Von Matthias Kremp
Dieses Jahr soll es ein Tablet-PC sein. Diese Entscheidung dürften viele Menschen längst gefällt haben. Noch vor ein, zwei Jahren war damit auch klar, was für ein Tablet man kauft: In den allermeisten Fällen wurde es ein iPad. Apples Flachrechner war zuerst quasi allein auf weiter Flur, wurde später nur wenig von schlechten Konkurrenzmodellen bedroht. Doch jetzt gibt es reichlich Auswahl, reichlich Tätschel-Computer, die als Alternative zum Marktführer taugen. Neben Dutzenden Android-Tablets, teilweise von Google selbst vermarktet, drängen nun auch die Windows-8-Rechner auf den Markt, die zumeist Tablet und Notebook in sich vereinen und mit drehbaren Bildschirmen oder ansteckbaren Tastaturen geliefert werden.
Die Antworten auf ein paar grundlegende Fragen machen es leichter, sich für ein bestimmtes Tablet zu entscheiden:
Wie groß muss es sein?
Die wichtigste Entscheidung, die man vor dem Kauf fällen muss, ist die, ob man ein Gerät der 7-Zoll-Klasse oder lieber eines der 10-Zoll-Klasse haben möchte. Sie beeinflusst dramatisch den Preis und die Nutzungsmöglichkeiten. Ein gutes 7-Zoll-Tablet, wie Googles Nexus 7, bekommt man schon für 200 Euro, während das entsprechende 10-Zoll-Modell doppelt so teuer ist. Bei Apples iPads fällt der Preisunterschied nicht weniger drastisch aus. Mit 174 Euro ist Amazons Kindle Fire besonders günstig, hat aber nur wenig Speicher (8 GB). Die HD-Variante des Fire kostet 40 Euro mehr, bietet dafür einen deutlich besseren Bildschirm und doppelt so viel Speicher.
Der funktionell entscheidende Unterschied zwischen den beiden Größenklassen: 7-Zoll-Tablets taugen aufgrund ihrer Größe in erster Linie zum Konsumieren. Lesen, im Web surfen, E-Mails lesen, Videos angucken und Spielen geht damit prima. Um Texte zu bearbeiten, sind die virtuellen Tastaturen aber meist zu klein, für Bildbearbeitung zeigen die Displays zu wenige Details an. Beim Musizieren nerven beispielsweise bei Synthesizer-Apps die eng zusammen liegenden Tasten virtueller Klaviaturen. Für solche Dinge sind die großen Tablets besser geeignet.
Was bringt ein Retina-Display?
Seit der dritten iPad-Generation wirbt Apple mit sogenannten Retina-Displays. Das sind Bildschirme mit besonders hoher Auflösung. Während ein iPad noch 1024 x 768 Pixel auf seinem Bildschirm anzeigt, leuchten bei iPad 3 und 4 viermal so viele, nämlich 2048 x 1536. Weil die Bildpunkte also viel kleiner und dichter gedrängt sind, kann man mit bloßen Auge keine einzelnen Pixel mehr erkennen. Buchstaben sehen dadurch schärfer aus, Fotos und Videos zeigen mehr Details, man kann Filme beispielsweise in derselben Full-HD-Auflösung anschauen, wie sie ein großer Fernseher anzeigt.
Der Unterschied im Vergleich zu normalen Displays ist deutlich sichtbar und wer einmal ein solches Display genutzt hat, tut sich schwer damit, darauf zu verzichten. Allerdings ist Apple nicht mehr der einzige Anbieter derart hochauflösender Tablet-Rechner. Asus bietet das Transformer Pad Infinity mit 1920 x 1200 Bildpunkten an, Googles Nexus 10 hat mit 2560 x 1600 Pixel eine sogar noch höhere Auflösung als die iPads. Generell gilt: Die hochauflösenden Bildschirme gibt es nur bei 10-Zoll-Tablets.
Wie viel Speicherplatz brauche ich?
Auch diese Frage beeinflusst Nutzungsmöglichkeiten und Preis sehr deutlich. Bei Apple beispielsweise zahlt man für jede Verdopplung des Arbeitsspeichers 100 Euro Aufpreis. Ein 32-GB-iPad kostet also 100 Euro mehr als eines mit 16 GB. beim Google Nexus 10 gilt dasselbe Prinzip. Samsung gibt sich da bescheidener, verlangt etwa für das 32-GB-Modell des Galaxy Tab 2 7.0 nur 40 Euro Aufpreis gegenüber der 16-GB-Variante.
Wie viel Speicherplatz man braucht, hängt entscheidend davon ab, wie man das Gerät einsetzen will. Nur wer sehr viel Musik und Filme auf dem Tablet ablegen will, braucht eine 64-GB-Variante. Anwendern, die ihr Tablet hauptsächlich zu Hause nutzen wollen, dürften zumeist 16 GB Speicher reichen. Das ist genug für viele Dutzend Apps, ein wenig Musik, Fotos und vielleicht ein paar Videos oder einen Film. Wer sich nicht sicher ist, sollte 32 GB Speicher wählen.
