Do it yourself für Einsteiger So basteln Sie einen Katamaran mit PC-Lüfter-Antrieb

Spielzeugboote mit Motor lassen sich kaufen - aber das ist langweilig. Selbst ein Wasserfahrzeug zu basteln, ist günstiger und macht auch zusammen mit Kindern Spaß. Hier erfahren Sie, wie es geht.

Bastelbeispiel
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Bastelbeispiel

Von "c't"-Redakteur Martin Reche


Selbst machen ist in: Im Internet findet man jede Menge Anleitungen für Bau- und Bastelprojekte, von intelligenter Beleuchtung bis zur Retro-Arcade-Machine. Bevor Sie selbst aktiv werden und sich an komplexe Maker- und Do-it-yourself-Projekte wagen, starten Sie am besten mit einem einfachen Vorhaben, das garantiert gelingt. Dafür bietet sich beispielsweise ein Wasserfahrzeug mit PC-Lüfter-Antrieb an.

En solches Boot baut man ohne große Vorkenntnisse zusammen: Die Hilfsmittel wie PC-Lüfter, Schalter sowie Anschlusskabel für die Batterie findet man in ausrangierten Computern und Elektrogeräten im Keller.

In unserem Beispiel entsteht in Anlehnung an eine Bastel-Anleitung der Nachwuchs-Maker-Website Tuduu.org ein Wasserfahrzeug auf Styropor-Basis, genauer: ein Katamaran. Für ein individuelles Aussehen lässt sich das Gefährt mit Lego-Steinen pimpen.

Tipps für Eltern und Kinder
Welche Materialien brauche ich?
Styropor, PC-Lüfter, Gewebeband, Ein-Ausschalter, Kabel, 9V-Block, Batterie-Clip, optional Lego und Gummibänder
Was muss ich vorher wissen?
Etwas handwerkliches Geschick ist von Vorteil, ebenso wie Basiswissen über Stromkreisläufe.
Wie lange dauert es?
Ein einfaches Boot baut man in weniger als einer Stunde zusammen.
Für welches Alter geeignet?
Kinder ab sechs Jahren arbeiten im Team mit den Eltern, Kinder ab zehn Jahren legen alleine los.
Was kostet es?
Das Projekt lässt sich im Idealfall komplett aus Recycling-Materialien herstellen. Für den 9V-Block sollte man rund zwei Euro einplanen.

Umweltfreundlicher Elektroantrieb

Im ersten Schritt bauen Sie aus wenigen Komponenten einen einfachen Stromkreis für den Antrieb zusammen. So wissen Sie später, wie viel Platz die Elektronik an Deck einnehmen wird. Der Stromkreis besteht aus einer Batterie (9V-Block) mit Clip, einem Ein-Aus-Schalter und einem ausrangierten PC-Lüfter. Der Lüfter sollte mit mindestens 1400 Umdrehungen pro Minute arbeiten, damit er sein eigenes Gewicht und das von Batterie und Boot bewegen kann - es dürfen aber auch gerne deutlich mehr Umdrehungen pro Minute sein.

Ein möglichst leichter Lüfter ist empfehlenswert; alte Exemplare muss man vor dem Einsatz gegebenenfalls reinigen. Im Beispiel haben wir die Minuspole von Batterie und Lüfter mit einer Lüsterklemme angeschlossen. Den Schalter verbindet man in einer Richtung mit dem Pluspol der Batterie, in der anderen mit dem 12-Volt-Anschluss des Lüfters. Jetzt kann man den "Motor" des Bootes bequem ein- und ausschalten.

Sollten Sie sich bei der Verkabelung des Lüfters unsicher sein, hilft beispielsweise die Website "Elektronik-Kompendium" weiter. Dort finden Sie die gängigsten Lüfteranschlüsse samt Kabelbelegungen.

Verhindern, dass das Lego ins Wasser rutscht

Im nächsten Schritt entstehen die Schwimmkörper für den Katamaran. Dafür schneiden Sie vier gleich lange Streifen von einer Styroporplatte ab; zwei breitere und zwei schmalere. Heißkleber und Gewebeband verbinden je einen schmalen mit einem breiten Styroporstreifen.

Im Beispiel haben wir, ebenfalls mit Heißkleber, auf jedem Schwimmkörper eine lange Lego-Technic-Stange befestigt. Diese Stangen dienen als Basis für die Legoplatten. So kann man später bei Bedarf mit immer neuen Aufbauten aus den bunten Steinchen experimentieren. Alternativ zurren Sie die Stangen mit Gummibändern an Deck fest und verhindern so, dass das Lego ins Wasser rutscht. Dabei bleiben die Legoplatten dann vom Heißkleber verschont.

Die Elektronik verschwindet in einem Kasten im Rumpf des Katamarans, der sie vor Spritzwasser schützt.
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Die Elektronik verschwindet in einem Kasten im Rumpf des Katamarans, der sie vor Spritzwasser schützt.

