kamera).

Für das iPhone

Die bekanntesten Retro-Apps gibt es für das iPhone von Apple. Hipstamatic ist eine der ausgefeiltesten Apps. Die Basisversion für 1,59 Euro liefert eine Auswahl von Filtern mit, über die Auswahl von "Objektiven" und "Fotofilm" lassen sie sich einstellen und kombinieren. Zusätzliche Filter können aus der App hinzugekauft werden. Die bearbeiteten Fotos lassen sich direkt auf Facebook, Flickr und Tumblr veröffentlichen oder per E-Mail verschicken.

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18  Bilder
Retro-Optik: Manipulierte Kirschblüte
Mit sozialen Netzwerken verbindet sich auch Instagram. Die kostenlose App zeigt auch von Freunden aufgenommene Bilder in einer Übersicht an und will damit so etwas wie Twitter für Bilder oder eine Facebook-Statusnachricht mit Foto sein. 14 Effekte lassen sich nach dem Fotografieren anwenden - bei Hipstamatic muss man sich vorher festlegen und dann überraschen lassen, was dem analogen Fotografieren noch am nächsten kommt.

Ganz auf nachträgliche Bildbearbeitung setzt The Best Camera. Zwölf im Vergleich geradezu dezente Effekte, von der Vignette bis zur Farbveränderung, lassen sich auf gerade geschossene Bilder oder Aufnahmen aus dem Archiv anwenden. Die Ergebnisse können direkt per E-Mail und an soziale Netzwerke verschickt werden. Ähnlich wie Instagram hat auch The Best Camera eine eigene Community zum Austausch der Bilder.

Für Android-Handys

Auf Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android buhlen Dutzende Apps mit ähnlichen Retro-Funktionen um Nutzer. Viele davon sind kostenlos, einige versuchen, durch Werbeanzeigen Geld zu verdienen. Zu den beliebtesten Anwendungen gehört Retro Camera, das stark an Hipstamatic erinnert. Zur Auswahl stehen verschiedene Fantasie-Fotoapparate - darunter "The Bärbel" und "Xolaroid 2000". Leider sind die Ergebnisse übermäßig pixelig. Viel mehr Einstellmöglichkeiten gibt es nicht, die Filter werden vor dem Fotografieren ausgewählt und anschließend direkt angewendet.

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12  Bilder
Retro-Optik: Verfremdeter Döner-Laden
Die ebenfalls kostenlose, durch Werbung finanzierte App FxCamera bietet drei grundsätzliche Modi an: "ToyCam", "Polandroid" und "Fisheye". Diese bieten wiederum eine Vielzahl an verschiedenen Filtern an. Nach dem Fotografieren wird das Bild sofort umgerechnet, ein nachträgliches Ändern der Filter ist nicht möglich. Die Berechnung nimmt leider etwas Zeit in Anspruch, so dass nicht sofort die nächste Aufnahme gemacht werden kann. Die Ergebnisse sind ordentlich - nur beim Fisheye-Effekt sind die Pixel all zu deutlich erkennbar.

Einfach zu Bedienen und mit einer Vielzahl Funktionen ausgestattet ist die App Vignette. Die Vollversion kostet 2,89 Euro, eine Basisversion ist kostenlos erhältlich. Vorschaubilder lassen sich direkt aus der App über soziale Netzwerke verteilen, die Großversionen werden auf dem Android-Handy abgespeichert. Die Filter lassen sich voreinstellen, aber auch noch nachträglich verändern. Eine Zufallsfunktion bringt auch noch das Überraschungsmoment zurück.

Empfehlung

Für das iPhone hat sich in unserem Kurztest die kostenlose App Instagram als empfehlenswert herausgestellt: Die 14 Effekte lassen sich einfach anwenden und liefern saubere Ergebnisse. Im Gegensatz zu den Hipstamatic-Aufnahmen lenken die Bildrahmen nicht allzu sehr vom eigentlichen Motiv ab - und im Gegensatz zu The Best Camera ist die Bedienung von Instagram einfacher und schneller. Das mitgelieferte soziale Netzwerk muss man ja nicht nutzen.

Für Android bietet die knapp drei Euro teure App Vignette einfach zu bedienende und technisch ausgereifte Filter an. Retro Camera liefert seltsam pixelige Bilder, die kaum zu gebrauchen sind und mit aufdringlichen Bildrahmen nerven. Das kostenlose FxCamera ist eine brauchbare Alternative, die Bedienung etwas anstrengender.



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
lassehoffe, 09.04.2011
1. Androide?
Zitat von sysopDie meisten Smartphones liefern Fotos, die recht nüchtern daher kommen. Beim Aufhübschen helfen Kamera-Apps, mit denen man Schnappschüsse in vielen Stil-Formen künstlerisch gestalten kann. Einige glänzen mit umfassenden Funktionen. http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,755711,00.html
Warum die Einteilung? Es reicht doch, alle iPhone apps vorzustellen und dann darauf hinzuweisen, dass mittlerweile auch viele für Android kopiert wurden. Es ist ja nicht so, dass die zuerst für android originär erscheinen...
membot 09.04.2011
2.
Zitat von lassehoffeWarum die Einteilung? Es reicht doch, alle iPhone apps vorzustellen und dann darauf hinzuweisen, dass mittlerweile auch viele für Android kopiert wurden. Es ist ja nicht so, dass die zuerst für android originär erscheinen...
Mehr Sinn würde es machen Android-Apps vorzustellen und darauf hinzuweisen, dass es auch viele Apps für das iPhone gibt. Schließlich hat Android mittlerweile auf Platz eins einen Anteil von 31,2% und das iPhone auf Platz *vier* nur einen Anteil von 24,7%.
testerus 09.04.2011
3. N900 (Maemo) zeigt wie es geht
Was sollen die Apps ohne echten Hardwarezugang auch machen? Wenn die Hardware offen ist – wie beim Nokia N900 – dann gibt es auch nutzvolle Kameraanwendungen: http://fcam.garage.maemo.org/fcamera.html http://blessn900.com/ http://store.ovi.com/content/104191
dt-michel 09.04.2011
4. Android!!!
Zitat von lassehoffeWarum die Einteilung? Es reicht doch, alle iPhone apps vorzustellen und dann darauf hinzuweisen, dass mittlerweile auch viele für Android kopiert wurden. Es ist ja nicht so, dass die zuerst für android originär erscheinen...
Wer sagt das denn?
jimapollo 10.04.2011
5. ...
"Warum die Einteilung? Es reicht doch, alle iPhone apps vorzustellen und dann darauf hinzuweisen, dass mittlerweile auch viele für Android kopiert wurden. Es ist ja nicht so, dass die zuerst für android originär erscheinen..." Na aber schon zweimal nicht für's iPhone... sollte das keine Ironie gewesen sein, sei gesagt, dass die "Apps" alle kopiert sind, den Smartphones mit anständiger Knipstechnik (SonyEricson etc) haben sowas schon von anfang an mit an Board. Und wenn schon bei Jemandem kopiert wurde, dann bei Kodak, denn die meisten techniken dafür stammen von denen und werden unter Lizenz (wenn man den bezahlt...nicht wie A..) genutzt. Aber schon klar.."Ihr sollt keine Götter neben mir haben..."
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