Kann man den Speicherplatz erweitern?
Sollte der installierte Speicher doch eines Tages knapp werden, ist man gut dran, wenn das Tablet einen Erweiterungssteckplatz aufweist. Per microSD-Karte lassen sich dann beispielsweise 32 GB Speicher für 20 bis 25 Euro nachrüsten. Apple bietet diese Möglichkeit grundsätzlich nicht an, einige andere Hersteller sind diesem Beispiel gefolgt.
Manche Hersteller kombinieren ihre Tablets mit einem bestimmten Kontingent kostenlosen Online-Speichers. Bei Apple bekommt man 5 GB iCloud-Speicher dazu, bei Samsung sind es 50 GB bei Dropbox, die allerdings auf ein Jahr Nutzungszeit limitiert sind. Alternativ gibt es reichlich andere kostenlose Cloud-Speicher-Angebote. Die Berliner Strato AG beispielsweise bietet jedermann 5 GB kostenlosen Speicherplatz in ihrem Angebot Hidrive an und stellt dafür auch sehr praktische und ebenfalls kostenlose Apps für iOS, Android und Windows Phone 7 zur Verfügung.
Was nützen mir UMTS, HSPA, LTE und 3G?
Genauso wie zusätzlicher Speicherplatz teuer ist, muss man auch für eine Mobilfunkanbindung teils tief in die Tasche greifen, W-Lan hingegen ist in allen Tablet-Computer eingebaut. Aber das nützt natürlich nur etwas, so lange man sich zu Hause im privaten W-Lan, im Büro im Firmen-W-Lan oder unterwegs im W-Lan eines öffentlichen Hot Spots aufhält.
Nur wer solche Räume regelmäßig verlässt und trotzdem noch im Web surfen und Mails verschicken will, braucht eine Mobilfunkanbindung. Je nach Hersteller und Technik wird die als 3G, 4G, UMTS, LTE oder Cellular bezeichnet. Wichtig ist es zu beachten, dass man für ein solches Mobilfunkmodul eine Sim-Karte braucht. Um die zu bekommen, muss man entweder einen Laufzeitvertrag oder einen Prepaid-Vertrag bei einem Mobilfunkanbieter abschließen, der mit weiteren Kosten verbunden ist.
Wo gibt es die besten Apps?
Während Apple, Google und Microsoft meist damit protzen, wie viele Apps sie in ihren jeweiligen App Stores lagern, ist viel wichtiger, wie viele davon für Tablets optimiert sind. Hier hat Apple klar die Nase vorn, meldet mehr als 270.000 für die iPads optimierte Apps. Google hingegen gibt keine offiziellen Zahlen bekannt, man kann aber davon ausgehen, dass nur ein Bruchteil der Android-Apps für Tablets optimiert sind. Für Microsofts Windows 8 waren Ende November rund 20.000 Apps verfügbar.
iPad, Android oder Windows 8?
Die schwierigste Frage bleibt am Ende, für welches Betriebssystem man sich entscheidet. Die Vor- und Nachteile der drei großen Tablet-Systeme haben wir im Folgenden zusammengetragen:
Fazit: Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft ein iPad. Weil Apple den Markt lange fast allein beackert hat, gibt es für die Apple-Tablets das meiste Zubehör, die meisten und darunter sehr viele, sehr gute Apps. Die Qualität der iPads ist generell gut, die Bildschirme bei iPad 3 und 4 herausragend. Das iPad mini hat zwar kein Retina-Display, besticht dafür mit geringem Gewicht und Schlankheit. Eine günstige Variante ist das iPad 2, bei dem man auf Retina-Technik verzichten muss. Der Nachteil: Mit dem Kauf eines iPad begibt man sich in Apples goldenen Käfig aus Hardware, Software, Musik, Filmen und Büchern. Aber auch da bieten Apps Auswege. Etwa Amazons Kindle-App, mit der man bei Amazon gekaufte E-Books auf dem iPad lesen kann.
Oft günstiger kommt man mit Android-Tablets weg, von denen es eine riesige Auswahl gibt. Aktuell hat Google selbst mit Nexus 7 und Nexus 10 zwei technisch hochwertige und preislich attraktive Tablets im Angebot. Bei diesen Modellen kann man sicher sein, relativ lange mit Android-Updates versorgt zu werden. Für Modelle anderer Anbieter gilt das nicht immer. Von Supermarkt-Schnäppchen ist abzuraten. Sie basieren meist auf veralteter Hardware, werden mit alten Android-Versionen ausgeliefert und haben oft mangelhafte Touchscreen-Displays.
Mit Windows 8 versucht Microsoft nun auch im Tablet-Markt Fuß zu fassen. Mit dem Surface RT hat der Konzern selbst ein interessantes Gerät im Angebot. Hersteller wie Acer und Asus bieten allerdings oft günstigere Alternativen an. Ein Nachteil des Microsoft-Systems ist das derzeit noch überschaubare Angebot an Apps. Zudem sind einige Funktionen nur über den Desktop erreichbar, der per Finger auf einem Tablet kaum bedienbar ist.
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