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Kinder-PC: Microsoft will Schule machen

Microsoft und Samsung haben sich zusammengetan und stellen auf der Cebit einen PC für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren vor. Das Pennäler-Netbook der Branchengrößen soll nicht nur den Kindern Spaß machen, sondern vor allem Eltern und Lehrer beglücken.

Microsofts Kinder-PC: Ein Windows für die Kleinen Fotos
ddp

Microsoft macht auf der Cebit dick auf Bildung: Mehr als 500 Schüler sollen während der Messetage ihren Unterricht in einem digitalen Klassenzimmer abhalten, das der Konzern auf einer Fläche von 150 Quadratmetern auf seinem Messestand aufgebaut hat. Inwieweit der laut Lehrplan zu vermittelnde Stoff durchgenommen wird - und was dabei im Messetrubel hängenbleibt - ist nicht klar. Dafür dürften die Youngster sich nach ihrem einwöchigen Auftritt perfekt mit modernen Hightech-Lehrmethoden und -geräten auskennen - und werden einige Schwierigkeiten haben, zu Papier und Stift, Tafel und Kreide zurückzukehren.

Doch das digitale Klassenzimmer, für das der Software-Konzern so aufwendig wirbt, sieht zwar schön aus, wird aber wohl vorerst nur Modellcharakter haben. Zu teuer sind die gezeigten Touchscreen-Tische und Videokonferenzsysteme, als dass eine normale Schule sie sich leisten könnte. Populärer dürfte schon der als "PC für Kinder" bezeichnete Laptop werden, den Samsung und Microsoft gemeinsam entwickelt haben.

Die Basis für den Kinder-PC bildet ein Samsung-Netbook vom Typ N150, das der koreanische Konzern auf der Messe erstmals vorstellt. Gegenüber Standard-Netbooks unterscheidet sich diese Hardware kaum von dem, was man im Elektro-Supermarkt findet: 10-Zoll-Display und Intel-Atom-Prozessor sind in ein Gehäuse eingebaut, das laut Samsung besonders stabil sein soll. Bis zu acht Stunden Akkulaufzeit soll es schaffen und mit einer besonders kratzfesten und fingerabdruckresistenten Oberfläche beschichtet sein.

Wasserfest bis 50 Milliliter?

Und falls beim Lernen mal ein Glas umkippt, so verspricht es Samsung, ist auch das keine Katastrophe: Einer speziellen Versiegelung sei dank, soll es bis zu 50 Milliliter Flüssigkeit schadlos verkraften können. Die Angabe einer Flüssigkeitsmenge ist allerdings ausgesprochen merkwürdig, lässt eher an eine Art Auffangwanne mit begrenztem Volumen als an eine Beschichtung denken. Ulkig auch der Hinweis: "Nach anleitungsgemäßer Trockenlegung läuft es problemlos weiter."

Ungewöhnlich und ganz anders als bei den meisten Geräten dieser Klasse: Der Bildschirm ist entspiegelt. Samsung begründet das ganz niedlich mit der Aussage: "Zum Schutz der empfindlichen Kinderaugen ist ein speziell entspiegeltes LED-Display an Bord". Wenn dem so sein sollte, können einem Elternaugen nur leid tun, die dann ja offensichtlich Tag für Tag mit spiegelnden Displays malträtiert werden.

Automatischer Kinderschutz

Doch Eltern sollen bei diesem Gerät auf ganz andere Weise zufriedengestellt werden. Denn auf dem Kinder-Netbook läuft eine Windows-7-Variante, die von Microsofts Programmierern komplett umgekrempelt wurde. Vor allem ist darin ein Programm integriert, mit dem auch technisch unbedarfte Eltern in der Lage sein sollen, den Spielraum ihrer Sprösslinge einzuschränken. Nach Eingabe von Name und Alter des Kindes wählt das System laut Microsoft eine passende Sicherheitsstufe aus und konfiguriert den Rechner automatisch. Dabei würden unter anderem Web-Filter aktiviert, die gemeinsam mit Pädagogen entwickelt wurden. Zudem wird der Mini-PC für die Minis mit einer speziellen Kinderversion des Windows Live Messenger, einem Online-Lerncenter sowie einer Verlinkung auf einen E-Mail-Dienst für Kinder ausgeliefert.

Für Eltern, die ansonsten nicht in der Lage wären, das Online-Treiben ihrer Kinder zu reglementieren, dürfte dieses Komplettpaket genau das Angebot sein, auf das sie gewartet haben. Schließlich gehört ein eigener PC bei vielen Kindern längst zur Standardausstattung im Kinderzimmer. Laut Branchenverband Bitkom surften 2009 bereits 71 Prozent der Sieben- bis Zehnjährigen zu Hause, bei älteren Jugendlichen liegt der Anteil bei fast 100 Prozent. Wie hoch der Anteil der Eltern ist, die keinen Schimmer davon haben, was die lieben Kleinen da treiben, ist nicht bekannt - vielleicht ist das auch besser so.

mak

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Die Cebit 2010
Öffnungszeiten
Die Cebit ist vom 2. bis zum 6. März 2010 täglich von 9:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet.
Eintrittspreise
An den Tageskassen kostet ein Tagesticket 38 Euro, ein Dauerticket 81 Euro.
Beschränkungen für Kinder und Jugendliche
Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürfen nur am 6. März und nur in Begleitung Erwachsener die Cebit besuchen. Kinder unter 8 Jahren erhalten gar keinen Zutritt.
Mehr Informationen ...
... finden Sie auf der offiziellen Webseite der Cebit .


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