Von Ole Reißmann
Fast ein Jahr hat es gedauert, dann war die Berlin Boombox fertig: Eine Box aus bedruckter Pappe, ausgestattet mit zwei Lautsprechern, einem Lautstärkeregler und einem Anschluss für MP3-Player oder Smartphones. Die Idee dazu hatte der Berliner Designer Axel Pfaender im März 2012 auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter vorgestellt.
Das Bastelset gibt es jetzt nicht nur im Internet zu kaufen, sondern auch in Geschäften in Los Angeles, New York, Dresden oder Brüssel. Zum Start hat Pfaender 2000 der Pappboxen im Retrolook produziert. Das Geld dafür kommt, zumindest zum Teil, von 338 Unterstützern auf Kickstarter. Die Fans der Berlin Boombox, davon 105 aus den USA und 110 aus Deutschland, legten mehr als 20.000 Dollar für das Ein-Mann-Projekt zusammen.
Zum Erfolg beigetragen haben Berichte auf großen US-Seiten wie "Engadget" und "The Verge". Noch richtet sich Kickstarter nur an Projekte in den USA und mittlerweile auch Großbritannien. Um eine Kampagne zu starten, braucht man jemandem mit einer Bankverbindung in dem jeweiligen Land. Eine Freundin half Pfaender aus, die Berlin Boombox wurde international.
2000 Exemplare produziert
Ende April war das Projekt erfolgreich finanziert, Pfaender machte sich an die Arbeit - und musste die Geduld seiner Geldgeber auf die Probe stellen: Ein Hersteller von Lautsprechern hatte sich gemeldet und bot seine Hilfe an, um die Klangqualität noch zu verbessern. Im August schließlich wurden die Pappen bedruckt, über den Fortgang des Projekts berichtet er auf der Kickstarter-Seite.
Mitte Oktober gingen die ersten Lautsprecher-Boxen auf Postreise zum Empfänger. 2000 Exemplare hat Pfaender herstellen lassen, mehr als geplant: "Wenn ich die ersten 1000 Stück verkauft habe, habe ich den Break-Even erreicht, also die Entwicklungs- und Herstellungskosten wieder reingeholt", sagt er. Das Crowdfunding war erfolgreich, nun ist er auf der Suche nach Kunden.
Wir haben eine Berlin Boombox ausprobiert: Sie klingt im Vergleich zu vielen Bluetooth-Lautsprechern besser, zumal bei basslastigen Klängen. Für feine Klassikaufnahmen eignen sich die Lautsprecher im Pappgehäuse aber eher nicht. Die Lautsprecher mit ihren zweimal fünf Watt beschallen kleinere Picknickgesellschaften - bei größeren Versammlungen, Straßenbahnen oder Turnhallen wird es allerdings schwer. Mit einem ausgewachsenen MP3-Verstärker wie dem Marshall Hanwell kann das Bastelset nicht mithalten.
Tragegriff nicht zur Zierde
Dafür hat die Retro-Optik (siehe Fotostrecke) allerdings ihren Preis: Der Kasten schlägt mit 65 Euro plus Versandkosten zu Buche - und muss dann noch zusammengesteckt werden. Die Boombox ist kein Schnäppchen: "Ich habe eine sehr hochwertige Pappe ausgewählt, sie wird in Berlin per Siebdruck bedruckt und auch lokal weiterverarbeitet. Das hat natürlich seinen Preis", sagt Pfaender. Die Technik allerdings kommt aus China.
Bleibt nur ein Problem: So richtig lässig lässt sich mit der Boombox nicht flanieren, wenn ein MP3-Player oder Smartphone eingestöpselt ist - das Gadget liegt nur locker auf der dafür vorgesehenen Ablagefläche auf und droht abzustürzen. Ohne zusätzliche Vorkehrungen eignet sich die Boombox deshalb eher zum stationären Musikgenuss.
Außerdem sollte man sich vor Regen sich in Acht nehmen: Die Berlin Boombox passt nur in wirklich große Rucksäcke. Der Tragegriff der Boombox ist keineswegs nur zur Zierde angebracht. Sollte man doch einmal von einem Schauer überrascht werden, verspricht Pfaender Abhilfe: "Falls doch mal was passiert, kann man für ein paar Euro ein Ersatz-Gehäuse bekommen und austauschen."
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