Das Gleichgewicht halten

Fixieren Sie nun den Lüfter hochkant an Deck. Platzieren Sie ihn so, dass sein Gewicht etwas nach hinten verlagert wird, das Boot dennoch möglichst sicher und austariert im Wasser liegt. Dabei hilft auch das Gewicht der Batterie, die ihren Platz etwas weiter vorne im Bug finden sollte. Probieren Sie verschiedene Positionen aus, bis es passt.

Bei besonders schlanken Konstruktionen lohnt sich der zusätzliche Einsatz von Pontons an beiden Auslegern. Als Schwimmkörper kommen unter anderem kleine Plastikflaschen, Ü-Ei-Schalen, Korken und leere Zigarrenhülsen in Frage. Wichtig ist, dass man die Schwimmkörper wasserdicht versiegelt. Der Katamaran im Beispiel kommt nach ein wenig zusätzlicher Tüftelarbeit ohne Pontons aus.

Vor der Jungfernfahrt verfrachten Sie die Batterie und den Großteil der Verkabelung in ein spritzwassergeschütztes Gehäuse. Eine kleine Keks- oder Bonbon-Dose reicht dafür aus. Der Schalter bleibt über eine Aussparung im Deckel erreichbar. Lego-Fans klickern sich einen solchen Kasten selbst zusammen. Dabei müssen Sie nur aufpassen, dass dieser nicht zu schwer wird. Ansonsten schwimmt das Gesamtkonstrukt zwar, kommt aber nicht so richtig vom Fleck.

Dann naht der spannende Moment: Schwimmt das Boot oder geht es unter? Kleiner Tipp: Vor dem Einsatz in der freien Natur sollte der Stapellauf in der heimischen Badewanne erfolgen, für den Fall, dass Nachjustierungen nötig werden.

Wir hatten Glück, unser Katamaran ist nicht untergegangen und hat auf dem Tümpel wie erhofft Fahrt aufgenommen - siehe Video. Zugegeben fährt er noch recht langsam und ein wenig wackelig, aber das Wichtigste ist: Das Bastelprojekt war erfolgreich.

Und noch ein wenig Feintuning

Selbst wenn das Ergebnis noch nicht perfekt ist, fördern solche erfolgreichen Basteleien die Neugier aufs Tüfteln und Selbermachen. Im nächsten Schritt nimmt man sich den Antrieb vor und sucht nach Möglichkeiten, ihn zu tunen - ambitionierte Bastler arbeiten mit stärkeren Lüftern und mehreren Batterien, um für schnellere und längere Ausfahrten zu sorgen.

Optional bringt man zu einem späteren Zeitpunkt einen Einplatinenrechner wie den Arduino ins Spiel und setzt diesen für die passende Bootsbeleuchtung ein. Ausrangierte Computertechnik findet ein zweites Leben als Verzierung an Deck und eine bunte Lackierung sorgt für den letzten Schliff.

Kurzum: Das Projekt lässt sich fast beliebig weiterspinnen. Vielleicht finden sich später im Freundeskreis Mitstreiter, die ebenfalls das Bastelfieber packt, sodass sie in einem Rennen die Leistung ihrer eigenen Konstruktionen mit der Ihres Bootes messen wollen.



insgesamt 2 Beiträge
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Wolfvon Drebnitz 14.07.2018
1. Mehr davon
Wunderbar - schöne Idee. Künftig bitte den Klatsch über Halbintelligente weglassen und mehr davon. Anabole statt katabole Berichterstattung! Die Makerbewegung ist in den USA viel weiter und selbverständlicher als bei uns. Jahrelang hat man die handwerklichen Fächer wie Werken, Nähen, Kochen etc. negiert und allein auf Mint gesetzt. Doch das ist ein Fehler - jemand der gelernt hat kreativ zu sein und Liebe zu einem Fach zu entwickeln, wird davon sein ganze Leben zehren. Es ist einfach ein Glücksgefühl wenn man selbst was ausgedacht und erschaffen hat. Leider hat die junge Generation viel zu wenig Berührung mit diesen Tätigkeiten und zu wenig Informationen darüber. Stattdessen gibt es auf allen Kanälen Mord und Totschlag - insbesondere der Öffentliche Rundfunk wäre da in der Pflicht - doch da gibt es lieber 3 Tatorte hintereinander - einer grausamer und perverser als der andere. Dem Spon kann ich empfehlen eine Makerrubrik einzurichten und die Horrorbilder von Eiterbäuchen, Geschwüren und sonstigem medizinischem Voyeurismus abzusetzen.
murksdoc 14.07.2018
2. Bessere Idee
Klauen Sie aus Grossvaters Modellbauschrank das 1:200 Modell der BISMARCK (TIRPITZ tuts auch) und bauen Sie Ihren Aufsatz da drauf. Vorteil: Ist schon austariert und seegängig und durch geschicktes Einbringen eines Kanonenschlages kann man eine der großen Seeschlachten des Zweiten Weltkrieges nachstellen. Das Ganze mit einer Drohne gefilmt und auf YouTube veröffentlicht, dann geht es viral und man wird Millionär und wenn Opa den Clip im Altersheim gezeigt kriegt, sind auch die Besitzverhältnisse endgültig geklärt.
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